Der Auslöser ist schnell gedrückt und schon ist das gewünschte Objekt dauerhaft festgehalten. Bis hierher ein Vorgang um den man sich keinen großen Kopf machen muss, die Einhaltung der Gesetze (Persönlichkeitsrecht usw.) müssen selbstverständlich beachtet werden.

Doch wie verhält es sich mit dem Foto- bzw. Filmaufnahmen in Bahnhöfen (U-Bahn, S-Bahn, Fernbahn)? Innerhalb dieses Geländes gilt das jeweilige Hausrecht und der eine oder andere Betreiber verhält sich ggf. „gereizt“ wenn ohne vorherige Frage fotografiert oder gefilmt wird. Bevor man also in U-, S- und Fernbahnhöfen den Auslöser drückt erst die Hausordnung studieren?

Bis dahin ist die gewünschte Szenerie garantiert in 90% der Fällen „zerstört“. Im ungünstigsten Fall bekommt man sogar noch Ärger mit der Ordnungs-/ Wachpersonal in den Bahnhöfen wie es Wolfgang Baus kürzlich ergangen ist. Er wurde gebeten die Fotoaufnahmen sofort zu beenden mit einer meines Erachtens sehr unbefriedigenden Antwort des Wachpersonals auf seine Frage warum dies so sei:

Weil es verboten ist….

Diese Antwort bekommt er – und sicher manch anderer ebenfalls – immer dann wenn er die Frage stellt, „warum sind Foto- bzw. Filmaufnahmen in der U-Bahn verboten“. Ein solche Antwort stellt weder zufrieden noch legt sie offen, warum es diese Vorschrift gibt. Einziges Ergebnis dieser Begegnung, der Fotograf zieht mit einer großen Portion an Unverständnis für diese Vorgehensweise und sicher auch verärgert von dannen.

Grund genug für mich um u.a. bei der Pressestelle der Hochbahn Hamburg anzufragen wie es sich mit dem Fotografieren oder Filmen in U-Bahnstationen generell verhält. Die Anfrage wurde auch an die Hamburger S-Bahn GmbH sowie die Deutsche Bahn AG (bundesweit) geschickt um mehr Licht auf die Mär rund um Foto- und Filmaufnahmen in Bahnhöfen zu werfen.

Hamburger Hochbahn AG

Generell ist das Filmen und Fotografieren auf Haltestelle und in Fahrzeugen der Hochbahn AG (U-Bahn) nicht verboten. Jedoch werden auch Hobbyfotografen ¹ neben professionellen Fotografen bzw. Kamerateams gebeten für Aufnahmen vorab eine Genehmigung bei der Pressestelle einzuholen.

Die Gründe für eine Genehmigung liegen darin verborgen, dass es durch das mitgebrachte  Equipment (Stativ, Beleuchtung, ggf. Menschenansammlungen) zum einen Gefahrenquellen wie Stolperfallen entstehen und zum anderen die Blendung der Fahrer verursacht werden kann. Zudem kann durch Foto- und Filmaufnahmen nicht nur der Fahrgastfluss sondern der gesamte Betriebsablauf beeinträchtigt werden.

Bezüglich der möglichen Kosten für ein Genehmigungsverfahren teilt die Pressestelle mit:

Ob Kosten anfallen und ob eine Begleitung von Foto- und Filmarbeiten notwendig ist entscheidet unser Betrieb auf Basis des Drehgenehmigungsantrags.

Richtig teuer wird es für einen Hobbyfotografen wenn tatsächlich eine Begleitung der Hochbahn erforderlich ist. Bis 20 Uhr kostet dieser 50 € pro Stunde, nach 20 Uhr sind es dann satte 100 € . Der Antrag für eine Genehmigung sowie die Preisliste gibt es auch zum Download.

Die Bilder dürfen im Internet veröffentlicht werden. Das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter der Hochbahn AG ist zu wahren. Die Veröffentlichung der Bilder auf einer kommerziell betriebenen Webseite setzt eine zusätzliche Genehmigung voraus.

Hinsichtlich der „unzureichenden Auskunft“ des Wachpersonals wird die Hochbahn AG ihre Mitarbeiter noch einmal unterrichten.

Mein Fazit: Ob es tatsächlich zu zusätzlichen Menschenansammlungen kommt, wenn ich Bilder „aus dem Handgelenk heraus“ in einer U-Bahnstation anfertige lässt in mir erhebliche Zweifel aufkommen. Persönlichkeitsrecht ist logisch und Ehrensache. Der Begriff „kommerzielle Webseite“ ist zu dehnbar ausgelegt. Diese meine Seite ist so gesehen auch kommerziell weil Werbung geschaltet wird. Die Einnahmen werden wegen eines U-Bahn-Bildes sicher nicht ansteigen. Ob auch für die Genehmigung der Veröffentlichung zusätzlich Kosten anfallen (können) bleibt offen und muss ggf. vorab geklärt werden.

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Deutsche Bahn AG

Foto- und Filmaufnahmen in  allgemeinen öffentlich frei zugänglichen Bereichen für private Zwecke sind ohne Genehmigung gestattet. Eine Beeinträchtigung der betrieblichen Abläufe sowie der Fahrgäste ist auszuschließen, Flucht- und Rettungswege müssen freigehalten werden. Der Aufenthalt im Gleisbereich ist grundsätzlich nicht gestattet. Scheinwerfer, Blitzanlagen und Stative sind hierbei nicht erlaubt.

Die Veröffentlichung der Bilder oder Filmaufnahmen ist – auch auf kommerziellen Webseiten – ohne besondere Genehmigung möglich. Das Recht am eigenen Bild bleibt unberührt.

Eine Genehmigung wird benötigt, wenn Foto- bzw. Filmaufnahmen vom Führerstand aus gemacht werden. Hierfür ist eine Aufsichtskraft der Deutschen Bahn erforderlich, die Kosten für die Aufsichtskraft hat der Hobbyfotograf bzw. -filmer zu tragen. Ebenso eine gesonderte Genehmigung ist erforderlich, wenn Gleisanlagen gefilmt werden sollen. Die Einholung der Genehmigung ist über  filmvorhaben@deutschebahn.com möglich.

Die Pressestelle hat mir dieses Merkblatt für Hobbyfotografen und -filmer zur Verfügung gestellt.

Mein Fazit: Es geht also auch erheblich unkomplizierter. Die Deutsche Bahn lässt unter Beachtung gewisser Sicherheitsaspekte dem Hobbyfotografen freie Hand an allen öffentlich zugänglichen Stellen in Bahnhöfen Aufnahmen anzufertigen. Lediglich ein Stativ sieht auch die DB nicht gerne obwohl es gerade für entsprechende Nachtaufnahmen dringend erforderlich wäre.

S-Bahn Hamburg GmbH

Die Hamburger S-Bahn GmbH äußerte sich auf meine Anfrage überhaupt nicht. Da ich jetzt einmal nicht davon ausgehe, dass z.B. im Hamburger Hauptbahnhof die Bahnsteige 1 bis 4 (S-Bahnen) anders gehandhabt werden als die Bahnsteige 5 bis 14 (Fernverkehr), sollten auch hier die Regelung der Deutschen Bahn AG gelten. Alles andere wäre dann doch „etwas merkwürdig“.

Ich hoffe die Informationen der jeweiligen Pressestellen helfen dem interessierten Fotografen weiter um möglichen Ärger zu vermeiden. Ich habe keinen Einfluss darauf wie lange die jeweiligen und aktuellen Regelungen gelten. Bei den Pressestellen des HVV und der Deutschen Bahn AG bedanke ich mich für die Auskünfte und die Genehmigung diese hier zu veröffentlichen.

¹ Der Begriff „Hobbyfotograf“ wurde bei den Anfragen hinsichtlich der Ausrüstung wie folgt deklariert: Keine externen Beleuchtungsquellen, kein Stativ und nur 1 Person.