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Isolation der Pulmonalvenen bei Vorhofflimmern

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Herzrhythmusstörungen sind weit verbreitet und werden – solange nicht ärztlich diagnostiziert – von den Betroffenen gar nicht als solche wahrgenommen. Über die Herzrhythmusstörung und das damit einhergehende Vorhofflimmern hatte ich schon vor einem Jahr berichtet. Viele Jahre blieben die Herzrhythmusstörungen bei mir unentdeckt. Da ein Eingriff am Herzen auch so einiges an möglichen Komplikationen mit sich bringt schob ich einen solchen länger vor mir her und entschied mich zunächst für eine medikamentöse Behandlung u.a. mit dem stark mit Nebenwirkungen behafteten Dronedaron (Multaq). Da dieser Behandlungsweg leider ohne Erfolg blieb entschied ich mich Anfang diesen Jahres für eine sogenannte Pulmonalvenenisolation. Dieser Bericht fasst meine Erlebnisse und Empfindungen vor, während und nach des Eingriffs zusammen. Er soll Betroffenen helfen ein wenig die Angst vor dem Eingriff zu mindern.

Die Liste der möglichen Komplikationen bei einer solchen Katheterablation ist nicht gerade die kürzeste und sie kann dem Betroffenen schon ein etwas mulmiges Gefühl vermitteln, da möchte ich ganz ehrlich sein. Mögliche Nachblutungen an der Einstichstelle (Punktion der Leistenvene) zählen zu den häufigeren aber auch „harmloseren“ Vorkommnissen. Ein Schlaganfall, die Perforation der Speiseröhre und Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) können schwerwiegende Folgen sein welche ein schnelles Handeln erfordern. Liest man den Aufklärungsbogen genau durch, begegnet man all diesen Begriffen. Doch man sollte sich deswegen nicht verrückt machen lassen. Eine unbehandelte Herzrhythmusstörung ist auch nichts unbedingt Erstrebenswertes.

Voruntersuchungen

Auf das Erfassen aller für einen Eingriff erforderlichen Parameter wie Blutabnahme etc. muss ich nicht näher eingehen, diese kennt jeder auch schon aus den hausärztlichen Praxen. Eine wichtige Untersuchung aber ist das TEE. Es handelt sich dabei um eine Ultraschalluntersuchung. Allerdings wird diese nicht von außen vorgenommen, weil unsere Rippen keine exakte Sicht ermöglichen und ggf. wichtige Erkenntnisse „verdecken“. Die transösophageale Echokardiographie (was für ein Wort….) wird über die Speiseröhre durchgeführt, daher auch die oft verwendete Bezeichnung Schluckecho. Wer schon mal eine Magenspiegel hatte, der kennt das Vorgehen und weiß was ihn erwartet. Für mich war diese Untersuchung neu. Die Untersuchung gibt Aufschluss über die genaue Lage (und Anzahl) der Pulmonalvenen und insbesondere darüber ob es Thromben im Herzen gibt welche losgelöst zum Schlaganfall führen könnten.

Die Untersuchung wird auf der Seite liegend durchgeführt. Zunächst wird der Rachenraum mittels eines Sprays betäubt. Die Flüssigkeit soll auch geschluckt werden, was auch eine Betäubung der Speiseröhre begünstigt. Dieser Vorgang wurde bei mir dreimal wiederholt. Geschmacklich ist das „Medikament“ weitestgehend neutral und es schafft eine Art „pelzigen Rachenraum“. Nur den Würgereiz bei Berührung des Gaumenzäpfchens, dieser lässt sich nicht abschalten. Darauf wurde ich auch hingewiesen. Wer möchte kann sich für die Untersuchung etwas sedieren (betäuben) lassen. Da die Untersuchung wie erwähnt neu war und der Würgereiz nicht „deaktivierbar“ ist entschied ich mich dafür. Das sorgte für eine Benebelung der Sinne und man nimmt das Ganze etwas lockerer.

Ehe es losgeht und der Schlauch über die Speiseröhre eingeführt wird bekommt man noch einen Beißschutz. Das ist nichts anderes als ein kleines Plastikgestell, welches das unwillkürliche Schließen des Mundes verhindert. Noch ein „Sabberlatz“ wegen des Speichelflusses unter die Backe geschoben und los gehts. Es ist absolut nicht schmerzhaft nur völlig ungewohnt und ein höchst merkwürdiges Gefühl im Hals bzw. in der Speiseröhre. Alles in allem dauerte die Untersuchung rund 10 Minuten und ich hatte sie mir wahrlich schlimmer / unangenehmer vorgestellt. Hinterher ist man eben immer schlauer. Es wurden keine Thromben gefunden, der Katheterablation am nächsten Tag stand also nichts mehr entgegen. Ach ja, bis gut zwei Stunden nach dieser TEE darf nichts gegessen oder getrunken werden – wegen der Betäubung des Rachens.

Isolation der Pulmonalvenen – Katheterablation

herzkatheter pulmonalvenenisolationDas längste was man wirklich mitbekommt im Katheterlabor (OP) sind die Vorbereitungen für den Eingriff. Und die sind wirklich umfangreich. Durch meine bereits vor Jahren erhaltenen Stents kenne ich diesen Eingriff bereits, zumindest in gewissen Teilen wie Vorbereitung und die Punktion als solches. Denn was „im Herzen“ geschieht ist diesmal etwas ganz anderes, so meine behandelnde Ärztin auf Nachfrage.

Natürlich wird zunächst der Bereich der Leisten großflächig wie auch großzügig mit Jod besprüht. Dann kommen Tücher zum Abdecken mit Ausschnitten an den jeweiligen Punktionsstellen. Bis alle vorbereitenden Maßnahmen erledigt sind vergeht wirklich eine halbe Stunde in der man bereits stramm auf dem Rücken liegt, die Hände unter den Tüchern mit verpackt. Wenn’s an der Nase juckt muss man um Hilfe bitten, die Hände dürfen nicht mehr bewegt werden. Dann kam die beiden Ärzte, der Eingriff wird immer zu zweit durchgeführt wurde mir erklärt.

Ganz zu Beginn der Prozedur wird ein Temperaturfühler über die Nase in die Speiseröhre geschoben. Dieser überwacht dort die Temperatur während des eigentlichen Verödens, damit diese nicht zu weit abfällt. Das Einbringen der sehr dünnen Sonde über die Nase geht sehr rasch und verursacht lediglich ein komisches Gefühl im Hals, mehr aber auch wirklich nicht.

Das Setzen der Katheter nach vorheriger örtlicher Betäubung ist nur ein kleiner Stich – harmlos. Ich möchte nicht mal sagen extrem unangenehm, sondern eher „merkwürdig“ fühlt sich die Einbringung der Schleuse und das Vorschieben des Katheters an. Ein Druck als würde jemand einen Ast durch die Leiste schieben, schmerzhaft ist es nicht. Für die Katheterablation wurden mir linksseitig drei und rechtsseitig ein Katheter gesetzt. Diese dienen u.a. auch für die Überwachung der Blutdrucks. Linksseitig kann es unangenehm werden, weil dort der Nervus cutaneus femoris lateralis verläuft. „Diesen Nerv nicht zu erwischen ist fast eine Kunst“ so die Ärztin, weil er so groß ist. Und seine Lage ist genau dort wo punktiert wird. Dreimal hat es den Nerv erwischt – fühlt sich an wie ein Stromschlag. Wer sich schon mal den Nerv am Ellenbogen ordentlich gestoßen hat kennt so etwas – hier ist es ähnlich.

Ehe es jetzt zum eigentlichen Eingriff übergeht ließ der Anästhesist „meine Lichter ausgehen“. Denn, so wurde mir im Vorfeld erklärt, das Veröden dieser Pulmonalvenen kann mit größeren Schmerzen verbunden sein. Erst auf der Intensivstation bin ich wieder aufgewacht. Keine Sorge deswegen, dort landet jeder Patient nach diesem Eingriff zwangsläufig für 1 Tag zur Überwachung. Das Hauptproblem nach der Katheterablation ist das stramme, relativ flache und bewegungslose Liegen auf dem Rücken für 12-15 Stunden und die beiden Sandsäcke auf den Leisten, welche im Endeffekt eine Art Druckverband bilden. Man kann sich bei entsprechenden Problemen aber immer an das Pflegepersonal wenden und erhält auch entsprechend Hilfe. Ansonsten gab es bei mir ein gut ertragbares Ziehen in der Leiste und ein bisschen ein Brennen im Brustkorb. Beides wird stetig besser und verschwand bis zum Verlassen der Intensivstation nahezu komplett.

Noch eine Nacht auf „Normalstation“ und schon war die ganze Prozedur erledigt. Alles in allem war ich von Montag bis Donnerstag in der Klinik. An die ärztliche Anweisung, in den kommenden 14 Tagen sich mit großen Belastungen auf die Leistengegend sehr zurückzuhalten sollte man sich unbedingt halten. Eine sich plötzlich öffnende Vene oder Arterie will sich nicht wirklich jemand zuziehen. Bei meinen Stents vor einen Jahren ging ohne mein Zutun die Naht an einer Arterie auf – zum Glück noch in der Klinik wo schnelle Hilfe zur Stelle war. 

Mein Fazit zur Katheterablation

Ein medizinisches Fazit wird erst 3-4 Monate nach dem Eingriff gezogen, bis dahin können immer noch mal wieder Herzrhythmusstörungen auftreten, wenn auch in der Anzahl und Heftigkeit meist vermindert. Verbessert im Vergleich zu Vorher hat es sich in jedem Fall. Mit welchem Endresultat muss ich abwarten und Geduld beweisen.

Hinterher weiß man es besser. Klar muss jeder selbst für sich entscheiden ob er einem solchen Eingriff zustimmt oder nicht. Und es wäre in jedem Fall gelogen würde ich behaupten, dass ich völlig unbelastet an die Sache heran gegangen bin. Gedanken macht man sich logischerweise. Doch was die Voruntersuchung in Form des Schluckechos betrifft oder auch den Eingriff als solches kann ich aus heutiger Sicht sagen – es ist bedeutend wenig schlimm als man es sich unter Umständen im Vorfeld selbst ausmalt. Wichtig wie ich meine ist, dass man sich eine Klinik mit ausreichend Erfahrung bei Katheterablationen aussucht. Dies tat ich über die Weiße Liste. Klar kann immer und überall etwas schief gehen, Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regeln. Trotzdem begebe ich mich lieber in die Hände von erfahrenen Ärzten – egal bei welcher Art von Behandlung.

Wem eine Katheterablation bevorsteht oder wer sich mit dem Gedanken trägt diese Behandlung durchführen zu lassen, dem gebe ich mit auf den Weg – alles halb so schlimm, nicht verrückt machen lassen. Das ständige Auftreten von Vorhofflimmern ist um ein vielfaches unangenehmer. Alles Gute!

2 Gedanken zu „Isolation der Pulmonalvenen bei Vorhofflimmern“

  1. Hi Thomas
    Freut mich zu lesen, dass alles gut verlaufen ist und dass du am Ende des Artikels ein positives Fazit ziehst.
    Dann hoffen wir, dass du mit deinen Schilderungen den einen oder anderen etwas helfen kannst, die vor dieser Entscheidung stehen.
    Bleibe gesund & alles Gute!

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