Versandapotheken sind vielen „herkömmlichen Apotheken um’s Eck“ schon länger ein Dorn im Auge. Die Onlinekonkurrenz schnappt sich mit der Gewährung von Bonis immer mehr Kunden. Gesundheitsminister Jens Spahn will dies nun stärker regulieren und Anbieter die beispielsweise DocMorris „dazu zwingen“ sich an die Preisbindung Deutschlands zu halten. Dass DocMorris ein niederländisches und somit europäisches Unternehmen ist dürfte dem Herrn Gesundheitsminister wohl entgangen sein. Vor dem europäischen Gerichtshof, wo dieser Fall nun landen wird dürfte Spahn keinen Erfolg haben, nimmt man die PKW-Maut als Beispiel. Dort wollte Verkehrsminister Scheuer vermeintlich deutsches Recht einfach dem Rest Europas aufzwingen. Er scheiterte bekanntlich. Abgesehen davon hatte der EuGH 2016 DocMorris bereits erlaubt Bonis für EU-Kunden zu gewähren.

Ob und wenn ja welchen Boni Herr Spahn von den Apothekern zu erwarten hätte würde er erfolgreich vor den EuGH ziehen weiß ich nicht. Spielt auch letztlich keine Rolle. Die liebsten Politiker sind mir immer diejenigen, welche auf der einen Seite groß einen auf Europa machen und auf der anderen Seite dabei die deutschen Gepflogenheiten zum Grundsatz für alle anderen erklären möchten. Ähm Herr Spahn, hier sollten Sie dringend Ihre Hausaufgaben noch einmal überarbeiten.

Die Begründungen die gegen Versandapotheken ins Feld geschickt werden sind jedenfalls so hanebüchen wie auch schlichtweg falsch.

Keine Patientenberatung bei Onlineapotheken

Das ist die wohl am häufigsten verwendete Begründung die man zu hören kommt wenn es um Onlineapotheken geht. Um nun bei Beispiel DocMorris zu bleiben, das niederländische Unternehmen bietet die beste mir bekannte Patientenberatung, nicht zuletzt deswegen, weil DocMorris meine komplette Medikation kennt und deswegen auch auf eventuelle Wechselwirkungen hinweisen kann. Dies bekam ich von der Apotheke vor Ort nie geboten. Dort ist man inzwischen schon zu bequem dazu einen Aufkleber mit dem Einnahmehinweis auf die Packung zu kleben. Auch dies würde meines Erachtens zu einer guten Kundenbetreuung bzw. Patientenbetreuung dazu gehören.

Aber auch davon hört man immer wieder einmal, dass die dort verkauften Medikamente nicht „rein“ sein sollen, die Wirkstoffe geringer sind und auch allgemein die Verträglichkeiten seien nicht so wie man sich das als Patient wünscht. Auch hier ganz klar – alles völliger Humbug. Das sind die exakt gleichen Medikamente – bezogen auf ihren Wirkstoff – die ich hier vor Ort auch bekommen würde. Und auf nichts anderes als den Wirkstoff kommt es doch an, wenn man mal ehrlich zu sich selbst ist.

Onlineapotheken nicht nur zur Einlösung von Rezepten bevorzugen

Selbst mal angenommen Spahn’s fixe Idee von der Preisbindung über die deutschen Grenzen hinweg fiele auf fruchtbaren Boden. Es sind nicht nur die eventuellen Bonis die ich als Kunde bei den Versandapotheken bekomme. Auch die Preis für nicht rezeptpflichtige Artikel jeglicher Art sind um ein Vielfaches günstiger. Ohne jetzt einen Markennamen zu nennen ein Beispiel zu einer guten Heilsalbe. Dort kostet mich die 25-Gramm-Tube in der örtlichen Apotheke nur wenige Cent weniger, als das was ich bei der „Online-Konkurrenz“ für die 100-Gramm-Tube bezahle. Das sind schon Unterschiede bei denen man nicht mehr nur von Peanuts sprechen kann. Egal wie man generell zu dem Thema eingestellt sein mag. Und solche Preisbeispiele könnte ich nahezu unendlich fortführen.

Der vielleicht nette Plausch an der Ladentheke mit dem Herrn Apotheker oder auch die Begründung, „da gehe ich doch schon immer hin….“ mögen für den einen oder anderen zur Entscheidungsfindung beitragend sein, jeder wie er meint. Spätestens dort wo es an den eigenen Geldbeutel geht hört der Spaß bekanntlich auf. Und ich denke dass dies nicht nur bei mir der Fall sein wird. In diesem Sinne – immer schön gesund bleiben.