Zum Inhalt springen

Verbundenheit über das Internet: Geht das wirklich?

verbundenheit

Viele Psychologen sagen heute, dass die meisten Menschen einsamer sind, denn je zuvor. Zwar nutzen sie das Internet und sind damit ständig verbunden, echte zwischenmenschliche Beziehung nehmen allerdings immer weiter ab. Im letzten Jahr haben sich jedoch immer mehr Menschen um echte Verbindungen online bemüht und diesen Trend versucht, zu verändern. Aber kann man über das Internet wirklich verbunden sein?

Foto von Fredrick Tendong bei Unsplash

Gemeinsames Spielen

Kartenspiele wie Poker galten früher als ultimative Gesellschaftsspiele. Heute kann man Poker online spielen oder eine Spielbank besuchen, um seinem Hobby zu frönen. Beim Spielen im Netz glauben viele, dass die persönliche Verbindung verloren geht – andere widersprechen dem jedoch. Gerade in Pokerrooms kann das Spielen tatsächlich einer gemeinsamen Unternehmen nahekommen, denn bei Turnieren spielt man nicht gegen eine KI, sondern gegen andere Spieler. Oftmals kann man hier sogar per Headset oder Chat mit anderen Spielern kommunizieren und sich austauschen. Dasselbe gilt für Online Spiele, bei denen im Team gegen andere angetreten wird. Egal ob man mit seinen Teammitgliedern im echten Leben befreundet ist, oder sich nur zum Gaming online trifft, kann der spielerische Austausch dazu beitragen, sich verbundener zu fühlen und soziale Kontakte zu pflegen.

Soziale Netzwerke als Einsamkeitsfaktor

Eigentlich müsste man meinen, dass soziale Netzwerke den Kontakt zu anderen Menschen erhöhen würden. Dem ist allerdings selten der Fall, denn oftmals tragen Instagram, Facebook und Co. dazu bei, dass sich Menschen einsamer fühlen. Das liegt nicht selten daran, dass man durch das Scrollen durch die verschiedenen Feeds nur einen einseitigen Kontakt zu anderen Menschen erhält. Zwar fühlt es sich so an, als würde man etwas von dem Leben seiner Freunde miterleben, es gibt allerdings kaum einen direkten Austausch. Fotos und Videos die in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, sind außerdem nur das Sahnehäubchen aus dem Leben einer Person und spiegeln nicht die Realität wider.

Dadurch fühlen sich viele Menschen so, als ob der Alltag ihrer Freunde viel aufregender und spannender wäre, als ihr eigener. Auch dieses psychologische Phänomen kann Einsamkeit erhöhen und langfristig unglücklich machen. Deshalb ist es oft besser, einfach zum Telefon zu greifen und einen Freund anzurufen, als alleine durch seine letzten Urlaubsfotos zu blättern und keine echten Informationen zu erfahren.

Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Streaming verbindet

Streaming-Technologien gibt es bereits seit vielen Jahren, allerdings wurden sie selten so stark eingesetzt wie heute. Wer Anfang des Jahres Aktien für Streaming-Tools wie Zoom gekauft hat, durfte sich freuen, denn besonders in diesem Jahr setzten viele auf alternative Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Wege, um per Stream mit anderen verbunden zu sein – und sich auch tatsächlich verbunden zu fühlen. So werden mittlerweile z. B. viele Sportkurse per Stream angeboten. Dabei schlüpft man einfach zu Hause in die Yogapants, dreht den Laptop auf und verbindet sich mit einem Trainer. Dieser kann seinen Teilnehmern bei den Übungen zusehen, sie ausbessern und Tipps geben. Sogar Online Weinverkostungen können mittlerweile abgehalten werden. Dabei senden Winzer den Interessenten eine Lieferung der Weinproben und kosten sie dann gemeinsam via Stream.

Das Internet kann einsam machen, gleichzeitig aber auch verbinden. Dabei kommt es ganz darauf an, wie man es nutzt. Eine direkte Kommunikation – z. B. über einen Stream oder beim gemeinsamen Spielen – ist tatsächlich effektiv, um sich weniger einsam zu fühlen und zeigt, dass das Internet ein hervorragendes Kommunikationstool sein kann. Befindet man sich hingegen ständig in sozialen Netzwerken und beobachtet das glänzende, beschönigte Online Leben der anderen, kann dies zu einer starken Erhöhung des Einsamkeitsgefühls sorgen. Hier sollte man also aufpassen und sich öfter einmal ausloggen.

4 Gedanken zu „Verbundenheit über das Internet: Geht das wirklich?“

  1. Interessantes Thema, Thomas. Ich habe die Erfahrung gemacht: man sollte die Medien so nutzen, wie sie einem gut tun. Wenn ich z.B. in anderen befreundeten Blogs lese und kommentiere, dann spüre ich schon eine gewisse Art von Verbundenheit. Man tauscht sich aus und gibt anderen Lesern durch seine Beiträge auch etwas zurück.

    Auch per Stream kann man sicherlich eine Verbundenheit aufbauen. Das mit den Online-Weinverkostungen finde ich ja total cool :-)

    Da ich selbst kein Gamer bin, aber andere Gamer kenne, weiß ich, dass auch das funktioniert und man sich mit netten Leuten zum Zocken verabreden kann und das auch einen Riesenspaß machen kann.

    Einsam werden die Menschen, wenn ihnen von anderen Leuten vermeintlich vorgelebt wird, wie kläglich ihr eigenes Leben vermeintlich ist und wie glamourös und hip das Leben der Anderen ist. Da herrscht ziemlicher Erfolgsdruck, man darf aber auch nicht vergessen, dass da oft viel inszeniert ist: der Hippe ist vielleicht gar nicht so hip, und wenn doch, dann hat er vielleicht andere Probleme, die man nicht erkenn(en soll)t.

    Manch einer kommt damit aber nicht klar und vereinsamt, obwohl er 1425 Freunde auf Facebook hat. Die haben halt oft den Nachteil, dass sie an Heiligabend, wenn man alleine zuhause ist, nicht da sind und man im schlimmsten Falle alleine ist. Die nur für einen oberflächlichen Plausch gut sind, aber wenn es tiefgründig wird, dann wollen sie nichts davon wissen und loggen sich aus.

    Was gut gegen solche Vereinsamung hilft (wenn man sich aufraffen kann): raus gehen, in die Lieblingskneipe/-bar und vielleicht ein nettes Gespräch führen – auch wenn es nur mit dem Barkeeper ist. Oder einfach nur den Leuten zuschauen und Kommunikation „erleben“. Wie gesagt, man muss dazu seelisch in der Lage sein und Lust drauf haben.

    1. Danke für Deine ausführliche Einlassung Martin. Verbundenheit ist natürlich ein etwas dehnbarer Begriff und viel hängt von dessen subjektiver Wahrnehmung ab. Hier wird jeder ein wenig anders ticken. Um Verbundenheit zu erfahren gehört in der heutigen Zeit das Internet in jedem Fall mit dazu weil es im Stande ist große Distanzen zu überbrücken. Familienmitglieder, Verwandte und Freunde „weiter weg lebend“ kann man nicht einfach so mal schnell treffen. Da hilft das Internet in jedem Fall Verbundenheit zu fördern.

      Ich bin kein Weintrinker (mit Traubensaft kenne ich mich nicht aus), deswegen fällt es mir persönlich etwas schwer an einer Weinverkostung im Netz teilzunehmen, wobei es aber auch schon wieder schon so abgefahren ist, dass man es glatt probieren sollte. Bei Facebook- und/oder Zockerfreunden sieht es anders aus hiervon kann man nur einen minimalen Bruchteil wirklich zum „Freundeskreis“ zählen. umindest sehe ich das so.

      Deinem letzten Absatz stimme ich zu – ein Stück weit. Nicht wenige Menschen bei denen Vereinsamung droht oder herrscht haben auch nicht das nötige Kleingeld „rauszugehen“ und lassen es deswegen notgedrungen einfach sein. Vereinsmung hat zu einem großen Teil wie ich finde auch etwas damit zu tun, wie die allgemeine gesellschaftspolitische Stellung eines Menschen ist. Krankheit, wenig Geld – das sind definitiv Indikatoren für den Rückzug ins Schneckenhaus. Ein Fehler gar keine Frage. Und trotzdem sind es Fakten die in unserer Gesellschaft „gerne mal übersehen“ werden. Nicht selten leider auch unter dem Aspekt „mir geht es ja gut“.

      Und Corona mit all seinen Maßregelungen spielt hier auch noch ganz übelst mit.

  2. Ich fühle mich mit vielen Menschen verbunden, die ich gar nicht kenne; „meine“ Blogger“. Das sind dann diejenigen, die man schön länger liest, sie ein Stück des (Lebens-) Weges begleitet (hat), privates weiß und Ansichten teilt… Für mich ist es auch oft schmerzlich, wenn ein Blog schließt, ich empfinde das dann als absoluten Verlust eines lieben Verbündeten. Aber ein bissel bleiben sie da, oder die Hoffnung, dass man sich anderswo wieder sieht. Gerade heute war Sascha von gesichtet.net bei mir, das freut man sich dann einfach! Leider gibt es ja auch Totalverluste, zum Beispiel Gucky. Und dann bin ich traurig, richtig und echt, mit heueln… das ist doch Verbundenheit?
    Und zu dir, lieber Thomas, bin ich heute ganz gezielt gekommen, um zu gucken, ob es dir wohl gut geht (so weit man das hier sehen kann, manchmal muss ja reichen „es lebt noch“ ;-), also nicht im Rahmen einer Blogrunde, die findet aus Zeitnot derzeit nicht statt.
    Und das IST doch Verbundenheit, oder?
    Viele Grüße zu dir und bleib gesund! Miki

    1. Ich kann es gut nachvollziehen was Du meinst, ich bin da mit Dir nahezu einer Meinung.Über die Jahre hinweg hat man den einen oder anderen Blogger (Bloggerin) ein Stück weit näher kennengelernt, wenn auch nur auf digitalem Wege. Aber es ist wie Du schon richtig dargelegt hast „ein Stück Verbundenheit“. Gibt es aber wohl nur mehr bei „der alten Garde“, so zumindest mein Eindruck.

      Ja mir geht es soweit gut, soweit man das eben halt beurteilen kann. Das Wetter Auf und Ab schlaucht mich bzw. meinen Kreislauf und es bremst mich aus. Es ist eben nichts mehr wie es mal war in jeglicher Hinsicht. Aber… „es lebt noch“ (ich finde den Satz klasse). Bleib auch Du samt Familie gesund und liebe Grüße.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst Dich informieren lassen wenn es Folgekommentare gibt.