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Wie aus einer Brustwirbelblockade ein Herzinfarkt wurde

Bei so manchem Mediziner frage ich mich schon ernsthaft, ob er seinen Job wirklich nur deswegen ausübt um seine Kasse zu füllen oder vielleicht auch ein klein wenig im Studium aufgepasst hat.

Dies soll jetzt keine Kritik an Medizinern im allgemeinen werden. In jeder Berufssparte gibt es „solche und solche“. Dass dieser Bericht aber durchaus seine Berechtigung hat werdet ihr spätestens am Ende des Artikels bemerken. Ich möchte damit nichts anderes erreichen als Patienten zu sensibilisieren wenn es um Diagnosen geht. Nicht immer geht sowas nämlich glimpflich aus.

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Nun aber zur Fallschilderung.

Bei meiner Frau stellten sich langsam und schleichend Schmerzen am Brustbein ein die in den Rücken ausstrahlten. Dabei gab es immer wieder Phasen in denen alles in Ordnung war oder auch nur Rückenschmerzen vorhanden waren. Das Spielchen ging über 2 Tage. An einem Mittwochnachmittag – bekanntlich haben da die Arztpraxen geschlossen – ging es in die nächste Runde. Die Schmerzen traten wieder auf. Es blieb nichts anderes als den ärztlichen Notdienst zu bemühen.

Innerhalb von knapp 2 Stunden kam auch eine Ärztin zum Hausbesuch und wurde mit entsprechenden Informationen versorgt.

Schnelldiagnose ohne Untersuchung

Mit den ihr zur Verfügung gestellten Infos traf Frau Doktor binnen weniger Sekunden ihre Diagnose ohne auch nur irgendwelche Untersuchungen gemacht zu haben. Einzigst an der Wirbelsäule tastete sie ein wenig herum.

Sie haben eine Brustwirbelblockierung. Diese wiederum verursacht diesen Druck auf das Brustbein. Der Wirbel muss eingerenkt werden. Heiße Bäder helfen dabei auch sehr gut.

Blutdruckmessen, Pulsfühlen oder Abhören… alles Fehlanzeige. Frau Doktor gab den Tipp einen Orthopäden aufzusuchen, füllte noch ein Rezept mit einem „milden“ Schmerzmittel aus und das war es schon. Wir sagten der Ärztin noch, dass wir froh sind das es nichts Schlimmeres ist und „nur“ der Brustwirbel. Das nickte sie wohlwollend ab. Das wars mit dem Hausbesuch auch schon gewesen.

Vom Betreten der Wohnung bis zum Verlassen vergingen gerade mal 5 Minuten. Und das ist wirklich nicht übertrieben dargestellt.

Das Rezept sofort besorgt und Medikament eingenommen besserte sich der Zustand auch wieder, verschwand in kurzer Zeit komplett. Doch der dicke Hammer kam noch… 1 Woche später.

Wie es immer so ist braucht man einen Arzt immer wenn Wochenende oder Feiertag ist. Diesmal war es der 1. Mai. Gegen Mittag traten die gleichen Schmerzen wie vor einer Woche erneut auf. Diesmal nur in ihrer Intensität erheblich schlimmer. Ein heißes Bad nütze nichts, das Medikament ebenfalls nicht. Mir blieb letztlich kein anderer Weg als der ins Krankenhaus. Dorthin bin ich mit meiner Frau auch dann gefahren.

Diagnose: Akuter Herzinfarkt

Dort stellte ich meine Frau mit der Diagnose der damaligen Ärztin vor, Brustwirbelblockade. Und an dieser Stelle muss man dem Personal in der Notaufnahme des UKE ein großes Lob aussprechen. Sie verwarfen die Brustwirbelgeschichte sofort und machten ein EKG. Dann stand es fest – meine Frau hatte einen akuten Herzinfarkt.

Was dann kam war ein sofortiger Eingriff am verschlossenen Gefäß (Stent setzen) und Intensivstation. Nach 1 Woche konnte meine Frau die Klinik wieder verlassen, hat aber jetzt mit den Folgen eines Herzinfarktes zu leben. Heute wissen wir, der Vorfall eine Woche zuvor war bereits auch ein Herzinfarkt. „Lediglich“ war zu dem Zeitpunkt ein kleines Gefäß betroffen, deswegen auch die vermeintliche Besserung im Anschluss.

Fazit

Nochmals einen ärztlichen Notdienst zu rufen kommt nicht mehr in Frage – egal um was es geht. Der erste und einzig vernünftige Weg ist definitiv das Krankenhaus. Inzwischen geht es ihr den Umständen entsprechend wieder gut, man muss halt die Lebensumstände etwas anpassen – daran führt leider kein Weg vorbei.

Hanebüchen an der ganzen Sache, für diese „Glanzleistung“ bekommt diese Ärztin auch noch Geld von der Krankenkasse. Ich mache aber keinen Hehl daraus, dass dieser Fall inzwischen bei der Ärztekammer liegt. Denn so fahrlässig mit dem Leben von Patienten zu spielen geht aus meiner Sicht gar nicht.

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Ich werde sicherlich weiter darüber berichten.

Über Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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20 Kommentare

  1. Schon krass so etwas… Ich kenne solche Geschichten auch aus dem Familienkreis und da fragt man sich manchmal wirklich, ob da immer mit der erforderlichen Sorgfalt gearbeitet wird.

    Ich wünsche auf jeden Fall gute Genesung…

    • Ich möchte die Dunkelziffer solcher und ähnlicher Fehldiagnosen nicht wissen, sie ist bestimmt alles andere als klein. Bewusst wird einem das immer erst dann, wenn man direkt involviert ist. Danke für Deine Genesungswünsche ;-) .

  2. Mein Vater ist 2009 an einer vermeintlichen „Schweinegripe“ gestorben, die aber leider ein Hinterwandinfarkt war…

    • @Angela: Das tut mir leid für Dich, zeigt aber wie oft tatsächlich falsch diagnostiziert wird.

      @Stephan:

      Wobei das natürlich nicht heißt, dass man so ggf. auch direkt einen akuten Herzinfarkt diagnostizieren könnte.

      Das vielleicht nicht zu 100%, aber es könnte sich ein Verdacht zeigen der weitere Maßnahmen erfordert. Aus einer Herzerkrankung eine Brustwirbelblockade zu machen und ggf. zum Orthopäden schicken ist allerdings schon krass daneben. Abgesehen davon bekommst Du bei Orthopäden nicht sofort einen Termin – das ist auch bekannt. Es ging nochmals gut, zum Glück. Derartige Fehlgriffe können aber auch einen ganz anderen Ausgang nehmen obwohl er hätte verhindert werden können.

  3. Diese „Untersuchung“ ist schon sehr, sehr oberflächlich gewesen. Wenn man überhaupt von Untersuchung sprechen kann. Selbst bei einem „normalen“ Arztbesuch wegen z. B. einer schwereren Erkältung werden zumindest bei meinem Arzt die „Basistests“ (Abhören etc.) vorgenommen. Wobei das natürlich nicht heißt, dass man so ggf. auch direkt einen akuten Herzinfarkt diagnostizieren könnte.

  4. Autsch! Bin froh, dass nichts schlimmeres passiert ist. Ja, man hört und liest ja auch immer wieder von der 2. Meinung die man sich einnehmen sollte.
    Drücke deiner Frau jedenfalls alle Daumen.
    Und gerade diese Woche schreibst du einen Artikel, wo ich seit 5 Tagen ein Stechen hinten auf der linken Seite des Rückens habe.
    Da es am ersten Tag auch nach vorne durchstrahlte, dachte auch ich schon an das Herz. Da ich aber die Woche schon 2x laufen war und absolut keine Probleme hatte und ich auch beim Strecken/Dehnen und verschiedenen Bewegungen merke, dass es muskulär sein muss, bin ich schon etwas beruhigt. Aber solche Geschichten wie bei Euch, braucht man echt nichts! :(
    ALLES GUTE!!!

    • @Alex: Danke!

      2. Meinung ist schon richtig. Aber wie gesagt, Mittwochnachmittag kannste hier nichts einholen, hat ja jeder geschlossen. Und nachdem die Medizin wirkte und zur Erklärung der Ärztin passte….! Man ist ja selbst auch nicht der Ärztgänger schlechthin wenn es nicht unbedingt sein muss. Und wegen Deiner „Beschwerden“…. meine Frau hatte auch alles gemacht, Treppensteigen, Einkaufen und das alles ohne Probleme. Muss also nichts heißen, ohne Dir hier jetzt Angst machen zu wollen ;-) .

      @Marcus: Es war ja nichts die Brust direkt, es war unterhalb des Brustbeins, fast schon in Richtung Magen gehend. Herzhöhe selbst wäre ja erheblich eindeutiger gewesen. Heute weiß ich das auch, dass die Brustwirbelgeschichte geqirlte Sch…. war. Wir vertrauten einfach einer Person die das studiert hat und so aus meiner Sicht wissen MUSS!

      Bei nächsten Mal – egal was das sein mag – wenn Feiertag ist und Probleme sind wähle ich die 112. Mir doch egal was das der Kasse kostet. Arztabrechnungen wie diese kosten insgesamt bei der Vielzhal erheblich mehr als ein „echter Notruf“. Nur das Problem ist, solche Ärzte werden nicht aus dem Verkehr gezogen. Das wäre nämlich das einzig richtige meiner Auffassung nach. Danke auch für Deine Genesungswünsche ;-) .

  5. Ich finde das Verhalten der ‚Ärztin‘ auch schon sehr krass.

    Aber ohne die jetzt irgendwie in Schutz nehmen zu wollen, stellt sich mir andererseits auch die die Frage, ob man gerade bei (wiederholten) Schmerzen in der Brust und erst recht bei solch einer Kurzberatung – anders kann man das jetzt nicht nennen – es nur bei einer ärztlichen Meinung belassen darf oder nicht zumindest am nächsten Tag den Hausarzt aufsuchen müsste.

    Zumal ich jetzt bei meinen Recherchen im Netz bezüglich blockierter Brustwirbel nicht wirklich einen Hinweis gefunden habe, das die Beschwerden dann in den Rücken ausstrahlen.

    Aber es scheint ja trotzdem noch einigermaßen glimplich ausgegangen zu sein. Gute Besserung an Deine bessere Hälfte!

  6. Hmm, danke für deine beruhigenden Worte! :D
    Dann schiebe ich es einfach mal aufs Alter, dass ich nicht im Risikobereich liegen sollte und da ich dieses Jahr schon ein Belastungs-EKG und ein Herz-MRT hatte, dort alles positiv verlief, denke ich dann doch eher, dass es die Muskulatur ist. (Wobei auch das Herz ein Muskel ist! :D )

  7. Hammer hart, aber leider sind auch die Notaufnahmen von Krankenhäusern an Feiertagen und auch Nachts häufig mit Deppen besetzt.

    • @Diana: Davor ist man natürlich auch nicht zu 100% sicher, hängt aber auch von der Klinik ab. Eine „Bauernklinik“ ist da sicherlich eher betroffen als große Kliniken.

  8. Ohje…
    Das ist vermutlich ein allgemeines Problem bei Notfallpraxen und -ärzten. Meine Frau hatte vor einiger Zeit immer mal wieder leichte Schmerzen im Arm, das wurde dann (natürlich) an einem Samstag oder Sonntag so stark, dass sie zum Arzt musste. Also ab ins Auto und zum ärztlichen Notdienst in Braunschweig, Gebühr bezahlt, nach kurzem Warten zum Arzt rein.
    Der ließ sich die Symptome kurz schildern, drückte dann (durch die Jacke!) einmal kurz an der Schulter herum und diagnostizierte einen Muskelkater (haben sie über Kopf gearbeitet?) und gab ihr ein paar Aspirin mit. Behandlungsdauer <5 Minuten.

    Nachdem die Schmerzen aber nicht weg gingen und der Hausarzt sie wegen Ratlosigkeit an einen Orthopäden und dieser sie ans MRT überwies, wissen wir nun, dass es ein chronisch entzündeter und eingeklemmter Nerv im Schultergelenk ist und eigentlich über Kurz oder Lang ein Stück des Knochens weggesägt werden müsste. Das sei aber ganz normal und komme sehr oft vor, nichts besonderes oder unbekanntes also.

    • @Wemaflo: Willkommen bei Nicht spurlos. Ich halte es für ein bundesweites und nicht ein regionales Problem. Leider geht es eben immer zu Lasten der hilfesuchenden Patienten – manchmal glimpflicher und manchmal auch mit schlimmen Folgeschäden oder sogar dem Tod. Von einem Arzt erwartet man, dass er seinen „Job“ ernst nimmt, das Gegenteil ist öfter mal der Fall. Es kann eigentlich nicht angehen, dass es dem Zufall überlassen bleibt ob man einen „guten oder schlechten Arzt“ erwischt wenn man ihn braucht.

      Sicher gibt es Krankheitsbilder die man auf die Schnelle nicht erkennen kann, die verstecktere Ursachen haben. Ärzte sind auch nur Menschen. Doch gerade bei Beschwerden die häufig vorkommen erwarte ich mehr Präzision. Siehe Dein Beispiel!

      @Andi: Danke für den Genesungswunsch. Anscheinend ist es im Ausland auch nicht immer besser, war mir aber auch irgendwo klar. Die Sache mit dem übereilten Antibiotikum ist sowieso ganz speziell, denn wenn man es wirklich mal braucht greift es nicht mehr. Etwas, das gerade Ärzte wissen sollten – Betonung auf sollten!

  9. Erstmal gute Besserung aus der weiten Ferne und ich hoffe sie erholt sich wieder völlig!
    Hier bei uns in Riad ist es auch so, dass man sich nie so sicher sein kann an wen man geraten ist. Entweder man hat das Gefühl es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen und man bekommt für jeden kleinen Ferz ein Antibiotikum und das andere Extrem gibt es leider auch.

  10. Ich hatte das gleiche Problem (vermutete Herzinfakt),habe mich von einem Bekannten in Krankenhaus fahren lassen.Nach dem EKG und einer Blutannahme mußte ich 1 Std. im Partientenraum verweilen um auf die Laboruntersuchung zu warten.Diagnose Wirbelsäulenblockade. Keine Behandlung denn ich wurde zum Orthopäden geschickt.Eine Beseitigung der Blockade durch einem Physioterapeuten wäre in der Klinik möglich gewesen.Auch das passiert in einem Krankenhausb !!!!!!!11

  11. Achjee, das lese ich ja heute erst :(
    Na zum Glück ist nochmal alles gut gegangen. Gute Besserung an deine Frau und eine gute Eingewöhnung an die ganzen tollen Tabletten :/

    Mein Mann ist 2006 eine Woche mit seinem Herzinfarkt herum gelaufen. War drei mal beim Hausarzt … Ultraschall, Blut abgenommen, Medikamente bekommen (gegen Schmerzen und irgendwelche Viren).
    Er hatte Glück das er dann doch noch rechtzeitig -selbst- in die Klinik nach Heidelberg (90km) gefahren ist ;)

  12. @Antje: Inzwischen ist die Reha absolviert. Nächste Woche noch eine Stent-Einsetzung und dann beginnt die eigentliche Erholung. Es geht schon besser, aber so wie vorher wird es wohl nicht mehr, das ist uns allen klar.

    Die Tablettenvielfalt ist wahrlich grandios. Aber was sein muss…. hilft ja nichts.

    Was mich bei Deinem Mann wundert, bei Männern soll ein Herzinfarkt erheblich leichter zu diagnostizieren sein als bei Frauen. Anscheinend ist das auch nur Wunschdenken. Mann, mann die Ärzte – besser man begegnet ihnen so wenig wie möglich!

  13. Aber auch im Krankenhaus kann man pech haben.
    Mein Herzinfarkt wurde im Krankenhaus trotz gründlicher Untersuchung übersehen und mich mit schmerzstillenen Tabletten nach Hause geschickt.Ich war nur zufällig am nächsten Tag wieder dort und da hat man sich dann am mich erinnert und sich ebenfalls daran erinnert, das man am Vortag etas übersehen hat. Waren auch noch stolz drauf

  14. Lange hat es gedauert – jetzt gibt es meinen nächsten Bericht zu dieser Angelegenheit. http://www.nicht-spurlos.de/machen-schlichtungsstellen-sinn/111297/

  15. Anderswo läuft der ärztliche Notdienst nicht besser- jedoch war man bei mir bereits am telefon daran interessiert einen Herzinfarkt auszuschließen. Ärzte mit EKG gab es keine, also schickte man einen Rettungswagen, dessen Sanitäter ein EKG machten, wodurch es mir natürlich nicht besser ging. Deshalb fuhr ich dann mit denen ins Krankenhaus, habe mich selbst im Wagen nochmal übergeben und in der Notaufnahme prüfte man dennoch erneut auf Herzinfarkt und nahm mir blut ab. Ich bekam Medikamente und nach einer halben stunde fragte man ob es mir besser ginge, was nicht der fall war. Also rief man eine orthopädin die verspannungen im Rücken diagnostizierte und kurz darauf setzte man mich wieder vor dir Tür. Warum man sich aufgrund Rückenproblemen übergibt konnte mir keiner erklären. Einige Tage wagte ich es erneut zum Arzt zu gehen, und kurz darauf wurde mir dann die Gallenblase entnommen…..

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