Kein Tag vergeht zur Zeit, an den nicht neue Skandale aufgedeckt werden. Führend auf Platz eins der Kirchenskandale, die große Anzahl an Missbrauchsfällen an Schülern von kirchlichen Schulen und anderen Einrichtungen. Plötzlich ist man in Kirchenkreisen um rasche Aufklärung bemüht und bedauert die Vorfälle zutiefst. Plötzlich deshalb, weil die Straftaten längst bekannt waren und unter den Teppich gekehrt worden sind – schließlich kann man keine schlechte Presse gebrauchen, will man am Sonntag von der Kanzel herab das gläubige Volk „maßregeln“. Heuchelei pur.

Während die Herren mit den purpurroten Bauchbinden die Straftaten nun versuchen mit haarsträubenden Erklärungsversuchen zu beschönigen und sogar „Entschädigungen“ bezahlen und das Schweigen erzwingen, können sich die aktiven Täter der Verjährung erfreuen. Mord komischerweise verjährt zu keinem Zeitpunkt. Aber ist Kinderschändung wirklich etwas anderes als Mord? In meinen Augen handelt es sich dabei um psychischen Mord, der ebenso von einer Verjährung ausgeschlossen sein muss.

Was ist das für ein Rechtssystem, in dem die Opfer zur Verschwiegenheit gedrängt werden und die Zeit für die Kinderschänder läuft? Wie hoch ist die Dunkelziffer an Opfern, die sich von Schweigeklauseln noch länger beeindrucken lassen oder aus Scham heraus schweigen? Auch bei der katholischen Kirche ist man schnell mit Abmahnungen zur Stelle wenn über Kinderschänderei berichtet wird. Täterschutz statt Opferschutz, oder wie soll man das nun deuten?

Quer durch die Republik ziehen sich die Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche. In den Niederlanden gesellen sich auch Ordensfrauen zum Täterkreis. Nicht zu vergessen die hunderten Vorfälle in Irland 2009. Gut möglich, dass durch die stetige Unruhe die Opfer früherer Zeiten wachgerüttelt und zum Reden bewogen werden. Man kann nur jedem dazu raten sein Schweigen zu brechen und die Fälle zur Anzeige zu bringen. Kindesmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt, auch dann und erst recht nicht, wenn er von Kirchenvertretern begangen wird.

Es braucht keinen runden Tisch und keine endlose Debatte um „des Kaisers Bart“. Ein Gesetz, dass eine Verjährung solcher Straftaten ausschließt und die volle Härte bei der Bestrafung der Täter – ungeachtet ihres Ranges reicht vollkommen aus. Nur den Mut es zu schaffen muss man haben. Eine gewisse Mittäterschaft jener Herrschaften, welche die bekannten Fälle gedeckt und vertuscht haben gilt für mich als erwiesen.

Sperrt sie weg, wie jeden anderen Bürger der sich hier schuldig macht auch. Jede andere Vorgehensweise ist nicht mehr als Scheinjustiz!

https://www.welt.de/welt_print/politik/article6697877/Regierung-beruft-Runden-Tisch-zu-Missbrauch-ein.html