Unsere Welt ist voller Gefahren unterschiedlichster Art und Weise. Das Internet pauschal für menschliches Fehlverhalten verantwortlich zu machen ist zu „billig“. Eine ordentliche Portion von Eigenverantwortung ist sowohl in der virtuellen als auch der realen Welt erforderlich. Schuldzuweisungen ans Netz sind fehl am Platz.

Immer wieder bekommt man von allen möglichen Seiten vor Augen gehalten, „wie gefährlich das Internet ist“. Ich bin aber der Meinung, dass nicht alles so heiß gegessen wird wie es gekocht wird. In Sachen Internet ist dies nicht anders. Ein wachsames Auge braucht jeder – in der realen Welt genauso wie auch im Netz.

Ob das Internet nun Traum oder Albtraum ist muss jeder für sich entscheiden. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander und werden von jedem „Lager“ auch entsprechend mit Argumenten untermauert. Am Ende ist es wie so oft, jeder hat wahrscheinlich ein bisschen Recht.

Vergleich virtuelle reale Welt

So viel besser ist die reale Welt nicht

Ich stelle mal aus meiner persönlichen Sicht heraus beide Welten gegenüber. Sie ähneln sich bei vielen Punkten doch sehr.

E-Mail-Spam: Er wird in großen Massen verschickt, verursacht völlig unnötigen Traffic und ist extrem nervig. In der realen Welt gibt es den Spam genauso – in Form von Werbe- bzw. Postwurfsendungen und allen möglichen Flyern die in unseren Briefkästen landen. Nicht selten verantwortlich dafür ist der altbekannte Adressenhandel, der ein blühendes Geschäft darstellt. Wirklich und vorallem nachhaltig verhindern kann man ihn nicht. „Briefkasten-Spam“ bringt zudem noch ein Umwelt- bzw. Abfallproblem mit sich. Von einem Opt-in-Verfahren spricht hier komischerweise auch niemand.

Als einzigen Unterschied könnte man hier Mails mit Phising und Viren anführen. Wobei ich da sagen muss, bei so mancher Werbesendung steckt auch eine Portion krimineller Energie dahinter. Hier seinen nur mal Kaffeefahrten, dubiose Nebenverdienstmöglichkeiten etc. genannt.

Datenschutz: Gleich im Anschluss an den Werbemüll möchte ich den Datenschutz nennen. Dieser ist nicht nur beim Adressenhandel völlig außenvor gelassen worden. An jedem Preisausschreiben an dem wir teilnehmen, bei jedem Kaufvertrag den wir ausfüllen hinterlassen wir Daten über unsere Person über deren genaue Weiterverarbeitung wir uns auch nicht immer im Klaren sind. Oder wieso erhalte ich plötzlich das Angebot zur Probefahrt mit exakt dem PKW, den ich nur wenige Wochen vorher als Leihwagen angemietet habe? Die Buchung fand ganz normal im Büro einer Autovermietung statt. Besonders verräterisch – die Werbesendung wurde mit meinem 2. und 3. Vornamen adressiert… so wie diese im Führerschein eingetragen sind.

Urheberrecht: Texte und Fotos können nicht nur von Webseiten geklaut werden sondern auch aus Zeitschriften und Büchern. Bibliotheken sind hier sicher auch sehr gute Quellen für denjenigen, der sich unbedingt die Worte eines anderen „ausborgen“ möchte. Der Aufwand ist zwar ungleich höher als bei Copy&Paste, trotzdem ist der Diebstahl geistigen Eigentums nicht ausschließlich dem Internet zuzuordnen!

Gaunerei, Trickserei und Betrug: Auch hier wird das Internet als gefährlich eingestuft. Es ist sicher richtig, dass sich im Netz jede Menge Betrüger tummeln die nur eines wollen – mein Geld. Zudem gibt es Typen die mit „Tricks aus der Grauzone“ sich ihren Vorteil verschaffen. Beim erneuten Wechsel in die reale Welt sieht es aber nicht besser aus. Getrickst wird auch im Supermakrt beim täglichen Einkauf. Betrogen werde ich in der Fussgängerzone beim Hütchenspiel und auch die ganzen Drückerkolonnen (Zeitschriftenabo, Versicherungen, Mitgliedschaften usw.) wollen auch nur ihr eigenes Bestes.

Das Denken darf man eben nicht ausschalten

Es kommt eben immer darauf an was man aus der jeweiligen Situation macht, wie man reagiert. Hinterfragen muss ich zweifelhaftes in der virtuellen als auch in der realen Welt. In der Fussgängerzone etwas blindlinks zu unterschreiben ist nichts anderes als in einer E-Mail jeden x-beliebigen Link zu klicken. Wenn ich, bei was auch immer, keine Ahnung habe muss ich nachfragen oder es besser gleich lassen. Einfach mal probieren kann „hüben wie drüben“ ins Auge gehen.

Ich spreche das Internet jetzt nicht frei von Gefahren, doch es ist nicht das Netz sondern die Menschen die es benutzen und die Gefahr darstellen. Niemand würde auf die Idee kommen Berlin allein deswegen als kriminellste Stadt zu deklarieren, weil es dort eben diese Hütchenspieler gibt :wink: .

„Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um“ sagt ein uralter Spruch. Und Gefahren lauern in unserer Zeit überall… nicht nur im Internet!