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Pflegemissstände: Menschenwürde vs. Freiheitsstrafe

Die  Menschenwürde von Pflegebedürftigen wird in Heimen immer wieder mit Füßen getreten. Aufsichtsbehörden sind ein Anlaufpunkt für Beschwerden wenn Pflegeheime nicht reagieren. Bestreitet die Heimleitung die Vorwürfe endet der Streit ggf. vor Gericht und Angehörige sehen sich im schlimmsten Fall einer Ordnungshaft gegenüber. Schweigen um jeden Preis ist für mich gegen jede Ehre eines pflegebedürftigen Menschen.

Noch gar nicht lange her da hatte ich darüber berichtet, dass ich es für eine ganz große Schweinerei erachte, dass der Kampf um die Würde eines pflegebedürftigen Menschen   von den eigenen finanziellen Möglichkeiten abhängig ist. Der ursprünglich geschlossene Vergleich wurde von der Gegenseite (Pflegeeinrichtung) nach einer vom Gericht eingeräumten „Bedenkzeit“ nun komplett zurückgewiesen. Das bedeutet letztlich – die unglaubliche Angelegenheit geht mit einem nun folgenden Gerichtstermin in die nächste Runde.

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Die Pflegeeinrichtung will mich einfach „hängen“ sehen und hatte dies auch mit anderen Mitteln schon versucht mich zum Schweigen zu bringen.

Nicht hinter jedem Missstand steht gleich eine Misshandlung wie kürzlich in einem Seniorenzentrum der AWO. Aber muss es wirklich erst soweit kommen ehe man sich „einmischen“ darf? Missstände sind auch diverse Mängel an den vertraglich festgelegten und selbstverständlichen Pflegeleistungen, nicht ermöglichte Sozialkontakte oder auch der angewandte Sprachschatz des Pflegepersonals gegenüber eines Pflegebedürftigen wenn sich dieser gegen dessen Würde richtet.

Hätte ich es nicht selbst erlebt könnte ich mir nicht vorstellen was in Pflegeheimen „alles möglich“ ist.

PflegerechtWas nützen uns Studien und Debatten über Missstände in der Altenpflege wenn diejenigen Angehörigen, die auf Missstände aufmerksam machen am Ende vor Gericht gezerrt und von den Pflegeheimen als „realitäts- und wahrheitsfremde“ Personen dargestellt werden und wiederum andere um ihr Recht beim Eu ­ro ­päi ­schen Ge ­richts ­hof für Men ­schen ­rech ­te „betteln“ müssen?

Ich, so der Anwalt der Pflegeeinrichtung, habe mit meinen Aussagen der Aufsichtbehörde gegenüber eine Ehrverletzung begangen. Mit anderen Worten, ich habe die Ehre des Pflegeheims verletzt, weil ich Missstände den Behörden gegenüber angeprangert hatte. An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein, was denn mit der Ehre meiner Mutter ist? Dafür interessiert sich neben mir von allen Beteiligten keiner.

Hier gilt offenbar nur, dass die Einrichtung nach außenhin behaupten kann „hier ist alles in Ordnung, wir sind die Guten“. Wer sich traut und aufmuckt wird sofort verklagt. Darf so die Altenpflege im 21. Jahrhundert aussehen?

Ich habe das Heim im Zusammenhang mit allen Missständen nie beim Namen genannt – mit Ausnahme bei der Aufsichtsbehörde – , habe nie öffentliche Negativwerbung o.ä. betrieben. Dem Heim ist sog. nie ein Schaden in welcher Form auch immer entstanden.

Pflegeheime sollen zu ihren Fehlern stehen

Teils schwerwiegende  Fehler werden gemacht, auch in anderen Pflegeheimen und vorallem nicht erst seit heute.  Dass alle gemachten Fehler von Pflegeheimen jedoch immer „geheim“ bleiben und nicht an die Öffentlichkeit gelangen ist auch nicht unbedingt richtig. Totschweigen ist kein probates Mittel dem man sich hingeben sollte. Wie oft Angehörige von Pflegeheimen per Gerichtsbeschluss zum Schweigen gezwungen werden bleibt wohl eine Dunkelziffer.

Zu seinen Fehlern stehen, vielleicht einen kleinen Gedanken in Richtung einer Entschuldigung verschwenden und dafür Sorge tragen, dass sich die Erlebnisse meiner Mutter bei keiner weiteren Person jemals wiederholen – das hätte ich mir gewünscht. Dies hätte wahre Größe der in diesem Fall federführenden Personen bewiesen. Einen „gerichtlichen Maulkorb“ zu verhängen lässt in mir den Verdacht aufkommen, dass hier ggf. noch mehr vertuscht werden soll.

An Niedertracht zu überbieten ist es ebenfalls nicht, dass das Pflegeheim mir nun unterstellt ich hätte insgesamt nie zum Wohle bzw. im Sinne meiner Mutter die Entscheidungen getroffen. Mit anderen Worten, ich hätte die Vorsorgevollmacht für mich ausgenutzt! Es gibt eben Pflegeeinrichtungen denen jedes Mittel recht ist um die eigene Weste weiß zu halten.

Wieviel Monate Gefängnis ist die Ehre eines Menschen wert?

Neben vielen anderen Dingen habe ich nun auch meine Mutter verloren, vielleicht verliere ich jetzt durch die Vertuschungspolitik eines Pflegeheimes auch noch meine Freiheit. Denn die vorläufig veranschlagten 10000 € Ordnungsgeld kann ich finanziell nicht stemmen, bleibt also ggf. nur noch die Ordnungshaft – wie lange auch immer diese im Fall der Fälle sein mag.

Doch wie eingangs schon erwähnt, nur damit ich meine eigene Freiheit genießen kann werde ich nicht die Würde meiner Mutter durch eine Art von „Schuldlossprechung“ der Pflegeeinrichtung in Frage stellen (lassen) – auch nicht durch das hiesige Landgericht.

„Betrifft mich nicht, mit Heimen hab ich nichts zu tun“

HinweisMir ist klar, dass ich mit solchen u.a. gesellschaftspolitischen Themen nicht jedes Interesse treffe. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Pflegemissstände nicht verheimlicht und in einer Schublade weggeschlossen gehören. Die Öffentlichkeit muss erfahren was hinter den Türen verschiedener Heime vor sich geht. Schließlich gibt es Pflegebedürftige die über keine Angehörigen mehr verfügen oder aber welche die nur selten persönlich vorbei kommen. Diese Pflegebedürftigen sind dann gewissermaßen schutzlos ausgeliefert weil sie sich selbst nicht mehr wehren können.

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Und eines sollte allen bewusst sein. Eure Angehörigen (Eltern, Großeltern…) können schneller in die Lage kommen in denen sie Pflege benötigen. Je eher hier etwas geschieht desto besser für alle zukünftigen Hilfsbedürftigen, ob Senioren oder nicht. Niemand hat es verdient nach einem langen Arbeitsleben nur noch „geduldet“ zu sein weil er eben krank ist.

Über Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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8 Kommentare

  1. Hi Thomas
    Die Vorgeschichte hatte ich ja hier bereits im Blog gelesen.
    Nun etwas von 10.000 Euro oder sogar Gefängnis zu lesen?! :roll:
    Drücke dir alle Daumen die ich habe und hoffe du kommst da noch
    irgendwie raus?!
    Trotz allen Problemen einen möglichst angenehmen Wochenstart,
    Alex

    • @Alex: „Raus kommen“ klingt irgendwie so, als hätte ich etwas verbrochen. Aber ich weiß was Du damit zum Ausdruck bringen möchtest. Das Ganze ist ein wenig so, als würde ich die Polizei rufen weil bei mir eingebrochen wurde und werde dann anschließend vom Einbrecher verklagt eben weil ich die Polizei gerufen habe :nenene: . Sorry, für welchen Zweck gibt es die Heimaufsicht, wenn ich mich dahin nicht wenden darf? Ist in jedem Falle ein Unding was da läuft!

  2. Hallo Thomas!

    Du schreibst „Du bist anderer Meinung? Na dann los….“ ?
    Nee, ich bin nicht anderer Meinung und fühle mich dennoch berufen, hier zu schreiben.

    Aus eigenen Erfahrungen kann ich nachvollziehen, wie es dir ergangen ist und ich kenne den Schmerz, den Du fühlen mußt, nachdem Du deine Mutter verloren hast.
    Du hast mein Mitgefühl und ich bin mir sicher, daß das, was Du hier schreibst, der Wahrheit entspricht und wohl kaum übertrieben ist.

    „Alte“ in Pflegeheimen haben keine wirkliche Lobby.
    Es wird Zeit, daß wir betroffenen Angehörigen uns zusammen tun.
    Wenn Du in meinem neuen Blog nachschaust, dann wirst Du erahnen, was ich meine.

    Am 19. September 2012 von 10 bis 16:3o Uhr veranstalten die sogenannten
    „Pflegestützpunkte“ von Hamburg im Bürgersaal Wandsbek (Am Alten Posthaus Nr. 4, U-Bahn Wandsbek Markt) ein größeres Treffen, bei dem viele Fachverbände Hamburgs anwesend sind – leider scheint die „Heimaufsicht“ und der „MdK“ dort zu fehlen.

    Wenn Du Lust hast, dann kommst Du etwas früher, und wir können uns zu einem Erfahrungsaustausch treffen, denn auch meine Erfahrungen mit der Justizia mit Augenbinde ähneln dem, was dir widerfahren ist.

    Grüße von der anderen Seite der Elbe,
    Rentner Anton (aka Netzgärtner)

    • @Anton: Willkommen bei Nicht spurlos. Zunächst mal kann hier selbstverständlich auch jeder schreiben der die gleichen Ansichten vertritt.

      Danke auch für Dein Mitgefühl, es wird garantiert eine nicht enden wollende Zeit vergehen bis dies auch nur ansatzweise „verdaut“ werden kann, wenn es überhaupt jemals gelingen wird. Doch das ist die rein private Seite. Um was es mir und offensichtlich auch Dir geht ist, dass die herrschenden Zustände so nicht bleiben können bzw. dürfen. Ich habe in Deinem Blog gelesen und kann Deine Erlebnisse auf weiten Strecken sehr gut nachvollziehen – als betroffener Angehöriger sieht man vieles mit anderen Augen.

      Das Senioren keine Lobby haben stimmt zumindest dann, wenn sie selbst nicht mehr in der Lage sind sich zu „wehren“. Das ist schlimm. Als noch eine Ecke schlimmer ist es zu sehen, wenn Angehörige vor Gericht gezerrt werden und so zum Schweigen verdonnert werden sollen, nur weil sie sich beschwert haben. Ich bin in dieser Sache noch nicht durch, die Verhandlung vor dem Landgericht Hamburg findet gerade mal zwei Tage vor der Veranstaltung in Wandsbek statt.

      Wie die Sache ausgehen wird… ich weiß es nicht. Als besonders verwerflich sehe ich es an, dass immer wieder auf Pflegedokumentationen verwiesen wird. Die seien eine Urkunde und somit sind sie absolut richtig. Tatsache ist, dass diese Dokumentationen oftmals nicht der Wahrheit entsprechen. Es werden angebliche Zeugen aufgeboten, die ich trotz täglicher Anwesenheit im Heim nicht kenne bzw. Zeugen die bei meiner Mutter nie im Zimmer gewesen sind. Ich nenne sowas „Gefälligkeitszeugnis aus Angst vor Arbeitsplatzverlust“.

      Ob ich am 19.09.2012 Zeit habe kann ich jetzt noch nicht sagen. Erst muss ist mal den Gerichtstermin „absolvieren“. Ich werde diesbezüglich aber Kontakt mit Dir aufnehmen.

  3. So, ich hab jetzt soo viele Beiträge und Kommentare zum Thema Pflege und Meinungsfreiheit
    bei dir durchgelesen, daß ich mich entschlossen habe, die „Veranstaltung“ zu besuchen, so sie denn öffentlich ist und Du nichts dagegen hast.
    Es ist nicht mein erster Besuch dort . . . (die Pressekammer war mein liebster Platz).

    Thomas, laß dich nicht unterkriegen! :yes:

    • @Anton: „Veranstaltung“ ist ein sehr passender Begriff, auch wenn es unter dem Strich eine vermutlich eher „traurige Veranstaltung“ geben wird. Selbstverständlich kannst Du kommen, ich habe da nichts dagegen. Die Verhandlung ist öffentlich und somit für jedermann zugänglich. Ich sage es mal so, wer kommen mag soll kommen – für mich ist es dann auch eine Form der moralischen Unterstützung, auch wenn die nur im Hintergrund existiert.

  4. Es ist eine wahnsinnige schlimme Geschichte, die du hier erzählst. Ähnliche Empfindungen hatte ich damals auch, habe sie heute noch und sah mich in einem Staate lebend, wo Recht nach Belieben gesprochen wird, nämlich für die, die da Geld hatten und eigentlich die Verursacher der Misere sind.

    Und ja, auch mich wollte man hängen sehen um jeden Preis und betrieb dieses Spiel bis aufs Letzte. Dass ich solange standhielt, hatte man nicht erwartet, kannte man durch Ausfragen in etwa meine persönlichen Verhältnisse. Umso mehr meine Rechtsvertretung versuchte, um so infamer waren dann die Gegenmassnahmen, solange wir es gütlich auf aussergerichtlichen Weg versuchten. Dabei ging es nur um die Aufhebung des widerrechtlich auf unwahren Behauptungen und Vorwürfen beruhenden Hausverbots.

    Meine Mutter hatte inzwischen Angst in ein anderes Heim zu müssen oder überhaupt eine Bleibe zu finden. Die Pflegebedürftigen verbringen die meiste Zeit mit dem Personal, sind dem ausgeliefert und abhängig. Alte Menschen lassen sich leicht beeinflussen und bevormunden, das geht ganz leicht.

    Ich unterschreibe voll und ganz, was du schreibst. Das kann nur derjenige, der ähnliches erlebt hat.
    Auch ich dachte, und hoffte, dass man bei einem Gespräch sein Bedauern ausdrücken würde, was da geschehen war, aber das Gegenteil war der Fall, man drohte mir.

    Vieles kann ich bestätigen, mit allen Mitteln der Niedertracht wurde da gearbeitet. Genau ähnliche Vorwürfe, ich würde der Mutter dies und jenes nicht gewähren, imeine Gespräche mit ihr würden ihr nicht gut tun usw.

    Und wie ist die Sache ausgegangen? Ja das Verdauen braucht Zeit, vergessen kann man es nie.
    Manch einer konnte mich nicht verstehen, meinten man bekäme eben in manchen Sachen kein Recht, aber sie hatten auch nicht die Lügen, das Mobbing und die psychoterroristischen Aktionen erlebt, noch konnten sie es glauben. Die Attacken betrafen ja mehrere Pertsonen, auch meine Rechtsvertretung diffamierte man als die Angelegenheit zu Ende ging..

    Und am Ende steht man betroffen da. Ein weiteres Vorgehen gegen das Heim hätte zu nichts geführt, obwohl ich Zeugen hatte und auch in den Schriften Nachweise hatte, wie man da log, gar Behauptungen aufstellte, die man wissenschaftlich widerlegen konnte.
    Meine Rechtsvertretung war erfahren, wusste was vor Gericht gelogen wurde, was Richter mitunter für fehlerhafte Urteile sprachen, deswegen das lange aussergerichtliche Bemühen.

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