So einfach geht das:

Lassen wir Spiele wie St. Pauli vs. Hansa Rostock einfach unter Ausschluss des Publikums stattfinden um Gewaltszenarien wie am vergangenen Freitag und letztlich die Kosten für derartig große Polizeieinsätze zu vermeiden.

Mit dieser Idee des GdP-Chef’s Freiberg (Gewerkschaft der Polizei) ist solchen Radaubrüdern nicht beizukommen. Glaubt Herr Freiberg wirklich, dass Hooligans aus Rostock nicht nach Hamburg kommen, nur weil das Spiel keinen Zuschauereinlass vorsieht? Glaubt er wirklich, dass die autonomen Krachmacher des FC St.Pauli alle zuhause bleiben, weil sie nicht ins Stadion dürfen? Für mich eine ganz klare wie falsche Schreibtischlogik eines Mannes der es besser wissen sollte. Ein starkes Polizeiaufgebot wäre trotzdem erforderlich – Kostenersparnis gleich Null.

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Hooligans kommen nicht wegen eines Fussballspiels. Dieses wird nur als Bühne für die Zelebrierung von Ausschreitungen und Gewalt missbraucht. Im Gegenteil, das „Stadionverbot“ heizt die Anti-Polizei-Stimmung doch noch mehr an und Gewalteskalationen werden dadurch noch wahrscheinlicher denn je. Die Vereinskasse ist der wahre Verlierer in einer Verfahrensweise, die keinen Gewinner hat – keine Zuschauer, keine Einnahmen.

Außerdem, warum sollte man speziell im Fall St. Pauli knapp 20000 Zuschauer aussperren, von denen eigentlich „nur“ 1000 den „letzten Schuss nicht gehört“ haben und somit 19000 sportbegeisterten Zuschauern ihren Spass nehmen? Den Ansatz einer Art von Gemeinschaftshaftung kann hier als Problemlösung wohl nicht zu Zuge kommen. Die Gewaltbereitschaft ist ein gesellschaftliches Problem und kein vereinspolitisches Vermächtnis.

Auch eine veränderte Terminierung der Spiele, welche die Anreise gewaltbereiter Anhänger unattraktiv machen soll packt das Problem nicht an der Wurzel. Spielansetzung von „Problemspielen“ vielleicht Mittwochabend 22.45 Uhr? Alles Humbug, wer Krawall machen, sich mit anderen sinnlos prügeln will schaut nicht auf den Terminkalender oder die Uhr. Mag sein, dass durch eine derartige Zeitverschiebung des Anstosses statt 1000 Gewalttäter „lediglich“ 750 vorort sind. Als Erfolg würde ich das dann allerdings nicht ansehen!

Die bereits praktizierten Meldeauflagen hingegen werden oftmals nicht eingehalten und wohl auch nicht entsprechend geahndet, was deren Abschreckung komplett außer Kraft setzt. Die Verhängung von Reiseverboten für einschlägig bekannte Krawallmacher halte ich dagegen für ein geeignetes Mittel und die Lage etwas zu entschärfen.

Hierfür könnte es offiziell ein entsprechendes Register geben, würden Gerichtsurteile das Anlegen solcher Datenbanken nicht stoppen und für rechtswidrig bezeichnen. Datenschutz für Leute, die andere grundlos verprügeln und verletzen? Und was ist dem dem Recht auf körperliche Unversehrtheit für Polizeibeamte, die diese hirnlosen Chaoten ausgeliefert sind?

Für haarsträubend empfinde ich es, wenn jetzt Politiker eine „dicke Lippe“ riskieren, einerseits mit teils wahnwitzigen Vorschlägen um sich werfen und andererseits ein entsprechendes Vorgehen blockieren. Für so vieles gibt es in Deutschland Verordnungen, deren Sinn manchmal mehr als zweifelhaft ist. Für so einfache Dinge wie ein gesetzmäßig verankertes Reiseverbot hat man in Politkreisen offenbar den Durchblick leider verloren.