Tatort: Neuland

Mit drei Sternen ist er ursprünglich ausgezeichnet worden, drei Sterne für „Gut“. Angesehen habe ich mir den hessischen Wildwestfilm natürlich schon, aber offenbar setze ich meine Messlatte ein wenig anders an.

Fernab des Zuständigkeitsbereichs, eine interne Ermittlung am Hals und mit „merkwürdigen“ Untersuchungsmethoden versuchte Herr Kommissar den Fall ländlicher Geldgier zu lösen. Ein Dorfpolizist mit hauseigenem Verkehrsübungsplatz vor der Wache (vielleicht etwas hochgegriffen) gleichzeitig Landgastronom – nicht schlecht. Eigentlich dienstrechtlich nicht zugelassen, dass ein Polizeibeamter nebenberuflich eine Kneipe betreibt, doch aus eigenen Kenntnissen heraus nicht „unüblich“ und durchaus vorkommend.

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Als ganz daneben habe ich es empfunden, dass das Polizei-Duo den Fall ohne Hinzuziehung von anderen Ermittlern bearbeitet haben, trotz Vermissten bzw. Leichen. Da habe ich schon bessere Tatorte gesehen um ehrlich zu sein. Auch so ein Unding, in der Haftzelle der Containerwache gab es sogar eine Tischleuchte aus Metall, absichtliche Verletzungsgefahr des Inhaftierten eingeschlossen.

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Ich hoffe auf die nächste Folge, die dann sicherlich aus einem besseren Drehbuch stammen wird – hoffe ich mal.

Thomas Liedl

Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

13 Kommentare zu “Tatort: Neuland”

  1. juliaL49 sagt:

    Ach grässlich! Ich hab nach einer guten halben Stunde ausgemacht, weil nach dem vielversprechenden Anfang nix mehr kam. Außerdem hab ich alle Personen verwechselt und wusste gar nicht, wer wer war, wenn einfach nur mit Namen um sich geworfen wird.

    Somit schließe ich mich aus vollstem Herzen deinem letzten Satz an.

  2. Schrottie sagt:

    Ich kann Dein Urteil teilen, auch ich habe mir, wie gewöhnlich, den „Mord zum Sonntag“ angesehen. So richtig realistisch wirkte keine einzige Szene. Insgesamt war alles sehr seltsam aufgebaut und zeigte immer wieder Abfolgelücken.

    Da war der Tatort am vergangenen Sonntag (Familienaufstellung) um Längen besser. Zeigte er doch aktuell diskutierte Probleme in ihrerm Umfeld und ließ am Ende alles anders sein als man es zuerst vermutete.

    1. Thomas sagt:

      @Schrottie:
      „Mord zum Sonntag“… :lol: an die Bezeichnung könnte ich mich auch gewöhnen. Deine Darstellung zeigt mir auch wie Julias, dass ich sooo falsch nicht liegen kann. Realistische Szenen sind ja nicht nur am Polizeialltag festzumachen. Aber nur weil es ggf. „cool“ aussieht, muss man ja nicht gleich ins krasse Gegenteil der Realität verfallen. Ich setze auch Sonntag nächste Woche…

  3. Klingsor sagt:

    Um euch mal eine andere Meinung zu präsentieren: Das war mit Abstand das beste, was seit langem vom deutschen Fernsehen präsentiert wurde. Die Geschichte war vielleicht etwas mau, aber die Regie, die Kamera. Genial. Die Musik dazu, traumhaft. Sicherlich, wenn ihr „Familienaufstellung“ als regietechnischen Standard definiert und auch wenig anderes kennt, dann könnt ihr das alles nicht verstehen. Solche Kamerafahrten, solche ungewöhnlichen Einstellungen, das Licht dazu. Das war ein Meisterwerk, aber damit wohl nicht fernsehtauglich.
    Übrigens: Der Polizist hat keine Kneipe betrieben, er war bloss der Dumme, der den coolen Typen was servieren und dann auch dazugehören wollte. Der Wirt war ein anderer.

  4. juliaL49 sagt:

    Klingsor, eine „maue“ Geschichte wird auch durch technische Perfektion nicht dazu führen, dass der Durchschnittszuschauer den Tatort als gut bewertet. Genauso wenig wie ein abgemagerter und von Krankheiten zerfressener Obdachloser in Designerklamotten zum Supermodel wird.

  5. Klingsor sagt:

    Doch, man kann sich an den Bildern sattsehen. Die Charaktere waren außerdem gut gezeichnet. Vielleicht ist das ein grundlegender Unterschied: Ich schaue den Tatort nicht, um die Polizeirealität in Deutschland zu sehen, was ja auch überhaupt nicht möglich ist (ist immer überzeichnet und fürs Fernsehen aufbereitet), sondern um gut unterhalten zu werden. Und das war visuelle und auch spannungstechnisch beste Unterhaltung. Mit „mau“ meinte ich, dass die Geschichte nur wenig neues bot.
    Ich glaube, dass man auch eine oft gesehene Geschichte so mit Bildern untermauern kann, dass es eine Augenweide ist zuzuschauen und alle inhaltlichen Schwächen zu übersehen.
    Es gab so großartige Momente, die du verpasst hast, wenn du nach einer halben Stunde ausgeschaltet hast. Allein das Ende, völlig ohne Worte, in Western-Optik. Dass man sowas auch in der hessischen Provinz drehen kann, unglaublich. Dabei war das ganze auch noch augenzwinkernd und hat sich selbst nicht so ernst genommen.
    Aber wie gesagt, wenn du (in meinen Augen) langweilige deutsche Kameraführungen und -einstellungen sehen willst, war das nichts für dich. Wenn dir der Inhalt wichtiger ist als die Form, dann wohl auch nicht. Aber ich muss sagen, da hat man gemerkt, dass es einen Regisseur und einen Kameramann gab, die sich Gedanken gemacht haben und vermutlich beim Dreh auch Spass hatten.
    Achso, dein Beispiel mit dem Obdachlosen hinkt natürlich tierisch: Wenn es dir um den Inhalt geht, dann müsstest du gerade nicht vom Supermodel sprechen, denn da geht es nur um Aussehen, sondern vielleicht um beispielsweise einen Professorenjob. Den wird er natürlich, nur weil er in einen Frack gesteckt wird, nicht bekommen, aber ein Supermodel könnte er schon werden.

  6. juliaL49 sagt:

    Na, dass der künsterlisch wertvoll war, ist mir auch aufgefallen (z.B. als Dellwo in sein Zimmer kam und das in der Totalen gezeigt wurde) – aber das reicht eben nicht. Einen so großen Unterschied zu anderen Tatorten konnte ich nicht feststellen. Ob es generell im deutschen Fernsehen so viel schlechter ist, kann ich nicht beurteilen, da ich außer dem Tatort noch nie andere deutsche Sendungen gesehen habe.
    Der Tatort am Sonntag ist überhaupt die einzige Sendung, die ich im Fernsehen sehe und da habe ich schon gewisse Ansprüche.

    Vielleicht gucke ich mir den gestrigen Tatort ja doch noch mal an und achte vermehrt auf die technischen Details. Und vielleicht fiel er mir auch nur so negativ auf, weil ich nicht in der richtigen Stimmung war und gut unterhalten werden wollte.

    1. Thomas sagt:

      @Klingsor:
      Zunächstmal willkommen bei Nicht spurlos. Selbstverständlich akzeptiere ich Deine Sichtweise und den Standpunkt, selbst wenn ich ihn nicht mit Dir teilen kann. Mit Polizeirealität auf Deutschlands Straßen muss ein Tatort nicht zwangsläufig gleichzusetzen sein, verlange ich auch keineswegs. Doch es handelte sich um einen Kriminalfilm, nicht um einen Lehrfilm für Kameraleute etc. Deswegen mein Schwerpunkt -> die Handlung. Und diese war nun mal nicht tatorttypisch.

      Den Vergleich den Julia zog (Obdachloser / Modell) mag vielleicht für Dich hinken, ich verstehe ihn und bin gleich Ansicht. Ich hätte als Vergleich ein stinknormales Buch genommen… bei dem kommt es mir auch darauf an, dass es spannend / fesselnd ist und nicht ob es broschiert oder fadengebunden ist. Hier werden wir wohl keine einheitliche Linie hinbekommen. Geschmäcker sind eben sehr verschieden.

      @Alex S.:
      Auch Dir ein Willkommen bei Nicht spurlos. Ich für meinen teil kann Dir hierzu nicht weiterhelfen. Doch vielleicht kommt noch der eine oder andere Hinweis für Dein Frühlingsvorhaben. Ich drück mal die Daumen :wink: .

  7. Klingsor sagt:

    Wie du merkst war ich nur wirklich begeistert davon und konnte nicht verstehen, wie man diesen Film nicht mögen kann. Ich will dich eigentlich gar nicht überzeugen, war nur mein Überschwang. Muss wirklich nicht jedem gefallen. Ich war nur so überrascht, das solche Filme heutzutage auch in Deutschland gedreht werden können und hatte gehofft, dass ein Aufschrei der Freude (!) durch deutsche Wohnzimmer schallen würde – auf dass mehr solche Filme gedreht werden.
    Wenn du nicht mehr Fernsehen schaust, auch nicht schlimm. Ich sehe immer nur nach der Tagesschau ganz kurz in die für Rentner oder Ältere produzierten Starnberg-Heimat- Filme hinein und da gruselt es einen oft.

  8. Alex S. sagt:

    Hallo!

    ich habe folgende zusammengehörigen Fragen zu dem Tatort:
    Wo (auf welcher Landstraße) wurde die Landfahrt von Jörg Schüttauf gedreht?
    Wo lag der Landgasthof, der im Film „zum Hirschen“ hieß bzw. in welchem Ort war die Kneipe, der See, der Wald mit dem Auto?

    Ich weiß soviel, dass in der Wetterau sein muss.
    Ich fand die Landschaft sehr schön, und würde die Gegend für den Frühling als Ausflugsziel nutzen:)

    Vielen Dank für jede Hilfe!

    Alex S.

  9. Klingsor sagt:

    Hi Thomas, nur soviel zu deinem neuen Vergleich: Es würde um in deinem Bild zu bleiben nicht um den Umschlag oder die Machart des Buches gehen, sondern um die Schreibweise des Buches, um den Stil, um die Fähigkeit, die Handlung in Szene zu setzen. Vielleicht gibt es da bei Kriminalgeschichten ein verstärktes Interesse an der Handlung, aber ohne guten Stil würdest du sie auch nicht lesen wollen. Und ich vermute, jemand der sein Handwerk beherrscht, kann dich selbst mit einer simplen Story fesseln.

  10. Ulrich sagt:

    @Alex S.:
    Die Kneipe außen, mit der Autobahnbrücke war an der A45 bei Linden, die Innenaufnahmen in einer Kneipe in Langgöns bei Butzbach. Die Straßenaufnahmen (die ich erkannt habe), waren an unterschiedlichen Orten der Wetterau, z.B. bei Florstadt und Reichelsheim.
    Diese Gegend mit dem „Road Movie“-Gefühl (schmale Straßen, flaches bis welliges Land, weite Kornfelder mit kleinen Wäldchen) findest du eigentlich fast überall im Wetteraukreis, wobei es Richtung Taunus und Vogelsberg eher waldig (und hügelig) wird und Richtung Frankfurt sehr zersiedelt und städtisch.
    Mit dem Auto oder dem Krad würde ich eine Fahrt von Friedberg aufs Land gen Osten empfehlen oder am allerbesten: Eine Radtour entlang der Nidda (flach) oder über den Vulkanradweg (welliger).
    Viel Spaß :)

  11. Alex S. sagt:

    @Ulrich:
    Vielen Dank!

    Da versteht aber jemand exakt was ich meine – „Road Movie“-Gefühl :)))

    Also ich kenne die Wetterau nur in der Ecke Bad Vilbel, Karben;
    dann noch ein bisschen Schöneck/Büdesheim, Kilianstädten; und die Landstraßen Richtung Maintal und weiter nach Hanau.
    Da gibt es ja auch Road Movie-Feeling :)
    Daher konnte ich ausschließen, dass es dort gedreht wurde.

    Und die Nidda kenne ich von Frankfurt bis nach Okarben in- und auswendig, da ich nah zu ihr wohne.
    Nur dahinter eben nicht.

    Sobald es wärmer wird, werde ich das mit allen erdenklichen fahrbaren Untersätzen auskundschaften :))
    Vll sogar bald mit dem Auto, damit ich für den Frühling schonmal einen kleinen Überblick habe, damit ich planvoller, mit Krad/Frad losziehen kann.

    Vielen Dank noch einmal!!!

    Lieben Gruß
    Alex

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