„Groß Borstel ist ein Kaff! – Hier ist nichts los! – Hier gibt es keine Abwechslung! – Jeden Tag dasselbe!“

Mit solchen vorwurfsvollen als auch haltlosen Aussagen forderten 9 Jugendliche bei der letzten Mitgliederversammlung (Protokoll hier) des Kommunalvereins Groß Borstel Veränderungen für den Hamburger Stadtteil. Auch in Richtung des HVV wurden schwere Vorwürfe hinsichtlich der Busverbindungen nach Groß Borstel erhoben, die „problematisch“ seien, so die Jugendlichen.

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Im Hamburger Wochenblatt (Ausgabe Groß Borstel) vom 17.06.2008 werden die Jugendlichen mit den Worten zitiert

Abendliche und nächtliche Ausflüge über die Grenzen Groß Borstels hinaus werden zum Problem, da der letzte Bus ab „U Lattenkamp“ um 23.37 Uhr fährt.

Der HVV stellt zwar Fahrtmöglichkeiten aber eben keine „Privattaxis“

Gerade diese Aussage ist es die mir deutlich macht, dass Jugendliche mit Argumenten um sich werfen und Vorwürfe in Richtung des HVV erheben, ohne die tatsächlichen Gegebenheiten überhaupt zu kennen bzw. sich darüber richtig informieren zu wollen. Interessant ist auch der Umstand, dass unter diesen 9 Jugendlichen die meisten noch minderjährig sind, wie ich aus sicherer Quelle erfuhr. Entschuldigung, aber was brauchen diese Jugendlichen überhaupt eine Nachtverbindung?

Von Montag bis Freitag fährt der letzte Bus ab Lattenkamp (Linie 114) um 0.17 Uhr, samstags um 1.01 Uhr und danach im 40-Minuten-Takt bis um 6.17 Uhr wo der reguläre Tagbetrieb seinen Dienst aufnimmt. An Sonn- und Feiertagen gilt das Gleiche, nur dass der 40-Minuten-Takt bis um 8.57 Uhr beibehalten wird. Auch für die U-Bahn-Verbindung von der Innenstadt bis Lattenkamp ist gesorgt. Wo sich die Jugendlichen hier einem Problem ausgesetzt sehen, nächtliche Ausflüge zu unternehmen ist mehr als nur schleierhaft. Jedem Nachtschwärmer seinen persönlich auf ihn zugeschnittenen Fahrplan anzubieten ist weder möglich noch erforderlich.

Wie es in einem „Kaff“ wirklich aussieht wissen diese Jugendlichen gar nicht, denn dort fährt nur 3-mal der Schulbus und das war es dann. Abends, geschweige denn nachts ist hier ein Weiterkommen ohne PKW tatsächlich überhaupt nicht mehr möglich.

Hohe Anforderungen an das Unterhaltungsangebot

Auch hierzu zeigt sich ein gewisser Egoismus der Jugendlichen. Aussagen wie „ich habe aber keine Luste jeden Tag nach Eppendorf zu gehen“ belegen doch, dass ein Partyangebot möglichst neben der eigenen Haustüre stattfinden sollte. Auch der Umbau der Asylbewerberunterkunft zum Jugendzentrum würde eine gewisse Wegstrecke erfordern um dorthin zu gelangen. Wahrscheinlich würde hier noch eine extra Buslinie gefordert werden (sorry wenn ich zynisch werde).

Es gibt in Groß Borstel das „Haus der Jugend Beerboomstücken“. Wenn diese Jugendeinrichtung es aus Mangel an Organisationstalent oder Interesse nicht schafft ein Unterhaltungsangebot für Jugendliche zu bieten, wird dies die umgebaute Asylbewerberunterkunft auch nicht auf die Wege bringen. Nicht die Räumlichkeiten sind es, sondern das fehlende Angebot als solches. Wenn ein kleiner Jugendclub nicht „läuft“, wird es ein größerer Jugendclub auch nicht zwangsläufig tun.

Haus der Jugend schließt dann wenn Kinder frei haben

Der Vorwurf, dass insbesondere am Wochenende in Groß Borstel ein Mangel an Angeboten herrscht liegt nicht zuletzt daran, dass das HdJ Beerboomstücken an Wochenende grundsätzlich geschlossen bleibt. Also liegt auch hier der Problempunkt in der Organisation und nicht der Örtlichkeit. Das es auch anders geht beweisen auszugsweise das HdJ Manshardtstrasse, HdJ Kirchdorf, HdJ Steilshoop und HdJ Wilhelmsburg.

Ferner kann im HdJ Beerboomstücken von einer Vielfäligkeit bzw. großer Abwechslung im Angebot keine Rede sein. Insbesondere die Ferienprogramme sind seit Jahren identisch und werden bei geringerer Teilnehmerzahl ersatzlos gestrichen. Für unter 13-Jährige ist am Freitag überhaupt kein Zugang zum HdJ.

Hausaufgabenhilfe ja – aber nur wenn jemand die Zeit hat

Zwar bietet das HdJ Beerboomstücken eine Hilfe bei den Hausaufgaben an, schränkt dieses Angebot aber mit der Begründung

„Nur möglich wenn Mitarbeiter Zeit haben“

wieder massiv ein. Um wen geht es eigentlich in einem Haus der Jugend? Um die Jugend oder die Mitarbeiter? Zumindest die o.g. Begründung halte ich persönlich für einen unhaltbaren Zustand. Wenn Jugendliche Hilfe benötigen sollten sie diese auch uneingeschränkt erhalten, ggf. über eine zeitliche Regelung (z.B. Donnerstags zwischen 16 u. 18 Uhr). Auch dies wird in anderen HdJ’s so gehandhabt. Es wäre möglich, doch muss der Wille zur Organisation dazu vorhanden sein. Der direkte Vergleich des Leiters mit anderen „gewachsenen“ Jugendclubs hinkt. Das Wachstum eines Jugendclubs hängt auf gar keinen Fall einzig und allein bzw. vorrangig von der flächenmäßigen Größe des Gebäudes ab.

Das gezogene Fazit „Kampf gegen Ödnis und Langeweile in Groß Borstel“ möchte ich so nicht stehen lassen, zumindest solange nicht bis ernsthaft versucht wurde das bestehende Jugendhaus entsprechend zu nutzen. Erst wenn die Kapazität des HdJ Beerboomstücken nicht mehr ausreicht darf meines Erachtens über ein Ausweichgebäude gesprochen werden.

Bis dahin scheint mir noch ein sehr weiter Weg zu sein!