Politik Gesetze

Die durch Videoaufnahmen belegte Brutalität, die schwere Körperverletzung und das Eingeständnis des Täters in aggressiver Stimmung zu sein reichen nicht für einen Haftgrund aus. Beide U-Bahn-Schläger von Berlin sind auf freiem Fuß. Dass sowas auf ein massives Unverständnis in der Bevölkerung stößt – nicht nur in Berlin – ist mehr als nachvollziehbar. Was wäre passiert wenn der Tourist nicht eingegriffen und den Täter abgedrängt hätte? Wie weit können in Deutschland Jugendliche in ihrer kriminellen Laufbahn gehen (auch wenn diese eben erst begann) ehe sie dafür vom Fleck weg eingelocht werden?

Jede Menge Fragen um die man sich im Justizministerium endlich und vor allem zügig mal kümmern sollte.

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Nur weil er bisher nicht polizeilich in Erscheinung getreten ist – oder auch einfach nur Glück hatte nicht erwischt zu werden – und einen festen Wohnsitz hat sah der Haftrichter keinen Grund U-Haft zu verhängen. Der 18-Jährige nahm billigend in Kauf, dass sein Opfer diesen Angriff nicht überleben könnte – den Richter interessiert das nicht. Hauptsache er geht zur Schule und besitzt eine aktuelle Meldeadresse! :nenene:

Von Einzelfällen zu sprechen scheidet aus, eine deutliche Zunahme gleichartiger Straftaten ist unbestritten. Es liegt in der Natur der Sache, dass man sich fragt „was ist schief gelaufen bei der Erziehung von Jugendlichen“ die durch die Straßen ziehen und andere Passanten bestenfalls „nur“ krankenhausreif prügeln. An der Erziehung hängt ganz sicher ein großer Anteil aber eben nicht alles. „Da draußen“ können Jugendliche, beeinflusst durch viele Seiten auf die schiefe Bahn geraten. Die häusliche Einflussnahme, die Erziehung kann nicht alles gerade biegen da sie oft genug erst zu spät davon erfährt.

Hausarrest & Co. sind kein probates Mittel um zur Gewalt neigende Jugendliche zurück ins „normale leben“ zu bugsieren und helfen höchstens in jungen Jahren ein kleines Stückchen weit. Im aktuellen Fall mit 18 Jahen überhaupt nicht mehr.

Wenn eben alle Stricke reißen, wenn alle Erziehungsmaßnahmen nicht greifen und Jugendliche oder aber auch Volljährige nicht einsehen wollen dass dieser Weg kein gangbarer ist dann müssen Maßnahmen her. Maßnahmen jenseits von psychologischen Gesprächen, Arbeitsstunden oder Bewährungsstrafen. Hier geht es um Körperverletzung aus Lust, weil man eben „Bock darauf hat“. Oder wie es im aktuellen Fall vom Täter her hieß, „ich befand mich in aggressiver Stimmung“.

Wer sich das Recht heraus nimmt Dritte grundlos derartig zu verletzen und deren Leben womöglich dauerhaft zu zerstören kann nicht auf Milde hoffen dürfen. Viel zu oft fällt hier der Satz, dass man mit härteren Strafen den Tätern eine Rückkehr ins Leben erschweren würde – lachhaft sowas. Und was ist mit den Opfern? Können die immer ins normale Leben zurückkehren?  Interessiert das hinter der Richterbank auch jemanden? So einfach wie es sich hier Gesetze und auch Richter teilweise machen darf man sich das nicht machen! Das geht gar nicht.

In unserer Gesellschaft läuft etwas falsch, ja. Doch dies lässt sich weder zeitnah korrigieren noch schützt es die Opfer von morgen!  Es gilt die Opfer zu schützen, z.B. den Bürger der auf seine Bahn wartet und nicht die Straftäter! Dieser Gedanken ist in unserer Politik definitiv noch nicht angekommen, zumindest nicht dort wo er verarbeitet werden könnte.

Solange Staatsanwaltschaften alles mögliche „für den Täter“ herausschlagen ist dies nur ein weiterer Anreiz für Gewalttäter wieder aktiv zu werden. Ich will damit sagen, dass wenn ein Staatsanwalt hier keinen Mordversuch erkennen kann (will), dann weiß ich auch nicht wie der tickt. Jemandem 4x mit voller Wucht auf den Kopf zu treten? Kein Mordversuch? Es hätte keine Heimtücke gegeben – aha. Was ist es dann, auf ein wehrloses und am Boden liegendes Opfer weiterhin einzutreten? Vielleicht Nächstenliebe oder gar ein bedauerliches Versehen?

Sorry, doch hier geht mir echt der Hut sowas von hoch. Solche Schönrednereien zugunsten des Täters sind einerseits ein weiter Schlag ins Gesicht der Opfer und andererseits auch ins Gesicht von Polizei und Ermittlern. Warum Täter jagen und sie verhaften… ein paar Stunden später erfreuen sie sich wieder ihrer Freiheit und können das nächste Opfer suchen. Nicht überall hängen schließlich Überwachungskameras.

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Würde in unserer Politik, in unserem Strafrecht und den ganzen Schlupflöchern nicht soviel schief laufen, in unserer Gesellschaft liefe auch manches anders!

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn
9 Kommentare
  1. HansdasJo sagte:

    Dein Artikel spricht mir aus der Seele. Ich kann es langsam nicht mehr hören, dass ständig laut darüber nachgedacht wird, dass man den Tätern ja eventuell das Leben schwer machen könnte, wenn man sie konsequent wegsperrt – und zwar sofort nach ihrer Ergreifung und nicht erst nach einer eventuell Monate später erfolgenden Verurteilung.

    Die schützende Hand über psychische Befindlichkeiten der Täter zu halten ist ein Armutszeignis. Klar, es gibt massenhaft Täter, die sich von drohender oder eventuell ausnahmsweise sogar erlebter Bestrafung nicht abschrecken lassen. Aber wie viele Leute muss man denn zusammenschlagen, damit man als Täter von der Justiz ernst genommen und entsprechend behandelt wird? Eins, zwei, viele?????????? Und vor dem Erreichen dieser Quote heißt es dann, Strafen sind sinnlos, weil sie nicht abschrecken und das Weiterleben behindern, also verzichten wir darauf? Wenn man sich dann auch noch anhört, dass sowas wie „ich bin halt grad so aggressiv“ als Erklärung ausreicht, weiß ich echt nicht mehr weiter.

    Die Verantwortlichen trauen sich also nicht an härteres Durchgreifen ran, schieben die Psychoschiene vor um nicht handeln zu müssen. Dann schlag ich jetzt mal vor, dass man dann eben ganz konsequent auf der Psychoschiene reagiert: Da ja die liebe Psyche der Täter im Eimer zu sein scheint und durch Strafen noch mehr den Bach runter geht, muss man diese verirrten Gestalten eben entsprechend behandeln. Da Haftstrafen ja so unmenschlich sind und es ja sowieso nur um psychische Probleme geht, stecken wir die armen Täter doch einfach in die geschlossene Psychiatrie. Könnte mir vorstellen das solch eine Lebensperspektive für die Herrschaften vielleicht abschreckender ist, als alles, was die Justiz sonst so zu bieten hat.

    Ach ja: Ich bin übrigens auch dafür, dass man Leute zwischen 18 und 21 strafrechtlich wie Erwachsene behandelt und nicht nach Jugendstrafrecht, weil sie irgendwie noch nicht reif sind. Genau das ist doch ihr Problem: Mangelnde Reife und Einsicht. Und dieser Zustand bringt sie dazu, andere zu schädigen und wird sie darin noch bestärken, wenn man ihnen das mildernd anrechnet. Wer wählen gehen darf und damit in gewisser Weise den Staat mit gestaltet, muss sich auch voll und ganz dessen Regeln stellen, selbst wenn der Staat diese immer wieder eigenhändig verwässert.

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  2. Chris sagte:

    Ich schließe mich da meinem Voredner komplett an, nicht Verständlich war es der der Junge Mann trotz seiner Gewalttat nicht in Untersuchungshaft genommen wird.

    Mich würde es nicht wundern wenn er wegen dieser Tat nur mit Sozialstunden davon kommen würde, damit man ihm das Leben nicht kaputt macht.

    FRAG JEMAND NACH DEM OPFER???????

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  3. LexX Noel sagte:

    Ich denke bei solchen Schlagzeilen, weil das sind es nur noch, nicht mehr nach. Ich handele bei solchen Taten, wenn ich das mitbekomme nur noch. In dem Maße, das ich den Prügelnden mir mal vornehme und richtig durchlasse, bevor ich dann den Krankenwage für den Typen nach paar Stunden rufe.

    Hatte ich schon ein mal so eine Situation und habe ich genau so gemacht wie beschrieben. Erst mal den Prügelnden Knaben vom Opfer verscheucht und dem anderen Typen anbei richtig eine verpasst, das bei dem gleich die Lichter ausgingen. Dann den Haupt Übeltäter Mir vorgenommen und mal richtig durchgelassen, danach noch so 1Stunde gewartet damit die Schmerzen richtig wirken und dann Krankenwagen gerufen.

    Das damalige Opfer war nur leicht verletzt und sehr daran interessiert, das die beiden Schläger mal ihr Fett weg bekamen. Wäre das Opfer schwerer verletzt gewesen hätte ich beide sofort K.O geschlagen, was dank Kampfsport Wissen nicht das Problem gewesen wäre.

    Persönlich gehe ich jeglicher Gewalt aus dem Weg, weil es meistens schon ausreicht wenn ich durch meine Körpergröße und Statur von 2.10Metern dem Gegenüber signalisiere was Sache ist.

    Solche Typen, sollten nicht einfach nur einfahren in den nächst besten Knast, das bringt nichts. Sondern in eine Art von modernes Arbeitslager, wo die mal richtig geknechtet werden und zwar 16Stunden am Tag und einen Drill dazu bekommen wie im BootCamp!

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  4. Aquii sagte:

    Es ist ja so, das es nicht wenige Jugendliche gibt, die Grenzen erstmals durch einen Richter oder Staatsanwalt erfahren, in diesen Fällen noch von Erziehung zu sprechen halte ich dann für etwas weit hergeholt.

    Auch halte ich Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen für nicht zeitgemäß. Es gibt halt „Schlaeger“ die es immer wieder darauf anlegen, auch wenn sie eine „Lektion“ erteilt bekommen, dass nur einige Wochen oder Monate anhält und es eine Frage der Zeit ist, bis sie dann in die nächste Rauferei verwickelt sind.

    Auch sollte man vorsichtig sein, was die Rolle des Opfers betrifft. So hat uns der Fall in München gelehrt, dass Opfer auch mal provokant auftreten können, allerdings rechtfertigt das nicht, auf jemanden, der auf dem Boden liegt wiederholt einzutreten oder einzuschlagen. Grundsätzlich bin ich dafür, dass die Täter solange zu Zahlungen herangezogen werden, bis alle Forderungen der Opfer befriedigt sind, dazu kann man viele Dinge machen, wie z. B. Überwachung der Berufstätigkeit und Pfändung der über ALG II liegenden Bezüge, wenn es sein muss bis zum Eintritt ins Rentenalter.

    Und langsam muss man sich Gedanken machen, ob nicht die U und S Bahnstationen zusätzlich wieder von Menschen überwacht werden sollen. Wenn das hier in Essener Jobcenter geht (die haben hier in einem jetzt 3 Security Kräfte, komischer Weise als 1€ Jobber, nur weil einer mal einen Sachbearbeiter über den Tisch gezogen hat). Denke das würde noch das deutsch Jobwunder anheizen und einige abschrecken.

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  5. Thomas sagte:

    Die erwartungsgemäß wenigen Kommentare hier zeigen mir ein sehr unterschiedliches Bild darüber wie man vorgehen sollte. Härtere Strafen fordern die einen, „das bringt gar nichts“ sagen die anderen.

    Welchen Weg man nun einschlägt bleibt zunächst dahin gestellt – Hauptsache es wird überhaupt mal was getan. Welcher Weg zu einer Verbesserung der Situation sorgt kann keine der beiden Seiten vorhersagen.

    „Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen“ wie Aquii es schrieb möchte ich so nicht stehen lassen. Straftäter einzusperren hat ja zunächst nichts mit „Gewalt“ zu tun. Das würde ja sonst bedeuten, dass wir die Gefängnisse gar nicht mehr brauchen. Oder wäre es sinnvoll einen Bankräuber, der in jedem Fall auch Gewalt anwendet, nicht mehr hinter Schloss und Riegel zu bringen? Wohl kaum.

    Nur müssen Haftstrafen auch wirklich Strafen darstellen. 6 Monate auf Bewährung dafür dass ich jemanden krankenhausreif geschlagen habe ist sicherlich nicht zielführend. Darüber amüsiert sich mancher Schläger ganz bestimmt.

    Mehr Sicherheitskräfte bereitzustellen wäre ggf. ein Ansatz – diese mit 1-Euro-Jobbern zu besetzen…. ich weiß ja nicht. Die Motivation bei diesem „Lohn“ wäre garantiert nicht besonders hoch.

    Hauptproblem ist es schlichtweg, dass ich als kleiner Steuersünder oftmals der Schlimmere bin als wie wenn ich einer 90-jährigen Omi die Handtasche raube. Wir brauchen in erster Linie Gesetze, welche die Schwere einer Tat beurteilen.

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  6. Thomas sagte:

    @KranzKrone: Dies und noch viel mehr, das kannst Du mir glauben. Solche Fälle scheinen zur Tagesordnung zu gehören.

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  1. […] seiner letzten Artikel: TelDaFax – Vertrauensverlust in einen Energieversorger Von Erziehung, Gesetzen und Gerichten Ordnersystem im Feedreader Wegen Download von Linux abgemahnt Tags: blogvorstellungZugriffe auf […]

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