Geht es nach dem Wunsch des Bundes deutscher Kriminalbeamter, dann soll es künftig den Notrufknopf bei kriminellen Handlungen im Internet geben – eine 110 fürs Netz sozusagen. Also noch ein Projekt, denn speziell für kinderpornografische Seiten gibt es dies bereits inkl. eines Add-Ons für Firefox und Internet Explorer in Form von „Jetzt löschen“. Das „neue“ Projekt soll sich nicht nur mit kinderpornografischen Seiten beschäftigen, sondern widmet sich dem gesamten kriminellen Teil des Netzes.

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Grundsätzlich sind solche Meldestellen nicht schlecht und ganz bestimmt auch an vielen Ecken des Internets durchaus angebracht. Aber in dem es schon wieder mehrere Projekte gibt wird auch ein bisschen Verunsicherung beim Nutzer geschaffen, welche Cyper-Police nun die bessere ist. Für gewisse Dinge wäre es sinnvoller sie nur einmal zu haben – schließlich gibt es ja auch nicht unterschiedliche Polizeiorganisationen. Das ist mein erstes persönliches Manko.

Ein weiteres sehe ich darin, dass immer noch nicht geklärt ist, ob die Übertragung einer solchen Meldung anonymisiert stattfindet oder nicht.

Für eine anonymisierte Übermittlung der Daten öffnet auch dem Missbrauch des Notrufes Tür und Tor. Kommt mir ein Webangebot nicht gelegen und passt es mir nicht in den Kram – klick – melde ich es mal schnell als bedenklich und setze den Überprüfungsapparat in Gang. Das bedeutet für den betroffenen Webmaster ggf. unnötige Fragestellungen und für die ermittelnden Beamten eine sinnlose und zeitraubende Tätigkeit.

Bei einer nicht anonymisierten Übermittlung der Daten kann das melden einer kriminellen Seite schnell zum bösen Boomerang werden. Angenommen man stößt durch Zufall auf eine Seite mit kinderpornografischem Inhalt – durch einen Link kann das ganz schnell passieren – kommt man selber in den Verdacht und wird dem Klientel zugeordnet. Kann nicht sein? Oh doch, durch die temporären Dateien nämlich. So zumindest sieht es das Oberlandesgericht Hamburg. So wird aus einem Helfer mal ganz schnell der Mittäter.

Viel einfacher zu handhaben wäre eine zentrale Mailadresse, an welche verdächtige Inhalte von Webseiten geschickt werden können – ganz ohne eigene Software und anderen technischen Aufwand.

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Warum alles stets komplizierter machen als es in Wirklichkeit sein müsste?

1 Antwort
  1. plerzelwupp
    plerzelwupp sagte:

    Da sprichst du einen interessanten Punkt an. Wer von den Geisterjägern benutzt solch ein Tool rechtmäßig und wer nutzt es als Alibi? Schwere Frage. Der Datenschutz und die Darstellung der anonymen und sicheren Übertragunf muss offen dargelegt werden. Sonst macht das keinen Sinn.

    Antworten

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