Mir ist klar dass ich keiner nennenswerten Lobby angehöre und mein Name deswegen keine besondere Beachtung findet wenn er auf den Schreibtische unserer Politiker auftaucht.

Als Adeliger oder Großindutrieller – und dann eben mit einer ganz besonderen Lobby ausgestattet – wären die Chancen sicherlich um ein Vielfaches höher sich Gehör bei den Damen und Herren Minister zu verschaffen.

So ist das eben in der deutschen Mehrklassengesellschaft, das ist keineswegs als neu anzusehen. Mit nichts anderem hatte ich gerechnet, doch einfach nur zu schweigen war und ist keine vertretbare Lösung auch wenn diese in den Ministerien gern gesehen werden würde.

Auf meinen offenen Brief vom 25.07.2012 wegen mangelnder Menschenwürde in deutschen Pflegeheimen habe ich bis heute keinerlei Reaktion erhalten. Keiner der Adressaten sah es auch nur ansatzweise für notwendig an sich einem Thema zu widmen das bekanntlich gerne „totgeschwiegen“ oder zumindest klein gehalten werden soll. Das sich stützen auf Statistiken oder gute Pflegenoten die zudem eher als zweifelhaft anzusehen sind ist eben einfacher als die direkte Konfrontation mit Problemen.

In fast 5 Monaten sollte sich angesichts der Problematik allerdings Zeit finden lassen angemessen darauf zu regieren. Speziell bei der  Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – Dr. Kristina Schröder – setze ich diese Erwartung sehr hoch an. Festreden, Sommer- und Familienfeste sind allesamt Themen die zwar mit ins Resort gehören, von denen die pflegebedürftigen Senioren jedoch absolut nicht profitieren.

Auch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sah keinerlei Veranlassung sich zum offenen Brief zu äußern, dabei wäre es gerade hinsichtlich solcher Urteile bei Pflegemängeln  dringender Handlungsbedarf in Sachen Sensibilisierung der Gerichte – insbesondere der eingesetzten Richter und Richterinnen – angesagt um hier nicht einen zusätzlichen und wie mir scheint großen Deckmantel auszubreiten.

Anstelle sich dieser Probleme anzunehmen ruft unsere Justizministerin zum Google-Boykott auf – der schon erwähnte Lobbyismus lässt hier wieder herzlichst grüßen.

Besonders bitter stößt es mir auf, wenn ich begleitet vom Bundesgesundheitsminister Dr. Daniel Bahr Kampagnen wie „Pflege. Darum kümmern wir uns“ höre. Anstatt sich Eindrücke der Tagesabläufe von noch zuhause lebenden Senioren zu verschaffen sollte der Herr Minister mal unangemeldet, ohne großen Begleiterstab und die obligatorischen Begrüßungszeremonien bei denen Senioren vorbeischauen, die sich auf Grund ihrer Erkrankung nicht mehr selbst versorgen können und auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Der Satz „Darum kümmern wir uns“ bekäme eine ganz andere Bedeutung um nicht zu sagen, er würde diese komplett verlieren.

Ich könnte hier fast schon an gewisse Berührungsängste mit der Realität in einschlägigen Pflegeheimen glauben. Doch wer will es Herrn Bahr persönlich verübeln wenn selbst Krankenkassen diverse Missstände nahezu leugnen obwohl sie es angesichts ihrer Position eigentlich besser wissen sollten, nein müssten!

Auch die kürzliche Aktion Bahr ´s in Hamburg mit dem kostenlosen Verteilen vom Krapfen um ein Zeichen  gegen die Diskriminierung HIV-positiver Menschen zu setzen zeigt mir, dass pflegebedürftige Menschen eine noch schlechtere Lobby haben als HIV-Patienten.

Von unserer Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erreichte mich ebenso keine Einlassung. Dort, so könnte ich es mir sehr gut vorstellen, verweist man gerne an die entsprechenden Ministerien. Irgendwie beißt sich hier die Katze (bewusst?) in den eigenen Schwanz. Abgesehen der fehlenden Reaktion aller angeschriebenen Personen trifft man mit ernsthaften Problemen mangels der angeblichen Zuständigkeit immer nur Verweise auf andere „Dienststellen“ oder Einrichtungen. Ganz nach dem Fussballmotto „nie Du ihn, ich hab ihn“.

Mit dieser Denk- und Handlungsweise die auf mich persönlich wie einer Art Ignoranz wirkt wird die Menschenwürde im Pflegeheim wohl nie durchgehend einen akzeptablen Status erreichen. Misshandlungen, welche viele Gesichter haben gehören sicher nicht zur Tagesordnung – doch jeder neue Fall ist bereits einer zu viel.

Die eigene Erfahrung macht den Unterschied

Wahrscheinlich, so nehme ich persönlich an, fehlt es unseren Politikern schlichtweg an eigenen Erfahrungen im realen Pflegewesen. Wer hauptsächlich auf Statistiken vertraut, lediglich die wenigen Berichte in der Presse kennt und selbst nicht von Pflegemissständen betroffen ist wie ich es gewesen bin tut sich eben erheblich leichter.

Ich wünsche es niemandem all das zu erleben was ich erleben musste. Und trotzdem wäre es sehr interessant zu wissen wie speziell die Empfänger meines offenen Briefes fühlen und handeln würden, wäre ein Familienmitglied den Missständen in der Pflege ausgesetzt.

*Zynismus an* – Ich danke Ihnen für Ihr Schweigen und wünsche Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familien – *Zynismus aus*