Meine persönlichen Gedanken zu den Missbrauchsfällen bei der katholischen Kirche hatte ich erst kürzlich veröffentlicht. Dass es ein Fass ohne Boden werden würde konnte man bereits an der großen Zahl der Missbrauchsopfer erahnen. Die Tiefe dieses Fasses kann keiner genau abschätzen, die Kirchenoberen am aller wenigsten. Oder etwa doch?

Sind all die getroffenen Forderungen nach lückenloser und schneller Aufklärung der Fälle nicht mehr als Schall und Rauch – obwohl sie vom Chef persönlich kommen, dem Papst? Man könnte es fast meinen, liest man sich das Interview mit einem Kirchenrechtler aus Münster durch. Das liest sich ein wenig als wäre die Kirche eine Macht für sich, die sich an Gesetze von „Normalsterblichen“ nicht halten müsse. Alleine schon der Umstand, dass es Kirchengerichte gibt halte ich für mehr als nur anmaßend absurd.

Dass Opfer von Missbrauchsfällen ungern darüber sprechen und sich an die Öffentlichkeit wenden ist mir klar. Aber sich diesen Umstand mit den Worten

Den Opfern muss es nicht lieb sein, wenn ihre Fälle an die große Glocke gehängt werden.

regelrecht zu Nutze machen ist schon dreist. Da sehe ich doch seitens der Kirche schon wieder eine „schützende Hand“ über Geistliche, die ihre Finger nicht von Schutzbefohlenen lassen können.

Solange die katholische Kirche bekannt gewordene Fälle sexuellen Übergriffs nicht umgehend an die Staatsanwaltschaft weitergibt bleiben berechtigte Zweifel, ob man an der Aufklärung dieser Fälle wirklich ernsthaft interessiert ist. Alles nur mit einer Empfehlung der Selbstanzeige zu belassen reicht absolut nicht aus.