Mitlesen für 20 Cent

Sonntag, 07.02.2010

Eine Geschäftsidee der Deutschen Post AG nimmt langsam Formen an – die DE-Mail. Gemäß dem Bürgerportalgesetz der Bundesregierung startet der gelbe Kommunikationsriese im Juni diesen Jahres den rechtsverbindlichen Online-Brief als neues Produkt. Für 20 Cent können dann u.a. vertrauliche Mitteilungen besonders sicher und datenschutzkonform per E-Mail verschickt werden, siehe hierzu auch den Werbefilm der Bundesregierung.

Mit dem schnellen Vorantreiben des Produkts will das Bonner Unternehmen wohl diverse Umsatzeinbrüche ausgleichen, die es bspw. beim Standardbrief (55 Cent) geben wird sobald andere DE-Mail-Anbieter an den Markt gehen. Deswegen zeigt man sich mit 20 Cent wahrscheinlich als “teuerster Anbieter” des digitalen Briefs.

Ob die Post mit DE-Mail die gleiche Bauchlandung erzielen wird wie vor 5 Jahren bereits mit ePost? Dieser Dienst wurde wegen des fehlenden Geschäftsmodells einfach wieder abgeschaltet. Im Klartext, das Interesse der Internetnutzer war sehr gering, obwohl es sich um ein kostenloses Angebot handelte.

Was mir an dieser “neuen Form” der Kommunikation sauer aufstösß ist, dass es sich hierbei um ein staatliches und gesetzlich geregeltes Machwerk dreht um in den 20 Cent das Abfangen und Mitlesen einschlägiger Stellen eingeschlossen ist. Klar ist das auch bei den herkömmlichen E-Mails möglich, aber die ist nicht gebührenpflichtig und findet vor Gericht auch rechtlichen Bestand hat. Insbesondere letzteres deklassiert DE-Mail zum staatlichen Knieschuss.

Zu den Versprechen wie

  • so sicher wie Papierpost und
  • nie wieder ein Schriftstück verlieren

würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, denn auch DE-Mail ist nach meiner Ansicht nicht uneinnehmbar von Phishing, Spam & Co. 20 Cent für diese Totgeburt sind immer noch zu viel.

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Veröffentlicht wurde dieser Beitrag von Thomas am 07.02.2010 um 11:52 Uhr, eingeordnet unter der Kategorie Politisches. Die Kommentare hierzu kannst Du auch per RSS Feed verfolgen. Deine Meinung interessiert mich natürlich auch, Du kannst sie hier schreiben oder von Deiner Seite einen Trackback senden. Diesen Beitrag ausdrucken .

4 Kommentare


geschrieben von juliaL49
07.02.2010, 13:34 Uhr

Auch das wird scheitern, denn diejenigen, die das nutzen würden (d.h. sichere E-Mails verschicken), die wissen auch, dass es da kostenlose und wirklich sichere Möglichkeiten gibt.
Und diejenigen, die sowas eh nicht vertrauen (Otto Normalbürger) schreibt lieber einen echten Brief, denn da “hat man was in der Hand”.

geschrieben von Thomas
07.02.2010, 14:17 Uhr

Da müssten sich viele Institutionen erstmal dazu aufraffen via E-Mail zu kommunizieren bzw. eine Kontaktadresse generell auf dem Briefbogen angeben. Das klappt heute schon nicht mit der “freien Mail” und wird sich auf Grund der DE-Mail auch nicht grundlegend verändern. DE-Mail halte ich für einen Rohrkrepierer.

geschrieben von Aquii
07.02.2010, 18:14 Uhr

Na, ich glaube das da gerne einer mitliest, besonders dann wenn es ein halbstaatliche Unternehmen macht, dazu sind mit noch die ‘Pannen’ der Telekom gut in Erinnerung.

geschrieben von Thomas
07.02.2010, 19:51 Uhr

Solche Pannen würden wenn überhaupt erst in vielen Jahren und durch Zufall aufkommen – wie bei der Telekom. Aber was nützt es dem Anwender wenn er 2015 erfährt, dass 2011 seine Post in abwegige Kanäle gegangen ist? Das Projekt DE-Mail scheint mir eher eine Totgeburt zu sein, in der viel Geld und Versprechen steckt und deswegen jetzt schön geredet und angepriesen wird. Zugeben wird das selbstverständlich keiner.

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