Unter Studenten grassiert eine Seuche, wie sie schlimmer kaum sein könnte. Nein, die Rede ist nicht von Covid oder der Grippe. Dennoch ist das Krankheitsbild ein sehr ernstes: Gemeint ist die Aufschieberitis, wie die Prokrastination im Volksmund genannt wird. Eine Impfung gibt es nicht. Was also tun, um sich zu schützen oder zu heilen, wenn man betroffen ist? Schauen wir uns das Krankheitsbild, den Verlauf und die Prognose einmal genauer an.

„Ich prokrastiniere“ – Für Betroffene gar nicht witzig

Die irgendwie lustige Antwort auf die Frage: „Na, was machst du Schönes?“ – „Na ich prokrastiniere“ ist für viele Studierende kein Witz, sondern ein Hilferuf oder zumindest die Selbsterkenntnis. Alles ist in Ordnung, wenn der Befragte damit nur zum Ausdruck bringen möchte, dass er oder sie gerade einer Beschäftigung nachgeht, obwohl doch das Lernen oder das Schreiben einer Hausarbeit auf dem Plan steht. Wahrscheinlich lässt jeder Mensch dann und wann den inneren Schweinehund über die Vernunft siegen und widmet sich zuerst dem Vergnügen, während die lästige Arbeit liegen bleibt. Ach komm, schnell noch mit dem Hund raus, lieber mit der besten Freundin chatten oder im Vulkan Casino Zeit verbringen – die Verlockung ist immer groß, das Unangenehme zu verschieben. Das darf passieren und muss sogar manchmal passieren, denn das ist menschlich. Wir sind ja nicht nur zum Arbeiten auf der Welt, oder? Leider passiert es dabei aber auch, dass Aufschieben sich wiederholt. Stunde um Stunde, Tag um Tag, Woche um Woche. Ein Teufelskreis entsteht, denn das Gewissen meldet sich. Die Prokrastination macht auf Dauer krank, wenn sie jemanden ernstlich erwischt. Aufschieberitis ist tatsächlich kein humoristischer Begriff, sondern eine Krankheit mit schweren Folgen.

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Selbstzweifel bis hin zu Depressionen

Betroffenen vergeht das Lachen schnell, wenn die die Kurve nicht mehr bekommen und der innere Schweinehund zum Boss mutiert, an dem sie nicht mehr vorbeikommen. Bin ich faul? Habe ich einen schwachen Willen? Wo ist meine Selbstdisziplin? Das Aufschieben der unangenehmen Angelegenheit drängt sich vom Unterbewusstsein in das Bewusstsein. Die bohrenden Fragen, warum man nicht mehr in der Lage ist, die Abgabetermine einzuhalten, rauben nach und nach die Nerven, das Selbstvertrauen und den Schlaf. Wer zu lange prokrastiniert, ist mit sich selbst nicht mehr im Reinen, das ganze Selbstbild gerät ins Wanken. Fakt ist nämlich, dass das Phänomen nicht nur eher bequeme Zeitgenossen betrifft, sondern auch die außerordentlich Fleißigen, Disziplinierten – eben die Musterstudenten.

Diese haben oft sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Sie kennen sich so gar nicht. Und da fängt die Abwärtsspirale an: Man hinterfragt, analysiert und kritisiert sich selbst für das Verhalten, das man doch selbst immer verurteilt hat. Immer wieder kommt die Frage auf, warum man denn aufschiebt und sich weiter in das Unglück hinein manövriert, wider besseren Wissens. Was folgt, sind strenge Worte an sich selbst. Du bist zu schwach, du bist selbst schuld an der Situation. Diese ewigen Gedankenspiele machen krank, sehr krank sogar. Oft scheint es keinen Ausweg mehr zu geben und es fehlt nur noch ein winziger Schritt, der mitten in eine Depression führt. Prokrastination ist nicht harmlos und erst recht nicht lustig.

Wie komme ich aus dieser Sache nur heraus?

Wenn du das liest und dich noch nicht in solch einer Lage befunden hast, sei froh. Wahrscheinlich hast du ein gutes Stress- und Zeit-Management und eine gute Balance aus Studienstress und Freizeit. Bitte behalte dir im Hinterkopf, dass du die guten Angewohnheiten pflegen solltest. Es ist wie bei allen Krankheiten, Vorbeugen ist besser als Heilen. Mache Pausen, überfordere dich nicht. Miss dich nicht allein an deinen Leistungen und sei nett zu dir selbst. Solltest du dich jedoch schon beim Prokrastinieren erwischt haben oder gar schon tief im Schlamassel stecken, brauchst du eine gute Strategie, um dich am eigenen Schopf wieder hinauszuziehen. Auch, wenn die Lage ausweglos erscheint: Sie ist es nicht. Vor allem mache dir keine Vorwürfe. Aufschieberitis sagt nichts über deinen Charakter aus, sondern hat ihre Wurzel wahrscheinlich ganz tief in der Psyche. Oft spielen Versagensängste und Traumata eine Rolle, die Betroffenen gar nicht bewusst sind. Hast du eine Vertrauensperson? Das wäre ideal, denn das Aussprechen eines Problems kann manchmal schon den Anstoß zur Heilung geben. Sage ihm oder ihr, das du diese gewissen Pflichten gerade immer wieder aufschiebst und dein Studium in Gefahr sein könnte. Die meisten Freunde werden vielleicht kurz lachen, aber dann den Ernst der Lage begreifen. Bitte, wenn es geht, offensiv um Hilfe. Echte Freunde werden dir diese nicht abschlagen.

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Prokrastination ist heilbar

Das Absurde und auch das Grausame am Prokrastinieren ist oftmals, dass die Betroffenen alles bei vollem Bewusstsein und bei vollem Verstand mitbekommen. Die Arbeit, die aufgeschoben wird, ist meist noch nicht einmal besonders schwierig. Man weiß genau, dass alles in einem überschaubaren Zeitraum zu bewältigen wäre. Sobald man aber kurz davor ist, diese kleine Hürde zu nehmen, setzt eine Art Lähmung oder Blockade ein. Dieses Gefühl wird als Niederlage oder sogar als Demütigung empfunden. Selbstvorwürfe sind dann die Reaktion, aber genau diese machen die Sache nur noch schlimmer. Manchmal gelingt es, den Gedanken an daran zu verdrängen, aber es stellt sich dieses permanent ungute Gefühl ein. „Du müsstest ja eigentlich…“. Wenn du Glück hast, kannst du dich in einer solchen Lage selbst austricksen. Stelle dir einen Wecker und überwinde dich zunächst, ein paar Minuten durchzuhalten. Belohne dich und lobe dich. Vor allem, lasse die Vorwürfe an dich selbst sein. Behandle dich selbst so, wie du auch einen Kranken oder ein Kind behandeln würdest. In Etappen kannst du dein Ziel vielleicht erreichen und dich von der Prokrastination heilen.

Schwerer Fall? Es gibt immer Wege

Wenn sich der innere Schweinehund nicht auf die sanfte Tour besiegen lässt, solltest du dir einen Profi an die Seite holen. Eine psychologisch geschulte Fachkraft wird mit dir gemeinsam herausfinden, wo der Ursprung deiner Krankheit sitzt und das Thema mit dir gemeinsam auflösen. Eine Therapie, eventuell gepaart mit einer generellen Studien-Pause, kann der goldrichtige Weg sein. Du wirst Entspannungstechniken lernen und dich hinterher besser kennen. Somit gerätst du auch im späteren Leben nicht so schnell an deine Grenzen und schützt dich vor Burnout und weiteren Prokrastinations-Episoden. Denk immer daran, die Zukunftsprognose ist und bleibt gut und dieses Kapitel wird eines Tages der Vergangenheit angehören.

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