Friedhof Grab

Mir ist in meinem Leben schon viel passiert und ich bin ganz sicher auch kein Heiliger. Früher bin ich für so manchen Schabernack zu haben gewesen, heute ohne meine Partnerin sind diese Zeiten vorbei und vergessen. Aber eines war ich nie, ein Mensch dem es am Respekt und Ehre Verstorbenen gegenüber gemangelt hat. Mich als einen Grabräuber zu verdächtigen, das ist schon ein starkes Stück. Was war passiert?

Wie jeden Tag war ich an jenem Samstag ebenfalls am Grab meiner Frau gewesen. Zum Wochenende hin legte ich dort immer Blumen nieder, weil es für eine Bepflanzung des Grabes noch etwas zu früh war. Das kühle Wetter ließ die Blumen locker eine Woche ansehentlich bleiben. In der Gärtnerei am Eingang zum Friedhof kannte man mich inzwischen schon. Auch diesmal sind drei rote Rosen mit ein wenig Tannengrün zu einem kleinen Gesteck gebunden worden – das gleiche wie letzte Woche, ich fand es einfach schön. Schlicht aber schön.

Anzeige

Weil die vorherige Woche nicht gerade winterlich gewesen ist die Temperaturen betreffend war das „alte Blumengesteck“ zwar nicht mehr taufrisch aber immer noch weitestgehend in Ordnung um es mit nach Hause zu nehmen. Es ist für mich ein kleines Stück des Platzes an dem meine Frau ihre letzte Ruhe fand das ich dann für zwei oder drei Tag noch zuhause hatte. Mag der eine oder andere als übertrieben sehen, „mir tat es immer gut“.

Als ich den Friedhof wieder verlassen hatte, das alte Gesteck in der Hand, meinte so ein alter Grieskram – so alt war er eigentlich noch gar nicht – zu mir

das ist ja schon komisch, Grünzeug nicht mit zum Friedhof zu nehmen, sondern es von dort heraus zu tragen. Habe gerade gelesen, dass Grabdiebstahl hier nicht gewünscht ist.

Ich erklärte ihm kurz, ich versuchte es zumindest, warum ich das kleine Gesteck dabei habe. Weiter sagte ich ihm, er könne sich gerne in der Gärtnerei hier erkundigen, ob ich dort vor etwa 20-25 Minuten ein frisches Gesteck gekauft habe. Er pöbelte und fuchtelte dabei mit den Armen nur weiter und meinte, so schlecht sehe das alte Gesteck ja nicht aus und ich habe es bestimmt irgendwo „mitgehen“ lassen.

Ich ließ ihn dann einfach stehen, es war mir schlichtweg zu dumm mit ihm zu diskutieren. Soll er gerne mein Kennzeichen notieren und mich dann wegen anzeigen, wegen was auch immer. Es ist richtig, solche Menschen gibt’s die sich im Friedhof bedienen und klauen gehen, also zum Grabräuber werden. Diese Leute zu stellen wenn man sie erwischt ist auch ehrenwert und nachvollziehbar. Dennoch sollte man ehe eine derartige Unterstellung ausgesprochen wird schon ein bisschen nachdenken oder den Diebstahl zumindest selbst gesehen haben. Nachdenken fiel ihm offenbar schwer und gesehen hat er sowieso nichts weil es in dieser Hinsicht auch nichts zu sehen gab.

Anzeige

Nun war ich ohnehin schon in gedrückter Stimmungslage immer wenn ich am Friedhof gewesen bin. Die „selbst durchgeführte Beisetzung“ meiner geliebten Frau werde ich nie vergessen und es packt mich stets aufs Neue weil der Weg zur Grabstätte weitestgehend der selbe ist wie an jenem Tag. Dann noch als Grabräuber bezeichnet zu werden, das rundete diesen Tag wirklich zur Gänze ab. Das hätte es definitiv nicht gebraucht.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

*** Bildquelle: Wenn nicht anders angegeben, eigene Aufnahmen oder Bilder von Pixabay bzw. Pexels. ***
0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst Dich informieren lassen wenn es Folgekommentare gibt. Du kannst aber auch abonnieren ohne zu kommentieren.