Haben Hartz-IV-Empfänger mehr Priorität als der Schutz von Kindern?

Die Sendung Panorama (ARD) von gestern legte die willkürliche Abhandlung von Verwaltungsvorgängen bei Behörden anhand zweier Fälle offen – zum einen der Hamburger Ehrenmord an Morsal sowie die zum anderen die Bespitzelung von Hartz-IV-Empfängern.

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Das Jugendamt Hamburg war über die ernste und in meinen Augen durchaus lebensbedrohliche Situation der 16-jährigen Morsal, seit sie 14 war, informiert. Wie eine Sachbearbeiterin des Jugendamtes schilderte, wurde durch Gespräche mit den Eltern versucht die Sachlage zu entschärfen bzw. Morsal vor weiteren Übergriffen durch ihrern Bruder aber auch ihrer Eltern nachhaltig zu schützen.

Diese m.E. klägliche und nutzlose Form der Hilfe wurde nach den Worten des Jugendamtes „unterbrochen“. Unterbrochen durch die Ermordnung am 15.05.2008.

Zuständigkeitgerangel und Öffnungzeiten

In einem Interview Panorama gegenüber verwies die Mitarbeiterin des Jugendamtes auf Öffnungs- und Sprechzeiten der Behörde sowie auf die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendnothilfe Hamburg, außerhalb dieser Zeitregelung. Plumper und dümmer konnte eine Stellungnahme wirklich nicht ausfallen. Die Kinder- und Jugendnothilfe ihrerseits sah sich aber zum erforderlichen Zeitpunkt ebenfalls als nicht zuständig.

Im Beisein der Polizei verprügelt

Wie kann es angehen, dass im Beisein der Polizei ein bereits mehrfach aktenkundiger Gewalttäter auf seine Schwester einschlägt und die Gesetze es nicht ermöglichen (so ein Sprecher der Polizeit HH) entsprechend einzuschreiten und den Mann dingfest zu machen? Vielfach wandte sich Deutsch-Afghanin an den Notruf der Polizei und trotzdem versuchte das Jugendamt noch immer nur lediglich durch Gespräche und „Psychologie“ einzugreifen – nach fast 2 Jahren! Auf den Entzug des Sorgerechts kam das Jugendamt offenbar trotz der fortschreitenden häuslichen Gewalt nicht.

Ein Anruf bei der Schule reichte aus

Selbst als Morsal „verschwand“ und von der Familie in ihr Heimatland verfrachtet wurde sah mein keinen weiteren Handlungsbedarf. Ein einziger Anruf beim Schulleiter genügte, um die schulpflichtige Morsal vom Unterricht einfach abzumelden. Eine ernsthafte Überprüfung der Schulabmeldung fand zu keinem Zeitpunkt statt – absolut unverständlich!

Nach Ansicht des Jugendamtes war ein ja Eingreifen jetzt nicht mehr möglich, „sie war ja weg“! Aber unter welchen Umständen, die anhand der Vorgeschichte hätten Alarm schlagen müssen, ist sie verschwunden gewesen? All dies interessierte den „Amtsschimmel“ nicht.

Jetzt zu behaupten, der Mord wäre nicht verhindern zu gewesen ist eine verdammt billige Art der Rechtfertigung. Eine Inobhutnahme von Morsal durch das zuständige Jugendamt sowie die schnellere Verhaftung des Bruders hätten dies sehr wohl verhindern können.

Warum dauern entschiedene Eingriffe durch die Behörden solange wenn es um Kindesmisshandlung geht? Der immer wieder gehörte Personalmangel kann es nicht sein, wennes sogar möglich ist, dass in Deutschland Mitarbeiter der ARGEn (Hartz IV) vor und nach der eigentlichen Dienstzeiten über Wochen hinweg Hartz-IV-Empfängern nachschnüffeln und an Stasizeiten erinnernde Protokolle anfertigen! Offenbar spielen dabei die Öffnungszeiten keine besondere Rolle. Man könnte hier sehr schnell den Eindruck gewinnen, dass Geld über den Kinderschutz steht!

Über die Vorgehensweise der Jugendämter und auch anderer Einrichtungen zum Schutz von Kindern, wenn es um (mögliche) Kindesmisshandlung geht, konnte ich mir selbst schon vor einiger Zeit ein Bild verschaffen, weshalb ich speziell diesen Fall auch sehr gut nachvollziehen kann und somit keinen Zweifel am   Komplettversagen der Behörden habe!

Jetzt vom Hamburger Senat geplante Nachbesserungen kommen für die 16-jährige Morsal reichlich zu spät. Für die Verantwortlichen des Jugendamtes geht das Leben weiter, ein Leben das für viele andere leider keines ist! Und um Ausreden ist man dort nicht verlegen……

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[update]09.06.2008: Wie schön man alles hindrehen kann, damit die Behörden möglichst glimpflich aus der Sache herauskommen zeigt ein Bericht vor und nach seiner offiziellen Version.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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