Und alles nur weil es bei der Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen drunter und drüber ging. CDU, SPD und FDP schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Auf in die nächste Runde des politischen Zerfleischungsprozesses bei den internen Personalien. Der FDP-Boss Lindner zunächst noch positiv redend über die Wahl des Ministerpräsidenten mit Verweis auf „die darin liegende Chance“. Einen Tag später dann die Kehrtwende um 180 Grad – alles wird verurteilt und verteufelt. Es gibt wohl kaum jemand der dieses Hick-Hack seit rund 1 Woche nicht mitbekommen hat. Unter dem Strich zusammengefasst könnte man auch darüber schreiben, die politische Landschaft Deutschlands gönnt sich auf ganzer Linie die pure Blöße.

Ohne diese unsägliche Diskussionen und den damit aufgewirbelten Staub wäre der sinngemäße Satz

Teile meiner Partei haben für Adolf Hitler und sein Ermächtigungsgesetz gestimmt.

dem Wirtschaftsminister mangels Gelegenheit wohl nicht über die Lippen gekommen. In der gestrigen Sendung von Anne Will „nutzte er die Gunst der Stunde“ und ließ seinen fundierten geschichtlichen Kenntnissen freien Lauf.

Man kann wirklich nur über die Aussage von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mutmaßen ob es an der stetigen wiederkehrenden These „Gegen das Vergessen“ liegt, dass im dieser doch merkwürdig anmutende Vergleich über die Lippen kam. Vielleicht ist Deutschland tatsächlich gespalten, wie Altmaier vor etwa 2 ½ Jahren noch bestritt. Gespalten in zwei Gruppen – eben in jene die sich geschichtlich auskennen und jene die über die Vorgänge von vor 87 Jahren nur glauben zu wissen was genau gewesen ist. Für den Wirtschaftsminister würde ich sogar eine dritte Gruppe eröffnen, die Gruppe derer die besser den Mund halten sollten was die Geschichte unseres Landes betrifft.

BuchFür die Zukunft sollte man sich – nicht nur bei der CDU – vielleicht hinter die Ohren schreiben, dass es ganz schnell nach hinten losgehen kann, wenn man mit allen nur erdenklichen Mitteln „gegen andere“ vorgehen will und dann Dinge zitiert oder benennt, die es so gar nie gegeben hatte. Als nächste Station seiner politischen Karriere würde ich Herrn Altmaier vielleicht das Bildungsministerium vorschlagen. Dieser Ministerposten ist mindestens genauso gut dotiert sodass ihm kein noch so kleiner finanzieller Schaden entstünde und es bietet die Möglichkeit sich geschichtspolitisch ggf. etwas fortzubilden.

Spannend bleibt es, ab wann sich unsere Volksvertreter wieder um ihre eigentliche Arbeit kümmern und nicht überwiegend nur um interne Probleme. Die Hoffnung darauf habe ich eigentlich schon aufgegeben.