Formel 1 Griechenland

Milliarden um Milliarden Euros gingen aus der Euro-Kasse  in Richtung Griechenland um den Staatsbankrott des Landes zu verhindern. Die EU-Kommissare mussten mit Engelszungen auf die griechische Regierung einreden um diese von den notwendigen Sparkursen zu überzeugen. Und was machen die Griechen jetzt?

In Patras soll für 95 Millionen Euro eine Rennstrecke für die Formel 1 entstehen.

Anzeige

Wenn man das liest und nebenbei weiß wie es um die Wirtschaft in Griechenland steht klingt diese Meldung wie ein verspäteter Aprilscherz. Den Staatsbankrott mit Hilfe von Milliarden gerade noch abgewendet und jetzt setzt die Regierung von Griechenland auf Fun und Spaß? Dieses Land lernt offenbar wirklich nicht dazu, soviel „Dummheit“ auf einem Haufen kann es eigentlich nicht geben.

Die griechische Regierung spricht von einer Stimulierung der Wirtschaft und will so neue Arbeitsplätze schaffen, dass ein solches Vorhaben aber auch ganz schnell nach hinten losgehen kann und in der momentanen Lage des Landes nicht mal angedacht werden sollte übersehen die Griechen wohl komplett. Oder ignorieren sie diese Tatsachen bewusst nach dem Motto – „die EU hilft dann wieder mit einem neuen Rettungsschirm…..“?

Brüssel will das Projekt Patras genau beobachten was die Planung und Entwicklung betrifft.

Formel 1 Griechenland

Patras baut, der Nürburgring ging pleite

Vor gar nicht langer Zeit ging der Nürburgring pleite, da sich die EU geweigert hatte Geld nachzuschießen um die Insolvenz abzuwenden. Und in Griechenland baut man jetzt mit Geldern der EU eine neue Rennstrecke mit allem Drum und Dran? Hier bin ich an einem Punkt angelangt wo ich mir ganz ernsthaft die Frage stellen muss wo nun die inkompetenteren Politiker sitzen, in Athen oder Brüssel.

Ob der Kostenvoranschlag von 95 Millionen Euro letztlich wirklich stimmt bleibt mal dahingestellt, es wäre nicht der erste der zum Ende hin immer wieder erhöht werden müsste. Hoffentlich wurde diese Rechnung nicht von griechischen Finanzexperten gemacht, die mit Zahlen bekanntlich nicht wirklich gut umgehen können.

Hat Griechenland denn absolut keine anderen Brennpunkte bei denen man mit 95 Millionen „mehr und besseres anstellen“ könnte? Auch wenn der griechische Staat „nur“ 29 Millionen selbst trägt und freigibt – die eigentlich eingefroren sind –  und der Rest von anderen Investoren beigesteuert wird bleibt die Formel 1 in Patras  eine wahnwitzige Idee eines Landes das genau genommen sehr kleine Brötchen backen sollte anstatt hier große Töne zu spucken.

Die Formel 1 als neuen Wirtschaftsmotor zu sehen… da braucht man schon mehr als nur eine rosarote Brille. Insgesamt betrachtet ist alleine das Vorhaben eine Rennstrecke zu bauen ein Schlag ins Gesicht aller Länder die an den Rettungsschirmen beteiligt waren. Die Durchführung des Projekts wäre ein noch größerer Skandal als der Rettungsschirm an sich selbst.

Anzeige

Und die Troika schaut zu und schweigt – wer bei dem ganzen Unternehmen die größere Lachnummer ist überlasse ich Euch selbst zur Entscheidung. Papier ist eben sehr geduldig und wenn es wieder brennt haben die Griechen ja die Telefonnummer der Rettungsschirmzentrale in Brüssel…. die machen das dann schon wieder gut!

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

*** Bildquelle: Wenn nicht anders angegeben, eigene Aufnahmen oder Bilder von Pixabay bzw. Pexels. ***
5 Kommentare
  1. WolWa sagte:

    Nicht zu fassen, mehr fällt mir i.M. nicht dazu ein. Und wir finanzieren solche Flops noch mit…! Wer von den Griechen wird sich in den nächsten Jahren eine Eintrittskarte für den Formel 1 Zirkus leisten können?

    Antworten
    • Thomas sagte:

      @WolWa: Zu einem Flop wird sich das auch entwickeln, Patras ist nicht Monaco, auch wenn man das in Athen gerne hätte.

      @Sascha: Die großen Details sind zwar noch nicht ans Tageslicht gekommen, dass aber in der F1 nicht alles nur aus Gold ist dürfte längst kein Geheimnis mehr sein. Etablierte Rennorte haben auch zu kämpfen, Neueinsteiger dürften es nicht leichter haben.

      @Lordy: Und genau diesen Nürburgring ließ u.a. die EU „absaufen“ schaut aber zu, wie das Schuldenland Nummer 1 solche Ideen verwirklichen will – für mich nicht nachvollziehbar. Wie Du schreibst, für Baufirmen wäre es ein kurzes Hoch und dann ist es wieder vorbei. Ein Langzeit-Aufwärtstrend sieht anders aus.

      Antworten
  2. Sascha sagte:

    Ich habe zunächst auch nur mit dem Kopf schütteln können. Andererseits darf man die damit verbundenen Einnahmen tatsächlich nicht einfach außer Acht lassen. Immer unter der Voraussetzung, dass dort tatsächlich Rennen stattfinden würden, kann sich die Sache durchaus rechnen. Der durchschnittliche Grieche wird sich Eintrittskarten zu solchen Events wahrscheinlich eher selten leisten können, aber der dürfte auch kaum die Zielgruppe sein. Vielmehr ziehen solche Events (neben der F1 gibt es ja noch weitere Motorsport-Gruppen, die solche Strecken nutzen können) immer viele Zuschauer aus dem Ausland an. Das kurbelt die Tourismus-Branche an, die Hotels und Gaststätten freuen sich etc. Da rollt zum einen kräftig der Rubel, zum anderen kann es in den angesprochenen Bereichen Arbeitsplätze bringen. Weniger Arbeitslose wiederum entlasten die öffentlichen Kassen ebenfalls, was man gleichfalls gegenrechnen muss.

    Ich kenne die genauen Details nicht, insofern kann ich da kein abschließendes Urteil zu fällen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass eine Wirtschaftlichkeitsberechnung bei Berechnung sämtlicher Ausgaben und Einnahmen über einen Zeitraum X schon dazu führen kann, dass sich das Ding für 29 Mio. Euro im Endeffekt rechnet / lohnt und mehr Geld bringt als die 29 Mio., die man nun investiert. In dem Fall könnte ich da schon Verständnis für aufbringen, denn um langfristig aus den Schulden zu kommen, reicht es für einen Staat in der Regel nicht, „nur“ zu sparen, sondern da muss auch intelligent investiert werden.

    Ob das in dem Fall „intelligent“ ist, hängt allerdings auch sehr davon ab, ob es überhaupt schon Verhandlungen mit der F1 oder anderen zugkräftigen Motorsport-Veranstaltern gibt. Denn die Strecke wird sich wohl nur dann rechnen, wenn sie auch genutzt wird. Logisch :D Da würde mich mal interessieren, wie da so der Stand der Dinge ist. Davon allerdings liest man leider derzeit nirgendwo.

    Antworten
  3. Lordy sagte:

    Rennstrecken zahlen sich nicht aus. Ein Formel 1-Rennen auf den deutschen Strecken kostet die Betreiber in der Regel mehr, als sie einnehmen. Nicht umsonst haben wir die großen Probleme mit dem Nürburgring.

    Geld mit der Formel 1 und anderen Rennklassen zu verdienen ist zwar durchaus ein interessanter Ansatz, aber in der Regel funktioniert das nicht. Die Strecke muss 365 Tage unterhalten werden. Die Formel 1 ist ganze 5 Tage vor Ort. Andere Rennklassen werden zwar sicher auch bedient, aber da wird dann auch kaum großes Medieninteresse vorhanden sein.

    Es ist sicher richtig zu investieren, aber in eine Rennstrecke sollte das Geld nicht fließen. Meine Meinung. Auch wenn es sicherlich Baufirmen etc. kurz über Wasser hält. Das ginge aber auch mit anderen Projekten.

    Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, dass da 95 Millionen Euro reichen. Nur mal so.

    Dennoch gönne ich den Griechen neben dem Sparkurs auch ein wenig was. Wenn wir hier in Deutschland solche Reformen durchsetzen müssten – von heute auf morgen – würde das hier auch alles anders aussehen. Dann würde auch hier der Baum brennen. Zumindest bis um 20:15 das Abendprogramm im TV beginnt.

    Antworten
  4. Sascha sagte:

    Stimmt natürlich, dass die F1 inzwischen keine reine Goldgrube (mehr) ist. Muss es aber vielleicht auch gar nicht sein. So wie ich das bislang verstanden habe (wie gesagt, Detail-Infos liegen mir nicht vor) muss sich der reine Betrieb der Strecke für den Staat ja gar nicht lohnen – das Risiko tragen wohl die Investoren, die den Laden letztlich auch in privater Hand unterhalten. Für den Staat Griechenland und seine Kasse kommt es eigentlich nur darauf an, dass durch zusätzliche Touristen Kohle in die Wirtschaft (Tourismus-Branche, Hotels, Restaurants etc.) kommt und ggfl Arbeitslosigkeit abgebaut oder verhindert wird. Wenn man damit 29 Mio. spart / einnimmt, hätte sich der „Spaß“ für Griechenland schon gelohnt; nach einigen wenigen Jahren könnte sich das aus der Sicht bereits rentiert haben. Das übrige Risiko scheinen mir die Investoren zu tragen, die später nur durch Eintritt-Einnahmen profitieren können, während der Staat auf ganz anderen Ebenen gewinnt.

    Letztlich bleibt aber natürlich -da kann ich nicht widersprechen- das Risiko, dass überhaupt erst einmal entsprechende Rennen nach Griechenland kommen müssten. Da hab ich allerdings keine Ahnung, wie wahrscheinlich so etwas ist. Da interessiere ich mich einfach viel zu wenig für den Motorsport-Zirkus.

    Insgesamt wäre es vielleicht risikoärmer, das Geld in die Bildung zu stecken. Mit 29 Mio. könnte man da sicherlich das ein oder andere bewegen. Und ohne gut ausgebildeten Nachwuchs (das wird man auch bei uns in Zukunft noch bitter lernen müssen) hat man als Staat heutzutage einfach keine Zukunft mehr. Das Problem ist nur, dass Bildungsinvestitionen heute sich erst in vielen Jahren bemerkbar machen… und in solchen Zeitspannen denkt eben kaum ein Politiker, da er dann schon längst nicht mehr an der Macht ist.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst Dich informieren lassen wenn es Folgekommentare gibt. Du kannst aber auch abonnieren ohne zu kommentieren.