Praxistest: Der eBrief von PinMail

Briefe in der Deutschen Post Ag versenden ist ein weitverbreiteter Standard. Doch auch andere Briefdienstleister bieten alternative Leistungspakete an, die auch für den Privatmann in Frage kommen. Diese Praxistestreihe beschäftigt sich mit diesen Alternativdienstleistern und achtet dabei insbesondere auf die  “versprochenen” Merkmale und deren Umsetzung.

Ohne den Weg zum Briefkasten antreten zu müssen die Tagespost verschicken – in meinen Augen eine sehr praktische Angelegenheit. Neben der Deutschen Post AG bieten verschiedene andere Briefdienstleister mittels ihrer Onlineportale diesen Service an, den Hybrid-Brief. Dabei variieren der angebotene Service und die Preise für diesen Dienst, der nicht nur Geschäftskunden vorbehalten ist.

[series_post_list_box series="535"] Auf den Unterschied zwischen Geschäfts- und Privatkunden hinsichtlich Angebot und Preisgestaltung gehe ich dabei bewusst nicht ein. Teilweise stelle ich Vergleiche zum ePostBrief der Deutschen Post AG  (DPAG) an, da dieser Anbieter offenbar immer noch der bekannteste am Markt sein dürfte.

Im Rahmen einer kleinen Artikelserie werde ich in den nächsten Wochen  verschiedene Briefdienstleister testen  und meine Erfahrungen mit dem Online-Versand hier veröffentlichen.

Die Testserie starten möchte ich mit dem Dienst von PinMail, dem ebrief.

Das Berliner Unternehmen – Firmenfarbe ein sattes Grün – wirbt unter anderem auch mit dem Slogan “schick es grün” und unterhält in Berlin neben Briefkästen auch PIN-Partner-Shops (ähnlich den Postagenturen der DPAG), allerdings eben nur dort. Somit bleibt dem der den ebrief nutzen will und nicht in der Hauptstadt wohnt nur die Online-Variante. Nur um diese geht es in diesem Praxistest.

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Das Porto bleibt beim Standarddruck (schwarz/weiß) zwischen 1 Cent und 2 Cent unter dem Porto der Deutschen Post AG. Beim Aufpreis für jede weitere ab der dritten Seite ist der ebrief sogar 4 Cent günstiger als beim “gelben Konkurrenten. Weniger deutlich fällt der Zuschlag für den Farbdruck aus, hier liegt PinMail mit 0,09 € “nur” 1 Cent unter dem der DPAG. Verwunderlich hier, PinMail ermöglicht den Versand von maximal 96 Seiten, die DPAG bleibt hier 2 Seiten darunter.

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Der größte Unterschied in den Versandoptionen liegt darin, dass der ebrief von PinMail kein Einschreiben anbietet. Wer also Dokumente versenden möchte, deren Ankunft beim Empfänger dokumentiert werden soll ist beim ebrief im wahrsten Sinne des Wortes “an der falschen Adresse”.

Formatvoraussetzungen der Dokumente

Zugelassene Dateiformate für den Versand sind: .sxw, .odt, .doc, .docx, .pdf, .rtf und .txt. Damit ist die gesamte Bandbreite abgedeckt welche die Textverarbeitung anbietet (ist leider nicht bei allen Hybrid-Anbietern so). Ein ganz wichtiger Punkt ist das Format des Briefes. Dieser sollte für einen Fensterbriefumschlag ausgelegt sein und gewisse Formate – speziell für das Adressfeld – einhalten. PinMail bietet hierfür auch eine Formatvorlage für MS Word an. Diese einmal an die eigenen Bedürfnisse angepasst gibts beim Einlesen der Empfängeradresse keine Probleme.

Uploadmaske zum Briefversand

Erfüllt der Brief die Vorgaben kann er hochgeladen und in den Warenkorb gelegt werden. Der Warenkorb sammelt alle Aufträge und verschickt sie nach dem Bezahlvorgang alle zusammen. Vorteil hier, es muss nicht wie bei der DPAG jeder Brief einzeln “verarbeitet” sprich bezahlt und abgeschickt werden. Ein weiterer und für mich sehr entscheidender Service ist die Postkorb-Funktion. Hier können – Adobe Flashplayer 9 vorausgesetzt – in einem einzigen Vorgang mehrere Briefe (bis max. 7 MB pro Upload) hochgeladen und in den Warenkorb gelegt werden.

Ausschnitt des Warenkorbs von ebrief

Im Warenkorb selbst kann dann für jeden Brief nochmal Kontrolle geübt werden. Eine Vorschau des zu druckenden Dokuments wird hier ebenso angeboten wie die Option für Farbdruck, ein- oder zweiseitiges Drucken, Preis des jeweilgen Briefs und die Dokumentendetails. Unter letzterem versteht sich eine Ansicht mit allen Angaben zum hochgeladenen Dokument bis hin zur softwareseitig erkannten Anschrift des Empfängers. Jetzt noch erkannte Fehler können immer noch verbessert werden ohne dass Kosten entstanden wären.

Für diejenigen, die keine Briefe als Datei hochladen können/wollen besteht alternativ die Möglichkeit des manuellen Briefs. Hier kann man mittels Eingabemaske Absender, Empfänger, Betreffzeile und Brieftext direkt online erfassen und anschließend in den Warenkorb legen. Die Möglichkeit einer “Anlage”, also ein weiteres Dokument besteht hier allerdings nicht.

Bezahlung, Zustellgebiet und Laufzeit

Als Privatmann wird man eher nicht zu den Vertragskunden von PinMail gehören. Diese können mit nachträglicher Rechnungslegung die Portokosten begleichen. Für alle anderen stehen zwei andere sichere und einfache Zahlvarianten zur Verfügung – PayPal und Sofortüberweisung.de. Bevor der Versandauftrag den Warenkorb Richtung Versand verlässt werden an für die jeweilige Sitzung aufgelaufenen Kosten beglichen.

Das Zustellgebiet von PinMail ist das gesamte Gebiet der neuen Bundesländer. Empfänger außerhalb dieses Bereichs werden dennoch erreicht in dem Kooperationspartner oder die DPAG die Zustellung übernimmt. Briefe ins Ausland sind nicht möglich. Die Regellaufzeit wird von PinMail mit 1 bis 3 Werktagen angegeben. Etwas enger wird der ganze Zeitplan, wenn der Versand am Wochenende stattfindet und in der darauf folgenden Wohe noch ein Feiertag “versteckt” ist.

Als Deadline für die Einlieferung und Verarbeitung (Versand) am selben Tag gilt 15 Uhr. Einen zeitlichen Vorteil hat man hier bei der DPAG sebst, dort gilt 18 Uhr als letzte “Annahmeschluss”. Man darf hier aber fairerweise nicht vergessen, dass PinMail die Briefe noch zum Briefzentrum der DPAG bringen muss sofern diese außerhalb des Zustellgebietes zugestellt werden müssen. Somit ist 15 Uhr eine durchaus akzeptable Uhrzeit.

Die Laufzeit habe ich mit 4 Briefen getestet. Ein Brief wurde weit vor der Deadline hochgeladen, einer kurz vor und einer kurz nach der von PinMail angegebenen Deadline. Mit dem vierten Brief teste ich die Verarbeitungs- bzw. Laufzeit beim Versand am Wochenende mit einem Feiertag (1. Mai 2012) zu Beginn der Woche.  Wie “eng” es Pin-Mail mit dem Einlieferungsschluss (15 Uhr) nimmt wurde auch getestet.

Ergebnis meiner Laufzeittests
TestbriefAuf Server von PinMail hochgeladenZustellung erfolgte am
1Sonntag, 20:30Donnerstag (Di. war 1. Mai)
2Mittwoch, 12:15 UhrFreitag
3Donnerstag, 15:05 UhrMontag
4Donnerstag, 14:55 UhrMontag

Testbrief 3 und 4 haben mir gezeigt, dass die Deadline von PinMail unerheblich ist, beide Briefe wurden zusammen verarbeitet und verschickt. Negativ fiel mir jedoch auf, dass beide Briefe zwar am Donnerstag in Auftrag gegeben, jedoch erst am Samstag frankiert wurden. Deswegen auch die Ankunft in Hamburg erst am Montag. Damit kommt die Aussage von PinMail, dass Briefe (vor 15 Uhr aufgegeben) am selben Tag verarbeitet und zur DPAG verbracht werden etwas in Schieflage.

Qualität der Ausdrucke

Meine Testbriefe enthielten zweimal nur ganz einfachen Text, ein anderer Brief wurde mit einer Grauskala und einem s/w-Foto versehen, der letzte Testbrief wurde mit einem Farbkreis und einem Farbfoto auf den Weg gebracht. Alle Ausdrucke waren qualitativ völlig in Ordnung.

Mein Fazit

Nicht jedes Schreiben muss per Einschreiben versandt werden weswegen ich auf diese Versandoption gut verzichtet kann. Die Preisersparnis ist für Privatanwender nicht nennenswert aber auch nicht ausschlaggebend. Etwas teurer zur herkömmlichen Post wird es bei Farbdrucken und über 3 Seiten hinausgehende Briefe, doch auch diese Optionen sind für mich nicht von größerem Belang. Das Portal für den ebrief ist übersichtlich und sehr einfach in der Bedienung – ohne viel unnötigem Schnick-Schnack eben.

Nicht ganz nachzuvollziehen ist für mich, warum  aus umweltpolitischer Hinsicht  doppelseitiges Drucken speziell beim “Klassischen Brief” bis 20 Gramm einen Aufpreis verursacht. Schließlich könnte man bei 3 Seiten DIN A 4 ein Blatt komplett einsparen, würde man die Rückseite mit benutzen. Das automatisierte Wenden des Blattes rechtfertigt für mich keinen Aufpreis.

Ein weiterer und kleiner Kritikpunkt ist auch die Farbgebung der Eingabemasken. Ein “stechendes” grün mit weißer Schrift entspricht für meinen Geschmack weder einer barrierefreien Webseite (Sehbehinderung) noch ist es lesefreundlich für Besucher im allgemeinen. Grün ist zwar die Firmenfarbe, ein paar Grad dunkler hätten es aber auch getan. Entscheidend für die Nutzung des Dienstes ist dies jedoch nicht.

Für denjenigen, der nicht nur auf den gelben Riesen vertraut und auch mal “kleineren Unternehmen” eine Chance einräumen möchte ist der ebrief von PinMail durchaus eine gute Alternative die ich empfehlen kann und zukünftig auch sicher immer wieder mal nutzen werde, wenn es auf einen oder zwei Tag(e) mehr bei der Zustellung nicht ankommt.

Über Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

3 Kommentare zu Praxistest: Der eBrief von PinMail

  1. Aquii schrieb:

    Nein, solange nicht zu 100% gewährleistet ist, dass Informationen an staatliche Stellen gehen, werde ich davon die Finger lassen. smilie

  2. normann schrieb:

    Hallo Thomas,
    ein interessanter Bericht, gerade weil ich überlege einen solchen Service einmal in Anspruch zu nehmen.
    Ich habe zuvor einen recht vernichtenden Beitrag über die eost der ost AG gelesen, indem vor Allem die AGB, spricht Datenschutz und Löschungsklauseln, der Post sehr negativ bewertet wurden. Zitat: “no go”!
    Wie sieht es da bei der PinAG aus mit dem eBrief? Kannst du dazu was sagen? Das Thema Datenschutz ist gerade sehr groß bei mir (und evtl. anderensmilie
    Grüße,
    Normann

    • Thomas Liedl schrieb:

      @Normann: In das Unternehmen hineinblicken kann ich leider auch nicht. Dennoch habe ich – nicht zuletzt auch wegen der AGB´s – den Eindruck, dass dort ordentlich gearbeitet wird. Ein Zweifel kann immer und überall auftreten, selbst dann wenn ich den Brief persönlich am Postschalter abgebe. Man muss immer eine Portion Vertrauen mitbringen, PinMail hat meines.

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