Über die Sendung „Wetten dass…“ kann man nun denken wie man möchte. Es gibt Befürworter und natürlich auch Gegner zu diesem Sendeformat. Schließlich kann nicht jedem alles gefallen.

Es ist sowas von nervig lesen zu müssen, dass nun schon Jim Knopf aus der Puppenkiste mit Rassismus in Verbindung gebracht wird. Stürme der Entrüstung bei Twitter unter dem Hashtag #blackfacing sind losgebrochen, weil Markus Lanz im Rahmen einer Wette dazu aufgerufen hatte, dass sich Einwohner der Stadt Augsburg in der Halle einfinden müssen, die als Jim Knopf und Lucas verkleidet sind.

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Die beiden Kultfiguren der Augsburger Puppenkiste kennt wohl jeder und es ist auch kein Geheimnis, dass Jim Knopf und Lucas die Hautfarbe betreffend schwarz sind. Jim Knopf aufgrund seiner Herkunft dunkelhäutig und Lucas als Lokomotivführer wegen Ruß und Kohle. Logisch, dass die aufgerufenen Einwohner auch mit schwarzem Gesicht erscheinen sollten.

Die Puppenkiste und der Rassismus

Wo ist hier das Problem? Das hat doch beim besten Willen nichts mit Rassismus zu tun. Sind denn jetzt alle völlig durchgeknallt, sich deswegen derartig aufzublasen und eine absolut sinnbefreite Diskussion über Rassismus loszutreten?

Man muss es schon fast annehmen. Ich gehe sogar soweit dass ich behaupte, viele reden sich den Rassismus regelrecht herbei wenn er ihnen nicht ausreichend in den Medien erscheint. Es genügt demnach also nicht, dass man ein Zigeuner-Schnitzel nicht mehr beim Namen nennen darf weil es angeblich Minderheiten verletzt. Nein, jetzt nehmen wir uns schon die Märchenfiguren zur Brust und dichten ihnen an den Haaren Herbeigezogenes an.

Und dem nicht genug, einige gehen offenbar getrieben von blindem Aktionismus sogar soweit hier von „gebührenfinanziertem Rassismus“ zu sprechen. An anderen Stellen ereifert man sich sogar darüber, dass das ZDF sich zum Rassismusvorwurf nicht äußert. Ja was sollen sie denn jetzt machen? Markus Lanz und denjenigen, der die Saalwette eingereicht hat verhaften und zu lebenslänglicher Haft verurteilen?

Und am besten gleich noch die über 100 Paare die auf der Bühne erschienen mit verurteilen. Immerhin haben die den Rassismus „richtig ausgelebt“ in dem sie sich schwarz angemalt hatten.

Am besten greifen wir schon heute mal ein bisschen vor und reichen beim Verfassungsgericht Klage ein, den rußigen Freitag zu verbieten. Denn dabei handelt es sich nicht um eine karnevalistisches Ereignis sondern vielmehr um eine fremdenfeindliche Veranstaltung.

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Bei allem Verständnis dafür, wenn sich jemand gegen Rassismus ausspricht. Diesen verurteile ich ebenfalls, jedoch bleibe ich dabei auf dem berühmten Teppich. Das was hier lief und teils noch läuft ist einfach nur noch krank und kommt eindeutig aus der Kategorie „haben wir keine Probleme, dann schnitzen wir uns eben welche“.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

*** Bildquelle: Wenn nicht anders angegeben, eigene Aufnahmen oder Bilder von Pixabay bzw. Pexels. ***
17 Kommentare
  1. Lady sagte:

    Ja wenn man heute noch etwas von sich gibt sollte immer die innere Zensur auf Hochtouren laufen, sonnst wird einem schnell mal etwas angehängt was man gar nicht gesagt/geschrieben hat. Wir entwickeln uns massiv zurück, Toleranz wird bald zur Untugend erklärt und abgeschafft.

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    • Thomas Liedl sagte:

      @Lady: Willkommen an Bord von nicht-spurlos. :-)
      Du hast Recht, wobei hier nicht man Toleranz gefragt ist, sondern einfach nur ein bisschen Hirn. Man kann alles schlecht reden, ich kann auch einen 50-Euro-Schein mies machen weil er kein Hunderter ist. Solche Diskussionen haben zu 99% den Grund der Tatsachen verloren.

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  2. Veronika sagte:

    Hi Thomas,

    ich habe jetzt schon so viel zu dieser Debatte gelesen und finde das es nicht darum geht, dass sich Augsburger schwarze Schuhcreme ins Gesicht schmieren.

    Als ich das letzte Mal eine Wetten Dass Sendung vollständig sah, hatte diese 18 Mio. Zuseher, war originell, gespickt mit Weltstars und für Groß und Klein. Das dürfte jetzt 12 Jahre her sein.

    Die Jim Knopf Sendung hatte 6 Mio. Zuseher und war peinlich. Die Leute sind also nicht gefrustet darüber, dass sich Augsburger anmalen und damit Schwarzafrikaner verhöhnen, sondern dass sich überhaupt Augsburger für dieses Format anmalen.

    Ich würde mir so wünschen das dieses Format Wetten Dass endlich begraben würde, und ich im Jahr dafür 10,00 Euro weniger GEZ zahlen müsste.

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    • Thomas Liedl sagte:

      @Veronika: Wie gesagt, über Wetten dass… kann man denken wie man will. Ebenso über die GEZ. Aber aus dieser Sache einen solchen Hype zu machen kann ich nicht nachvollziehen. Deswegen wurden doch keine Schwarzafrikaner verhöhnt. Denn dann könnte ich auch sagen, dass jede Frau die sich morgens etwas dunkler getöntes Make-Up aufträgt damit automatisch Afro-Amerikaner verhöhnt. Mir geht das eindeutig zu weit.

      Deine Meinung respektiere ich dennoch.

      Antworten
  3. Alex sagte:

    Es ist ab und an echt nur noch peinlich, welche Diskussionen hier und da angestoßen werden. Es gab ja auch vor ein paar Wochen, Monaten eine Diskussion über den schwarzen Nikolaushelfer in den Niederlanden (zu finden, spiegel.de: Suche nach Niederlande + rassistisch), dass auch dieser diskriminierend und rassistisch wäre, da auch dieser immer „schwarz“ sei und den „Bösen“ darstellt?! Kranke Welt. Haben die Leute denn sonst echt keine Probleme?!
    So, tief durchatmen! :)

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    • Thomas Liedl sagte:

      @Alex: Ja diese Diskussion aus Holland kenne ich auch… vollkommen bescheuert und mindestens genauso peinlich wie das mit „Wetten dass…“. Ne Alex, andere Probleme scheint diese Welt nicht zu haben. Ich wäre extrem froh wenn ich dieses Problem hätte… ich wäre der glücklichste Mensch, da ich dann nämlich problemfrei wäre :-) .

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  4. Luigi sagte:

    Ich kann mir gut vorstellen das sich die betreffenden Gruppen krank lachen über diese Rassismusdebatte. Im übrigen nenne ich Zigeunerschnitzel immer noch Zigeunerschnitzel, den Negerkuss Negerkuss und Neger Neger. Mein Freundeskreis, bestehend aus Menschen vieler Nationalitäten und ethnischen Gruppen findet daran keinen Anstoß.

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    • Thomas Liedl sagte:

      @Luigi: Unnötige Debatten – sonst könnten sich Bewohner von Frankfurt aufregen weil „Frankfurter Würstchen“ verkauft werden, Hamburger mit den Hamburgern und ein „Züricher Geschnetzeltes“ könnte mit der Denkweise ggf. sogar auf ein Massaker in dieser Stadt hindeuten. Diese Beispiele könnte man noch sehr weit fortführen und sie zeigen nichts anderes als dass hier wie bereits erwähnt übertriebener Aktionismus betrieben wird.

      Und in Deutschland springt man darauf natürlich sofort an…! Ich habe übrigens auch absolut nichts gegen Leute mit anderer Hautfarbe. Ich bin weiß, der andere schwarz – na und. In erster Linie sind wir beide Menschen!

      Antworten
  5. Stephan sagte:

    Ich finde diese Art kleinkarierter „political correctness“ peinlich. Eigentlich müsste man sich für solche Individuen, die so einen Quatsch verzapfen, fast schon fremdschämen.

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  6. Wolfgang sagte:

    Ihr wisst schon, das der Auslöser die gleiche Anne Wizorek ist, die kürzlich diesen Sexismus-Shitstorm losgetreten hat? Man muss nur gegen jeden und alles sein und sich ganz doll über Publicity freuen können… :-(

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  7. Arno sagte:

    Nicht ärgern, den Wikipedia-Artikel „Euphemismus-Tretmühle“ anschauen und amüsieren.

    Hier ein Auszug:
    Die Euphemismus-Tretmühle ist eine sprachwissenschaftliche Hypothese. Sie besagt, dass jeder Euphemismus irgendwann die negative Konnotation seines Vorgängerausdrucks annehmen wird, solange sich die tatsächlichen Verhältnisse nicht verändern.

    Was lernen wir daraus: Der Neger bleibt schwarz, ganz gleich, wie man ihn nennt. ;)

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