Seit vergangenem Freitag ist es nun auch in Deutschland angekommen – das vieldiskutierte Freistoßspray. Bei der Zweitligabegegnung VfL Bochum gegen Darmstadt 98 wurde in der 7. Spielminute das Spray von Schiedsrichter Robert Hartmann erstmals im deutschen Profifußball zum Einsatz gebracht. Wieder eine dieser Reglementierungen die aus meiner ganz persönlichen Sicht nichts beim Fußball zu suchen haben. Denn mit der „technischen Weiterentwicklung“ hat diese Einführung nicht wirklich etwas zu tun.

Der offizielle Name des Sprays ist übrigens 915 Fair Play Limit. 915 kommt dabei von den 9,15 m Abstand der Freistoßmauer. Ob das Spray aber wirklich die bekannten Diskussionen um den Abstand der Mauer eindämmen wird?

Die Inhaltsstoffe des Freistoßsprays

Biologisch abbaubar soll der Inhalt sein der unseren Kickern auf dem Rasen den Weg weisen soll. Davon sollte man ja auch ausgehen dürfen wenn sich der Platzwart zukünftig nicht mit abgestorbenen Rasen beschäftigen soll. Ob dem allerdings wirklich so ist lasse ich mal dahingestellt. Herstellungsland ist nämlich Argentinien. Und dort herrschen ganz bestimmt andere „Umweltregeln“ als dies hierzulande der Fall ist…

Jedenfalls verschwindet das Spray nach maximal 120 Sekunden wieder, wohin auch immer. Für ganz unbedenklich hält der TÜV Rheinland das Spray übrigens bis vor kurzem nicht. Stirbt jetzt die fluxe Idee wieder ehe sie ganz geboren wurde?

Weißes Spray im Winter

In Brasilien mag dieses Spray ganzjahrestauglich sein, in unseren Breitengraden wird über kurz oder lang dürfte die Farbe dieses Schaums gewissermaßen zum Eigentor werden. Weißer Schaum bei Schnee kommt nicht wirklich gut. Der DFB wird sich etwas einfallen lassen müssen. Oder lässt man das Spray dann in den Schneemonaten gar komplett weg?

Gegebenenfalls kostet diese „Sonderanfertigung“ dann aber mehr als die rund 50000 Euro kosten die für den ersten Vorrat ausgegeben wurden. Das sind für den DFB jetzt zwar keine Summen bei denen man sich ernsthaft Sorgen machen müsste, trotzdem sehe ich die ganze Aktion eher als einen unüberlegten Schnellschuss aus der Funktionärsetage.

DFB Linien-Spray

Zur Versüßung von bitteren 0:0-Begegnungen

Reglementierungen machen den Fussball kaputt

Klar schreitet die Technik voran und findet auch beim Fußball ihren Zugang. Solange es sich beispielsweise um die Kommunikationstechnik zwischen den Schiedsrichtern handelt ist das auch vollkommen in Ordnung. Die Torlinientechnik kann man eventuell gerade noch so durchgehen lassen. Mir selbst geht dies schon fast zu weit und macht den Fußballcharakter ein Stück weit kaputt. Aber ist das 915 Fair Play Limit wirklich ein Fortschritt? Stellt es wirklich eine Verbesserung dar?

Das soll vorerst mal egal sein, denn in der 1. Bundesliga wird das Spray zunächst nicht eingesetzt hieß es bis vor Kurzem. Anscheinend war der TÜV-Test doch die Bremse für die Einführung. Als Verlust wäre es nicht anzusehen wenn das „0815-Spray“ den Weg in die deutschen Stadien nicht finden würde.

Was kommt wohl als nächste Neuerung?

Kontakte an Schuhen, Schien- und Wadenbeine der Spieler um hochtechnisiert feststellen zu können ob es einen Kontakt gegeben hat oder nicht? Hier könnten Fechtclubs eventuell beratend zur Seite stehen. Mikrophone an den Trikots der Spieler wären auch noch eine technische Variante, damit eindeutig festgestellt werden kann wie ein Spieler beim Schiedsrichter reklamiert hat… ob es tatsächlich eine gelbwürdige Beleidigung war. Oder auch die Lichtschrankentechnik für die Couchingzone. Übertritt der Trainer die Linie wird der Ball von einer Drohne einkassiert und damit das Spiel unterbrochen.

Doch Spaß und Zynismus beiseite. Ich bin ganz bestimmt nicht gegen technische Neuerungen. Aber der Fußball sollte von seinem eigentlichen Charakter nicht immer weiter entfernt werden. Auch wenn Fehlentscheidungen hüben und drüben für Unmut sorgen, unter dem Strich gleicht sich das alles im Laufe einer Saison wieder aus. Und Diskussionen ob es nun Tor war oder nicht, ob die Spieler 9,15 m oder nur 8 Meter bei Freistoß Abstand hielten gehören eben mit dazu – das macht den Fußball mit aus!