Ob Onlinebanking oder per Überweisungsträger – ein Zahlendreher bei der Kontonummer oder ein falsch geschriebener Empfängername ist schnell passiert. Das Ergebnis, die Kontonummer passt nicht zum Empfänger.

Im schlimmsten Fall ist der überwiesene Geldbetrag auf dem Konto einer mir unbekannten Person gelandet. Überweisungen kann man nicht zurückholen, der Empfänger müsste das Geld von sich aus wieder zurück überweisen – wenn er fair und ehrlich ist. Wenn nicht können unnötige Diskussionen und sogar Rechtsstreite losbrechen.

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Dies ließe sich alles vermeiden wenn die Banken entsprechend reagieren würden und bei Unstimmigkeiten den Betrag erst gar nicht auf den „falschen“ Konto gutschreiben würde. Tun dies die deutschen Kreditinstitute? Im Werbematerial und auf Ihren Webseiten wird auf dieses Thema nicht angeschnitten.

Ein Grund, dass ich kürzlich 16 deutsche Banken  – jeweils die Zentralen –   angeschrieben habe und mich unter dem Vorwand ggf. ein Konto eröffnen zu wollen genau diese Frage beantwortet haben wollte.

Das Ergebnis meiner Nachfrage

3 Banken wollten konnten mir die Frage nicht beantworten, dazu müsse ich mich direkt an eine Filiale wenden. Eine dieser 3 Banken wollte sogar Anschrift und Telefonnummer von mir, weil die Frage nur so zu beantworten wäre. Darüber kann man jetzt denken wie man möchte.

Ein Kreditinstitut beschwichtigte die Problematik völlig – wohl in Aussicht auf einen neuen Kunden – und teilte mit, dass die Empfängerbank versuche mit Nachforschungen das richtige Konto herauszufinden und dort den Betrag dann verbucht. Hier hinter steckt ne große Portion Wunschdenken. Eine Testüberweisung auf einen „falschen Namen“ in Höhe von 1 Euro wurde knallhart gutgeschrieben – niemand hat da etwas versucht! Im Ernstfall wäre das Geld nun weg.

Am krassesten fand ich die Antwort von einer deutschen Großbank. Dort sieht es so aus, dass zwar versucht würde eine fehlgeleitete Überweisung zurückzuerlangen, der Kunde muss hierfür allerdings eine Bearbeitungsgebühr zahlen muss. Den Auftrag für den Widerruf berechnet man mit 7,50 € , „für das Bemühen um Rückerlangung des Überweisungsbetrages“ heißt es weiter werden 21,00 € fällig.

Von einer Bank, die einem Verband unterstellt ist wurde ich ebenfalls überrascht. Man könne die Frage so nicht beantworten weil diese jede Filiale regional anders handhabt. ich solle mich doch bitte direkt an meine zuständige Filiale wenden um Antworten zu bekommen. Also innerhalb einer Bank auch noch zig verschiedene Süppchen die gekocht werden? Auch diese Antwort ist nicht wirklich nachvollziehbar.

Bei den restlichen 8 Banken könnte man meinen sie hätten den Text gegenseitig kopiert. Bis auf ein paar Satzzeichen gleichen sich die Texte nahezu wortgenau. „Laut EU-Richtlinie… blabla… sind wir nicht verpflichtet… blabla“.

Zwei Banken antworteten überhaupt nicht. Klar, warum auch. *Zynismus an* Jetzt wollen die Kunden noch Licht ins Dunkel der Finanzwelt haben, das geht ja mal gar nicht. *Zynismus aus*

Fazit

Den Banken ist es auf Grund einer EU-Richtlinie völlig egal ob Kontonummer und Empfänger zusammenpassen und das Geld „richtig“ verbucht wird. Ist die verwendete Kontonummer unter der Bankleitzahl vorhanden wird der überwiesen Betrag einfach auf dem Konto gebucht und der überweisende Kunde hat das Nachsehen.

Seitens der Bank hat man keine Hilfe zu erwarten. Die Herausgabe des Namens erfolgt nicht unter Berufung auf Datenschutz. Dies kann ich sogar noch ein Stück weit nachvollziehen. Der, der helfen kann – also die Bank – will nicht und schon hat der Kunde das Nachsehen.

Ggf. kann es Wochen dauern bis das Versehen ans Tageslicht kommt, wenn der versehentliche Empfänger den „Geldsegen“ nicht bemerkt oder bemerken will. Erst wenn Mahnungen ins Haus flattern besteht die Möglichkeit dass der Fehler entdeckt wird. Dadurch entstehende Zusatzkosten gehen zu Lasten von mir selbst.

Handelt es sich bei der Überweisung z.B. um die Bezahlung einer Reise könnte diese durch den nicht erhaltenen Zahlungseingang sogar platzen – ein Unding! Beim Onlinebanking gibt es generell keine Überprüfung der Bank auf Richtigkeit.

Liebe Kreditinstitute, an dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein ob so guter Service aussieht? Es wäre technisch sicherlich umsetzbar Kontonummer und Namen abzugleichen und ggf. den Betrag an den Absender zurück zu überweisen. Sich an einer EU-Richtlinie festzuklammern, deren Sinnhaftigkeit ich mal stark anzweifeln möchte, ist natürlich um ein Vielfaches bequemer.

„Unter dem Strich zähl ich“ ist wohl mehr ein werbewirksamer Spruch als ein Versprechen, ohne diesen Satz jetzt an eine bestimmte Bank binden zu wollen. Vielen Dank auch…