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Über eBay kann man denken wie man möchte – die einen lieben es, wiederum andere verteufeln das Portal inzwischen. Ich selbst bin inzwischen schon mehr als 12 Jahre dort „tätig“. Und ja, es gibt diverse Alternativen zum Auktionsriesen, doch diese sind was die Angebotsvielfalt betrifft auch nicht annähernd so gut sortiert wie „drei… zwei… eins… meins“. eBay ist sicher nicht konkurrenzlos, doch tun sich die Alternativseiten in jeder Hinsicht schwer wirklichen Druck aufzubauen.

Wenn ich auf eBay etwas verkaufe tue ich dies je nach Artikel nur innerhalb Deutschlands. Der Versand ins Ausland ist oftmals kompliziert, Die Kosten sind hoch und das schreckt sowieso nicht selten die Bieter ab. Kommt allerdings eine Anfrage wegen des Versandes ins Ausland, dann bin ich der Letzte der sich dazu nicht bereit erklären würde wenn es der Bieter unbedingt möchte.

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Zum Verkauf bei eBay stand kürzlich meine Kamera nebst einem Objektiv. Nach 7-tägiger Laufzeit gingen beide Teile weg – eigentlich laut Verkaufsbenachrichtigung innerhalb Deutschlands. Nach Rechnungsversand und dem ganzen Gedöns kam dann für das Objektiv eine Rückmeldung vom Käufer des Objektivs…. in mittelprächtigem Englisch. Darin wurde mir mitgeteilt, dass die deutsche Versandadresse nicht genutzt werden kann weil „diese Freundin verreist wäre und die Sendung längere Zeit nicht annehmen werde können“.

Objektiv im Briefumschlag in die Ukraine schicken

Und jetzt kommts. Ich solle das Objektiv (Durchmesser 10 cm, Länge ca. 18 cm) als Maxibrief in die Ukraine schicken – unversichert versteht sich. „Freundlicherweise“ schickte mir der Käufer gleich den Link zur Deutschen Post wegen des Preises mit :-) . Er wäre sehr traurig wenn dies nicht klappen würde, weil er das Objektiv unbedingt will…. braucht…. usw. usf. Ach ja, bezahlen würde er wenn ich einverstanden bin umgehend per Paypal.

Hier stellen sich gleich mehrere Fragen. Weiß Herr XYZ überhaupt wovon er hier spricht? Ein Objektiv diesen Ausmaßes – hochempflindlich obendrein – in einem Maxibrief verschicken, in dem weder Polsterung noch sonst irgendwelche Sicherungen eingebracht werden können? Und einen Artikel dessen Preis ganz erheblich über dem eines Fastfood-Burgers liegt unversichert verschicken ist nicht nur unklug, es wäre sehr dumm. Per Paypal bezahlen und dann behaupten es sei nichts angekommen – Käuferschutz beantragen und ich gehe völlig leer aus. Geld und Objektiv weg.

Ja ne is klar……! So wichtig war mir der Verkauf dann auch nicht um auf diese Bauernfängerei reinzufallen.

Angebot an unterlegene Bieter

Das Objektiv ging nicht in die Ukraine, stattdessen bot ich es dem unterlegenen Bieter zum Kauf an. Dieser war auf Grund es Kaufrücktritts des Ukrainers verunsichert und sprang dann auch ab sodass der dritte unterlegene Bieter an der Reihe war. Inzwischen wurden gegenüber dem ursprünglichen Verkaufswertes 35 Euro eingebüßt.

Dieser Käufer hatte Verständnis für die Situation und lies sich von der Machenschaften des Ukrainers nicht beeindrucken. Doch jetzt hagelte es die nächste Panne. Der Artikel wurde seitens der Sicherheitsabteilung von eBay komplett rausgenommen was nun natürlich auch den dritten Bieter verunsichert hatte – Bezahlfunktion, einfach alles weg. Anfangs stand da sogar noch etwas von Regelverstößen etc. – echt unglaublich.

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Artikel von eBay einfach aus dem Programm genommen

Ausländer mit deutscher Adresse kein Problem

Jetzt war es an der Zeit den Support von eBay anzurufen. Diesem schilderte ich den Fall von Anfang an und wies auch auf die offensichtliche Betrugsmasche mit dem unversicherten Versand ins Ausland hin. eBay zeigt sich davon wenig beeindruckt. Ich könnte böse sein und sagen… klar, ihre Verkaufsprovision streichen sie ja sowieso ein. Außerdem, so erfuhr ich nebenbei sei es absolut kein Problem sich in der Ukraine bei eBay zu registrieren und eine deutsche Adresse dabei anzugeben. Ähm hallo? Hier läuft doch irgendwas komplett schief.

Ich wollte aber insbesondere wissen, warum mein Artikel komplett verschwunden war was nun auch einen dritten Käufer am verkraulen ist. Die Antwort von eBay:

Weil Sie den Artikel einem unterlegenen Bieter angeboten hatten und der ursprüngliche Auktionsgewinner zurückgetreten ist, schritt hier die Sicherheitsabteilung ein und hat den Handel unterbunden.

Auf meine Nachfrage, ob man das so alles für richtig sehe, dass offensichtliche Gauner hier am Werk sind, die ganz nebenbei innerhalb von nur wenigen Tagen an die 12-15 hochwertige Kameras ersteigert haben und der langjährige sowie unbescholtene eBayer  „bestraft“ werden hieß es nur kurz und knapp

Ja!

Ich hatte Kontakt zu einem weiteren Verkäufer, der ebenso mit diesem Mitglied Probleme hatte was mir zusätzlich beweist dass hier etwas nicht stimmt. Inzwischen ist zwar der Ukrainer vom Handel ausgeschlossen worden (warum wohl wenn doch alles angeblich ok sein soll) und das Objektiv auf dem Weg zu seinem neuen Besitzer, aber dieser Vorfall bringt mich ein Stück weiter dahin, dass mich eBay langsam mal am Abend in der Hiede besuchen kommen kann.

Offenbar hat man dort nur noch die Dollarzeichen in den Augen und den Blick für die Realität etwas verloren. So geht man jedenfalls nicht mit langjährigen Kunden um.

eBay? Mit mir sicher nicht mehr lange, wenn überhaupt noch!

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[Update] 11.09.2013: Die angegebene und deutsche Adresse (Peter Gradi, 48147 Münster) ist frei erfunden. Dies hat ein Testschreiben an diese Adresse gezeigt, es kam als „Empfänger unbekannt“ wieder zurück.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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11 Kommentare
  1. Alex sagte:

    Das ist schon eine Nummer, wow. Dass das mit der Ukraine mehr als komisch erscheint, hätte auch eBay sehen müssen. Schade, dass nicht. Bin dennoch froh, dass es für dich mehr oder minder glimpflich ausgegangen ist, auch wenn sehr ärgerlich.
    Ich hatte bislang erst zweimal „Problemchen“, die anderen Fälle über all die Jahre liefen gut ab und ich hoffe es bleibt so.

    Antworten
    • Thomas Liedl sagte:

      @Alex:

      …hätte auch eBay sehen müssen

      So habe ich auch gedacht, leider erlag ich hier einem Irrtum. Glimpflich ging es nur aus, weil ich mich nicht auf diesen Kuhhandel eingelassen habe. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht verpflichtet bin ins Ausland zu versenden wenn ich die Auktion nur für Deutschland deklariere. Nun ja, wieder was gelernt.

      Antworten
  2. Stephan sagte:

    Ich war früher eher Käufer als Verkäufer bei ebay. Bei den letzten (gebrauchten) Produkten, die ich auf meinem „Merkzettel“ hatte, gingen die Gebote über den überall (zumindest im Netz) gehandelten Neupreisen.
    Meine Aktivitäten bei ebay gehen mittlerweile gegen Null.

    Antworten
    • Thomas Liedl sagte:

      @Andi: Das verdeutlicht allerdings, dass ich immer wieder Grund zur Kritik hatte und noch heute bei eBay aktiv bin. Das wolltest Du mir damit doch sagen? :-) . Stimmt, doch meine Aktivität dort hat sich seit diesem Artikel (2011) schon deutlich reduziert, nach dem Vorfall mit dem Objektiv noch ein großes Stück mehr.

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  3. Marcus sagte:

    ebay, amazon, paypal: Alles Amerikanisch, alles eine Klitsche!

    Was der (deutsche) Kunde an Schwierigkeiten hat, geht denen doch allen Ernstes am Allerwertesten vorbei.

    Die (der deutsche Support / Standort) haben sich eben nach den Regeln der ‚Heimatbasis zu richten. Wir mögen vielleicht wissen, das in der Ukraine nicht alles mit rechten Dingen zugeht, aber das heißt noch lange nicht, das das der Mutterkonzern von ebay Deutschland das auch weiß / so sieht.

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  4. Marcus sagte:

    Naja, Thomas!

    Ich habe noch von keiner deutschen Firma gehört, die wie paypal einfach irgendeine Auszahlung zurückbehält, weil ihr das aus irgendwelchen scheinheiligen Gründen ins Konzept passt.

    Ebenso habe ich noch von keinem deutschen Unternehmen gehört, das wie amazon einfach Kundenkonten sperrt, weil nach deren Ansicht zu viele Waren zurückgesandt werden.

    Das resultiert einfach daraus, das es eben keine deutschen oder eben europäischen Firmen sind. Klagen gegen die haben in den seltensten Fällen eine realistische Chance.

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