Was die Mülltrennung betrifft gibt es in Deutschland viele Konzepte. Alle haben zwar ein gemeinsames Ziel, was jedoch die Fairness bei der Gebührenberechnung für die Müllabfuhr betrifft unterscheiden sich manche Systeme doch erheblich. Das Müllkonzept hier in Saarbrücken fährt gegenüber der Hamburger Müllmodel eine deutlich gerechtere Schiene. Bezahlt wird für den tatsächlich „produzierten“ Müll, also für jene Müllmenge die letztlich der Müllabfuhr zugeführt wird. In Hamburg wurden „pauschale Müllgebühren“ verhängt, pro Haushalt 50 Liter die Woche.

Selbst wenn ein Haushalt diese Müllmenge gar nicht produziert – wie ein Singlehaushalt etwa – wurden pro Woche diese 50 Liter berechnet. Irgendwie musste ja schließlich das etwas eigenwillige Müllkonzept finanziert werden, bei dem täglich die Müllkontrolleure ihre Runden drehten.

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Bezahlt wird was tatsächlich an Müll anfällt

Wie schon erwähnt, hier bezahlt jeder für den Müll den er wirklich „verursacht“. Die Abrechnung der Müllgebühren erfolgt über den Daumen gepeilt sondern über das Gewicht und somit äußerst fair! Wer seinen Abfall entsprechend trennt hat am Ende weniger in der „grauen Tonne“ und spart unter dem Strich Müllgebühren. Zudem kann – je nach Größe der Müllbehälter und Stadtteil – gewählt werden zwischen einer wöchentlichen, 2-wöchentlichen oder 4-wöchentlichen Leerung. Klar gibt es eine Grundgebühr und eine Jahresmindestmenge an Müll welche berechnet wird. Von der Größenverhältnissen mit 50 Liter pro Haushalt und Woche wie in der Hansestadt sind diese jedoch sehr weit entfernt.

Gewogen wird an den Müllfahrzeugen, die anhand eines Barcodes den Müllbehälter zuordnen. Bei dem ganzen Prozedere müssen Hausbesitzer bzw. Mieter nicht warten bis zur Abrechnung um zu erfahren welche Müllmenge bisher angefallen ist. Über die sogenannte „Gewichtsinfo“ kann jederzeit abgerufen werden wie der aktuelle Stand beim Hausmüll ist. So etwas nenne ich in jedem Fall eine bürgernahe Transparenz. Ich glaube auch nicht, dass am Ende der Abrechnungsperiode ein Schreiben des Entsorgungsunternehmens verschickt wird in welchem dem Mieter mitgeteilt wird, dass er im abgelaufenen Jahr „zu wenig Müll entsorgt“ hat, ihm die Gebühren jedoch nicht erstattet werden. So üblicherweise geschehen in Hamburg und der Firma Innotec.

Der grüne Punkt und die Tierwelt

Die Abholung „der gelben Säcke“ erfolgt alle zwei Wochen. Die Säcke wiederum erhält man kostenlos bei einer der zahlreichen Ausgabestellen. In die gelben Säcke gehört alles was den sogenannten „grünen Punkt“ aufgedruckt hat, also der gesamte Verpackungsmüll für welchen die Verbraucher ohnehin schon ihren Beitrag mit dem Kauf der Produkte geleistet haben.

Der Gelbe Sack

Der Gelbe Sack

Klar gibt es hier immer wieder mal auch „Schlaumeier“ die von Teppichresten bis hin zu alten Turnschuhen alles in diese Säcke werfen. Nun, nachdem die Säcke transparent sind bleibt der Entsorgungsfirma dies nicht verborgen. Diese Säcke bleiben einfach stehen und werden nicht abtransportiert. Abgesehen davon, dass es auch ein Stück weit peinlich ist wenn der ganze Müll eingesammelt ist und nur „mein Sack“ stehen geblieben ist – der jeweilige Verursacher muss nun selbst zusehen wie er damit umgeht.

Einen gewissen „Nachteil“ hat die quasi die Maßgabe des Entsorgers, dass die gelben Säcke am Vorabend der Abholung (ab 19 Uhr ) schon bereitgestellt werden können. So kommt es immer wieder einmal vor, dass sich z.B. Raben über Nacht an den Plastiksäcken vor den Häusern vergnügen und diese teils ordentlich auf der Suche nach fressbarem Inhalt zerrupfen. Ich muss an den Abholtagen morgens immer wieder mal über die eine oder andere Hofeinfahrt schmunzeln, wenn es dort aussieht als wäre hier ein Wirbelsturm durchgebraust.

Nachdem die Entsorgungsfirma noch nie vor 9 Uhr hier war, ich aber schon früh morgens mit dem Hund meine Runde drehe „missachte“ ich diese Regelung und stelle meinen Sack erst morgens raus. Die Gefahr des Zerrupfens wird dadurch ganz erheblich gehemmt. Wie das im Winter aussieht wenn das Nahrungsangebot insgesamt geringer wird bleibt noch abzuwarten.

Altpapier, Wertstoffe und Biomüll

Selbstverständlich gibt es auch hier die bunte Mülltonnenlandschaft. Blau für Altpapier, orange für die Wertstoffe und grün für den Biomüll. Altpapier und Wertstoffe werden alle 4 bzw. 12 Wochen kostenlos entleert. Der Biomüll kommt alle 2 Wochen und kostet 18 Cent pro Kilogramm. Eine Pflicht zur Bereitstellung besteht nur für einen Restmüllbehälter und eine Biotonne (abhängig von der Anzahl der Haushalte). Die anderen Müllbehälter können, müssen aber nicht bereitgestellt werden. Vor dem Hintergrund allerdings, dass Bioabfälle nicht über die Restmülltonne entsorgt werden soll bleibt eigentlich keine Wahl zusätzlich einen grünen Biobehälter aufzustellen.

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Unter dem Strich sehe ich das hiesige Müllkonzept als etwas durchdachter und insbesondere eben fairer an was die Abrechnung betrifft. Und „guter Müll“ ist eigentlich nur jener, der erst gar nicht produziert wird. Das wiederum liegt nicht in allen Bereichen in Verbrauchers Hand.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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1 Antwort
  1. Marcus sagte:

    Das das Müllkonzept im Saarland fairer ist, liegt sicher auch an den Gegebenheiten.

    Eine Stadt mit einem 1/10 der Einwohner kann sicher wesentlich besser kalkulieren, als die ‚Weltstadt‘ Hamburg. Da sind die Verhältnisse einfach gravierend andere und es muss anders kalkuliert werden.

    Selbiges trifft auf die Schulden zu: Hamburg hat doppelt so viele wie Saarbrücken. Irgendwie / -woher muss man das Geld holen

    Antworten

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