In der Saison 2013/2014 stand der HSV bereits mit mehr als einem Bein in der 2. Bundesliga. Mit Glück konnte man in der Religation beim Rückspiel in Fürth den allerletzten Strohhalm greifen und im Oberhaus verbleiben. Ich und sicherlich viele andere haben nun gedacht, dass dies ein Schuss vor den Bug war der die Mannschaft wachgerüttelt hat.

Weit gefehlt. 6 Spieltage vor dem Saisonende ist der Hamburger SV nach der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg wieder auf einem Abstiegsplatz angekommen und es sieht absolut nicht danach aus als würde sich dies in naher Zukunft grundlegend verändern. Wenn heute heute Abend der VfB Stuttgart einen Dreier gegen Bremen holt ist das Tabellenende endgültig erreicht. 8 Spiele ohne einen Punktgewinn und obendrauf 5 Spiele davon ohne einen eigenen Treffer – für die Bundesliga erheblich zu wenig.

Misserfolg des HSV ist keine Trainerfrage

Keine Mannschaft ist zu 100% vor Misserfolgen sicher. Wenn die Leistung gerade mal für das Mittelfeld reicht ist der Weg nach unten relativ nah. Sehr schnell – und nicht nur beim Hamburger SV – werden erfolglose Serien an der Trainerleistung festgemacht. In einigen Fällen mag dies auch durchaus zutreffend sein. Beim HSV jedoch kann ich keine gravierende Minderleistung des Trainers erkennen, schon gar nicht bei allen Trainern.

In den letzten 1 1/2 Jahren (!!) waren beim HSV vier Trainer am Werk und konnten unter dem Strich die Negativserie nicht stoppen. Bert van Marwijk, Mirko Slomka, Josef Zinnbauer und aktuell Peter Knäbel der zusätzlich noch Direktor der Abteilung Profifussball ist. Es hagelt eine Niederlage nach der anderen ohne dass man selbst überhaupt entscheidend in die Nähe des gegnerischen Tors kommt geschweige in dieses trifft.

Trainer können viel bewerkstelligen, nur hexen können sie nicht. Fussball ist ein Mannschaftssport – Trainer und Mannschaft bilden eine Einheit. Der Elf des HSV ist dies scheinbar egal, Hauptsache der Gehaltszettel stimmt. Jeder einzelne Spieler sollte sich seines Berufs besinnen und die Überlegung anstellen ob er ihn wirklich gehaltswürdig ausführt oder ob es nicht besser wäre Brötchen an der Tanke zu verkaufen.

Man darf auch nicht vergessen, dass bei dieser Mannschaftseinstellung auch der Name eines Trainers Schaden nehmen kann.

„Wo waren Sie zuletzt Trainer? Beim HSV? Nein danke.“

HSV Abstiegsgefahr

Die Mannschaft müsste sich eigentlich schämen

Die Tatsache, dass der HSV innerhalb der letzten 5-8 Spielminuten besonders anfällig für Gegentore und Niederlagen ist weiß man seit langem schon. Jedoch angesichts des Tabellenstandes darf, nein es muss die Frage gestellt werden, ob sich die Mannschaft überhaupt bewusst ist um was es geht! Nicht nur dass so mancher Spieler seinen eigenen Namen in Misskredit bringt in dem die Leistung kontinuierlich unterirdisch ist, auch der Vereinsname selbst wird hier mit jedem Spieltag mehr ins lächerliche gezogen.

Ein Abstieg in die zweite Liga wäre der erste Abstieg in der Vereinsgeschichte überhaupt. Normalerweise sollte man davon ausgehen dürfen, dass jeder Spieler daran interessiert ist dies durch Arbeitsleistung zu verhindern. Schließlich geht es eben auch – und nicht zu knapp – um den Namen des monatlichen Brötchengeber, den Hamburger SV. Dies scheint vielen Teilen der Mannschaft völlig egal zu sein. Insbesondere denen, die den Verein zum Saisonende ohnehin verlassen. Lustlosigkeit ist das ausgerufene Saisonziel so scheint es mir jedenfalls.

Das Publikum des HSV hat es nicht verdient

… so verschaukelt zu werden. Trotz des anhaltenden Misserfolges kann der Hamburger SV in jedem Heimspiel 52000 Zuschauer begrüßen. Das ist Platz 4 in der Rangfolge der Zuschauerzahlen. Viele davon werden wohl zum Spiel gehen mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie hoch die Niederlage diesmal ausfallen mag. Spaß ist etwas anderes.

Und trotzdem, das Publikum hält zum Verein auf Biegen und Brechen, feuert an und steht hinter der Mannschaft. Die bereits angesprochene Lustlosigkeit ist ein Schlag ins Gesicht dieses treuen und zahlenden Publikums. Diese Mannschaft hat es nicht verdient unterstützt zu werden, sie gibt absolut nichts zurück. Sollte es zu einem Abstieg in die 2. Bundesliga kommen darf daran gezweifelt werden ob dieser Zuschauerschnitt aufrecht erhalten werden kann was nicht zuletzt auch Einbußen in der Kasse des Vereins führt.

Entlassungswelle und Neustart

Die Meinung ist zugegebener Maßen vielleicht hart. Trotzdem, diese Welle der Erfolglosigkeit liegt nicht am immer wieder ausgetauschten Trainer wie man sieht. Vielmehr krankt es hier am ganzen Führungsstil des Vereins. Eine Art von „Grundsäuberung“ wäre durchaus angebracht. Mir scheint, dass zu viele Leute im Führungsstab des HSV zu fest und sicher im Sattel sitzen. Hier soll nur kurz an die nicht wenigen dafür teuren Fehleinkäufe erinnert werden die nicht unbedeutend an der aktuellen Misere beteiligt sind.

Sogenannte Schnellschüsse in u.a. den Personalentscheidungen waren noch nie ein guter Boden für Erfolg. Und genau das praktiziert man an der Silvesterallee seit vielen Jahren. Nahezu ein Wunder das der Verein noch existiert um es ein wenig überspitzt auszudrücken.

Die Vereinsstruktur ist total zerfahren und schadet mehr als sie nützt. Konzeptlosigkeit wäre ein weiterer Begriff der hier eingesetzt werden kann. Veränderungen in der Vorstands- und Aufsichtsratsebene sind dringend anzuraten um noch größeres Unheil – sowohl sportlicher als auch finanzieller Art – fernzuhalten. So wie jetzt schaufelt sich der HSV sein eigenes Grab. Ein Grab bei dem es dann besser ist ganz von unten neu anzufangen.

Fazit

Es ist noch nicht zu spät. Noch kann das Blatt aus eigener Kraft heraus gewendet werden. Nur anfangen sollte man damit ehe die nächsten Gegner tatsächlich Aue, Sandhausen und Bochum heißen. Das Glück der Religation 2014 – sofern es nicht zu einem Direktabstieg kommt – sollte keine Option sein auf die man setzt!

Und wenn man es tatsächlich noch packen sollte muss über die Vereinsstruktur nachgedacht werden sonst wird 2015/2016 nichts anderes wie jetzt. Dies hat der Club, die Stadt nicht und vor allem auch das Publikum nicht verdient.