Spamschleuder Einwohnermeldeamt

Staatliche DatenkrakeAuf der einen Seite Facebook & Co. in Sachen Datenschutz kritisieren ohne Ende, Google Analytics-Verwender abmahnen lassen, weil ja irgend jemand anhand meiner IP-Adresse wissen könnte wer ich bin und Datenschutzerklärungen von Bloggern verlangen die schon bald die Länge des alten Testaments erreichen – aber im Gegenzug per Gesetz (Gesetz zur Fortentwicklung des Meldewesens) regeln, dass Einwohnermeldeämter Bürgerdaten gegen Bares an Firmen verkaufen.

Fortentwicklung des Meldewesens, einen noch   dümmeren Namen hätte man für diese Gesetzesschande wohl nicht mehr finden können? In Zeiten wo das Wort Datenschutz nahezu tagtäglich in den Medien steht ist hier die Bezeichnung “Fortentwicklung” wohl die Farce des Jahres 2012 – und das schon im Juli. Deutschland als das Schilda des Datenschutzes zu bezeichnen ist mehr als nur passend. Wie diese Nacht- und Nebelaktion von CDU, CSU und FDP zustande kam zeigt dieses Video aus dem Bundestag. Besonders skandalös daran, in nicht mal 1 Minute und mit nur einer Hand voll Abgeordneter wurde das Gesetz durchgewunken. Und das obwohl sonst um den Datenschutz so ein Hype veranstaltet wird.

Was haben denn bitteschön Adresshändler oder sonstige Firmen mit dem Meldewesen zu tun geschweigen denn dort Daten abzuzapfen? Und haben die Kommunen schon so wenig Kohle in den Kassen, dass sie jetzt Adressen verkaufen müssen?

Wer hier eine Datenkrake ist lasse ich mal ganz dahingestellt. Die Bestürzung über so einen Beschluss ist verständlich groß und beim Behördenstress zusammengefasst nachzulesen. Ob das Gesetz doch noch gestoppt werden kann bleibt abzuwarten bzw. zu hoffen. Wenn nicht, dann ist das Recht auf informelle Selbstbestimmung Geschichte und überquellende Briefkästen könnten die Folge daraus sein.

Denn auf nichts – neben Geld – sind Händler schärfer als auf ständig aktualisierte und 100% richtige Anschriftensammlungen, direkt und offiziell auch staatlicher Hand.

Vielen Dank auch.

Autor  ⁄ Thomas Liedl

Meine digitale Vergangenheit reicht fast bis zur Geburtsstunde des Internets zurück. Nach zahlreichen anderen Webseiten bin ich letztlich im März 2007 in die Welt des Bloggens eingestiegen. Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz.

9 Kommentare

  • Antworten
    8. Juli 2012

    Wieder einmal ein schönes Beispiel zum Thema “Datenspionage”. Ok, das ist vielleicht etwas übertrieben aber dennoch ist es so. Private Firmen oder Das Land sind nun einmal zwei verschiedene Paar Schuhe und wie immer wird mit zweierlei Maß gemessen.

    Ich selbst habe in Sachen Inkasso( beruflich) mit Meldeämtern zu tun….. ihr wollt nicht wirklich wissen was da abgeht.

    Man kann nur hoffen, dass die Menschheit irgendwann mal wieder zur Vernunft kommt. Was ich persönlich für eher unwahrscheinlich halte.

    Ich danke dir für deinen Artikel. Sehr interessant und informativ für Jedermann.

    Wünsche einen schönen Sonntag Abend noch

    Liebe Grüße Natalie

    • Antworten
      Thomas Autor
      12. Juli 2012

      Die Lobbyisten in diesem Land haben eben die “Macht” über uns Bürger. Und wie man sieht ist es möglich mit einem “Häufchen Elend” von 27 Abgeordneten den größten Schwachsinn beschließen. Das stellt sich schon insgesamt die Frage, ob die restlichen 593 Abgeordneten überhaupt notwendig sind wenn eine etwas größere Skatrunde ausreichend ist.

  • Antworten
    8. Juli 2012

    Ach, der Staat ist doch schon seit Jahren die größte Datenkrake, die man sich vorstellen kann, und jetzt ist eben der Zeitpunkt gekommen, das Gesammelte in Bares umzusetzen.

    Viel Schlimmer finde ich die Tatsache, dass nur ein paar Abgeordnete Anwesend sind, wenn es um die Abstimmung für neue Gesetze geht. Diese Auffassung von der Ausübung seines Berufes ist mehr als schändlich, da wird von jedem Minijobber mehr Einsatz und Anwesenheitspflicht gefordert. Hier stimmt es einfach nicht mehr.

  • Antworten
    9. Juli 2012

    Na wenigstens wird das Gesetz gleich erstmal wieder einkassiert. Erstaunlich finde ich dabei Verbraucher-Ilse, die erst zugestimmt hat und dann hinterher lamentiert hat, wie schlimm doch alles sei.

    Eigentlich müsste ich auch noch darüber fachsimpeln, wenn nicht schon so viel dazu gesagt worden wäre. smilie

  • Antworten
    16. Juli 2012

    Wenn ich das lese, dann laufen mir kalte Schauer den Rücken runter. Auch wenn Datenschutz ohnedies mittlerweile eher eine gedroschene Phrase ist als sonst etwas. Ich überlege grade, ob es die gleiche Regelung auch in Österreich gibt?

  • Antworten
    Thomas Autor
    16. Juli 2012

    @Andersreisender: Ob es das in Österreich auch geben wird (oder gar gibt) hängt davon ab, ob bei Euch auch so ein “krankes Parlament” sitzt wie bei uns. smilie

    Der Datenschutz als solches ist beim genauen Hinsehen sowieso längst dahin, das stimmt. Aber so ein Gesetz öffnet dem illegalen Datenhandel ja noch gänzlich Tür und Tor.

  • Antworten
    16. Juli 2012

    Ach…reden wir nicht über die Österreichischen Politiker… smilie :nenene: smilie smilie

    • Antworten
      Thomas Autor
      16. Juli 2012

      @Andersreisender: Ok, das überzeugt mich smilie .

  • Antworten
    18. Juli 2012

    Finde ich ein absolutes Unding. Aber sehr amüsant, wie es auf einmal keiner mehr gewesen sein will und alle zurückrudern. Ich bin froh in Deutschland zu wohnen und mag das Land sehr. Solche Dinge kommen mir jedoch vor, als wäre ich in einem Schwellenland