Pietätlose Katholiken

Und einmal mehr sind es die Anhänger der katholischen Kirche die mir mehr als sauer aufstoßen, nicht das erste Mal und das letzte Mal sicherlich leider auch nicht. Hier geht es jedoch explizit um die Katholiken von kreuz.net.

Über den Tod von Dirk Bach ist wirklich sehr viel geschrieben worden, viel Gutes und leider auch viel Schrott und Schund. In den einschlägigen “sozialen Netzwerken” gab es Meldungen über deren Geschmacklosigkeit ich nur den Kopf schütteln kann. Den Namen “soziales Netzwerk” könnte man speziell zu diesen Äußerungen komplett streichen, nein man müsste es sogar.

Dass es aber genau aus der Richtung der Katholiken derartig krass an Pietät mangelt hätte ich mir so nicht träumen lassen. Mit solchen Bibelsprüchen wie “liebe Deinen nächsten wie Dich selbst” hat das was sich die Seite kreuz.net angesichts des Todes des Comedian geleistet hat absolut nichts zu tun. Wer sich den Artikel “antun” möchte bitte schön – kreuz.net/article.15957.html – direkt verlinkt wird dies hier sicherlich nicht.

Wer frei von Schuld der werfe den ersten Stein

Ja, Dirk Bach war homosexuell veranlagt. Und dann? Wer hat darüber zu richten wer “normal” ist und wer nicht? Die Kirche ganz sicherlich nicht. Denn wer in eigenen Reihen genügend Vorfälle mit Verführung Minderjähriger hat sollte hier im wahrsten Sinne des Wortes ganz leise sein und nicht auf andere zeigen. Was hier dann als “normal” anzusehen ist und was nicht muss ich hier nicht wirklich erläutern. Minderjährige und somit Schutzbefohlene anzukrabbeln liegt jedenfalls mehr als nur fernab von Bachs sexuellen Neigung.

Hier von Homo-Gestörten und von Unzucht zu schreiben, und Homosexuellen einen generellen Rauschgiftmissbrauch zu unterstellen widerspricht nicht nur jeder Pietät sondern ist in einen Augen schlichtweg armseelig und dumm.

Dirk Bach mag sicher auch seine Fehler gehabt haben, diese haben wir jedoch alle, auch die Damen und Herren von kreuz.net. Seine sexuelle Gesinnung war kein Fehler sondern eine Neigung die erst selbst zu entscheiden und zu verantworten hatte und dies auch öffentlich tat. Dirk Bach mag auch Kritik verdient haben, auch wenn mir persönlich dazu nichts einfällt. Keinesfalls hat er es verdient für etwas verspottet zu werden, was in unserer Zeit mittlerweile Akzeptanz auf breiter Schiene gefunden hat.

Bach war auch nicht aller Leute Freund, während ihn die einen einfach gut fanden wie er war und was er tat – mich eingeschlossen –  war sein Tun bei anderen wieder belanglos gewesen. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der jedoch niemanden dazu berechtigt derartige Negativschlagzeilen gewissermaßen aus dem Hinterhalt (USA) zu publizieren.

Abgesehen davon, dass man über Tote nicht derartig billig herzieht wissen die Macher von kreuz.net wohl nicht was sie damit seinem Lebenspartner, seinen Freunden und Verwandten antun, in dem sie Dirk Bach nach seinem Tod derartig mies in den Dreck ziehen. So sieht die Nächstenliebe bei Leuten aus die das Kreuz hochhalten? Na Prost Mahlzeit.

Sicher könnte man sich bei so einem Thema in Zurückhaltung üben können wobei dies nicht immer der richtig Weg ist. Provoziert habe ich mich durch diesen geistigen Dünnpfiff nicht gefühlt, vielmehr ist es der immer weiter fortschreitende Verfall jeglichen guten Geschmacks in unserer Gesellschaft.

Bei diversen Twitterjünglingen mag es schlicht am Alter und dem Mangel an Anstand liegen sich hier lustig zu machen und das auch noch cool zu finden. Von Erwachsenen sollte man ein bisschen mehr Hirn erwarten dürfen. Die Erwartungen lagen hier wohl viel zu hoch.

Die katholische Kirche hat sich zwar von den Aussagen distanziert, trotzdem bleibt es eine unentschuldbare Handlung von Menschen, die sich in ihrem Impressum als hauptamtlich im kirchlichen Dienst tätig beschreiben.

R.I.P. Dirk Bach

Über Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

11 Kommentare zu Pietätlose Katholiken

  1. Konna schrieb:

    Mir liegt zwar nichts daran, die Katholiken zu verteidigen, aber deine Generalkritik kann man so nicht stehen lassen, finde ich. Du schreibst ja selbst, dass sich die katholische Kirche von kreuz.net distanziert. Nur weil jemand die Seite unter scheinbar kirchlichem Deckmantel betreibt, muss das ja noch längst nicht stimmen. Die Seite ist nicht katholisch, nur weil es da steht und es vielleicht deren Meinung nach so ist. Das zu kritisieren ist genauso unsinnig wie z.B. den Islam wegen islamistischer Terroristen abzulehnen.

    Also: kreuz.net kritisieren, ja, die “Anhänger der katholischen Kirche”, definitiv nein.

    • Thomas schrieb:

      Naja, die sehr konservative Einstellung der katholischen Kirche zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen schüren solche Texte wie auf kreuz.net. Ich verurteile nicht alle Katholiken, es gibt auch welche die in dieser Hinsicht etwas neuzeitlicher denken. Trotzdem bleibe ich bei meiner Ansicht ohne jemandem damit zu nahe zu treten zu wollen. Der Vergleich mit dem Islam passt so nicht ganz.

      Bleibt natürlich immer Ansichtssache des Betrachters.

  2. WolWa schrieb:

    Ganz soweit her geholt sind die Vorbehalte gegen die kath. Kirche ja nicht, gegen gleichgeschlechtliche Beziehung, aber selbst schwule und pädophile Geistliche haben, Thema Abtreibung usw. usw.
    Da können einige Weltfremde Eiferer schnell übers Ziel hinausschießen…

    • Thomas schrieb:

      @WolWa: Die Bezeichnung weltfremde Eiferer trifft es recht gut. Von diesen gibt es nicht gerade wenig auch wenn sie in unterschiedliche Richtungen “eifern”.

      @Stephan: Ich beziehe mich in erster Linie auf die Katholiken von kreuz.net und in dieser Sache nicht auf alle Katholiken. Dennoch ist es unstreitbar so, dass sich die katholische Kirche ein bisschen “ihre eigene Welt” strickt mit entsprechenden Regeln und Vorschriften die mit dem eigentlichen Glauben bzw. der Bibel nichts zu tun haben. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind da nur ein Punkt davon. Die Kirche und deren “Bediensteten” geben sich gerne mal so, als wären sie unfehlbar.

      Sie müssen sich dann auch nicht großartig wundern wenn es entsprechende Kritik hagelt. Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken!

  3. Stephan schrieb:

    Hallo Thomas,
    mit solchen Vergleichen wäre ich sehr, sehr vorsichtig! In der Tat mag die katholische Kirche, was z. B. die Homosexualität betrifft, in ihrer Denk-/Lehrweise leider absolut noch im Mittelalter verharren.
    Alle Katholiken in ihrer Denkweise aber pauschal mit dieser rechtsextrem, antisemitisch und homophob ausgerichteten Website gleichzusetzen, ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung. Dieser Müll, der dort verzapft wird, hat mit dem katholischen Glauben nichts zu tun.
    Das ist genauso ein “Fehldenken” wie z. B. die Verurteilung aller Muslime für extremistische Aktionen von einzelnen islamistischen (Terror-) Gruppen.

  4. Horst Schulte schrieb:

    Genau pietätlos wie der Schockwellenreiter, der Katholiken als einer Kinderfickersekte zugehörig bezeichnet hat. Klar, das ist ein ganz unpassender Vergleich und ich war genauso empört wie du, Thomas, als ich diesen Schmutzartikel gelesen hatte.

    Was du sagt, dass die katholische Kirche diesen Dreck fördert ist schlicht ein unverschämte Lüge.

  5. Thomas schrieb:

    @Horst:

    Was du sagt, dass die katholische Kirche diesen Dreck fördert ist schlicht ein unverschämte Lüge.

    Ich weiß zwar nicht wo Du gelesen haben willst, dass ich dies behauptet hätte, aber Du wirst Deine Gründe haben es so darzustellen.

    Und ich erwähne es nochmals, ich habe nicht die katholische als ganzes angegriffen sondern in erster Linie kreuz.net. Dass es sich so verhält, dass die kath. Kirche in einigen Dingen sehr konservativ denkt wirst Du ja wohl nicht bestreiten wollen – auch wenn Du persönlich es ggf. als “richtig” ansehen magst.

  6. Erzulie schrieb:

    Selbstverständlich kann man nicht alle Katholiken mit kreuz.net über einen Kamm scheren.

    Aber: der päpstliche Sender Radio Vatikan hat kreuz.net noch Ende 2008, als die Seite schon offen antisemitisch war, als geeignete Quelle angesehen und genutzt.

    http://storico.radiovaticana.org/ted/storico/2008-11/243621_vatikan_weitere_liturgiereform.html

    Fazit: man kann kreuz.net nicht mit Katholizismus gleichsetzen, aber die Kirche auch nicht sauber davon trennen.

    • Thomas Liedl schrieb:

      @Erzulie: Willkommen bei Nicht spurlos. Danke für den Link. Dieser belegt gewissermaßen, dass die Distanzierung von kreuz.net nicht vollumfänglich gilt – traurig eigentlich.

  7. Lukas schrieb:

    du weisst schon, dass das jemand anonymes schreibt und nicht die katholische Kirche? http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz.net
    in den evangelien steht nichts gegen die Juden (alle haben Christus getötet) oder Homosexualität (christus stellte sich vor eine hure, die die ‘gesetzestreuen’ so gerne gesteinigt hätten…smilie

    erst in den schriften des Paulus wird homesexualität verurteilt, wohl weil (ich studier Geschichte) dazumals reiche Herren oder Kaiser ihre Jungs ‘kauften’ so wie wir verabscheuen, wenn in der kath. Kirche Missbrauchsfälle zum Vorschein kommen.

    Ich glaub sowieso, dass diese Seite von jemanden betriebe wird, der die kath. Kirche und den Glauben sowieso in den Dreck ziehen will…

    • Thomas Liedl schrieb:

      @Lukas: Dass der Herausgeber von kreuz.net nicht in direkter Verbindung mit “Rom” steht ist schon klar. Trotzdem verweist der kircheneigene Radiosender auf diese Seite wie der Link von @Erzulie zeigt. Das kann man jetzt deuten wie man möchte.

      In den Evangelien steht so vieles nicht was heute jedoch alles praktiziert wird. Mir ist bspw. keine Stelle bekannt die besagt, dass ich für einen Segen (Taufe, Hochzeit, Beerdigung) bezahlen muss. Dennoch sind es nicht zu leugnende Fakten die ich sowieso nie verstehen werde. Und alleine bin ich hierbei sicherlich nicht.

      Welchen exakten Hintergrund kreuz.net hat weiß ich nicht, interessiert mich auch nicht so brennend. Ich empfand schlichtweg die Haltung wegen des Todes von Dirk Bach als abstoßend.

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