Centauktionen Praxistest

Um wirkliche Schnäppchen zu machen bedarf es guter Portale die solche anbieten. eBay war für mich bisher ein derartiges Portal. „War“ deswegen, weil die zunehmenden Negativerlebnisse mit dieser Auktionsplattform mir einfach den Spaß verdorben haben dort weiterhin aktiv zu bleiben. Auf der Suche nach Alternativen bin ich bei JustCent.de gelandet.

Diesen Anbieter habe ich mir nun ein wenig näher angesehen und getestet wo dort meines Erachtens die Stärken und Schwächen bei der Schnäppchenjagd verborgen sein könnten. Die dort angebotenen Artikel sind durchaus sehr reizvoll weil für nahezu jedermann – von der Hausfrau bis zum Technikfreak – etwas mit im Angebot enthalten ist. Und ein Smartphone im Wert von 400 Euro letztlich für 15 oder 16 Euro zu bekommen klingt durchaus interessant – zumindest auf den ersten Blick!

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Wie „tickt“ JustCents?

Die Artikel starten alle mit einem Preis von 0,00 Euro. Gebote abgegeben werden können immer erst innerhalb der letzten 30 Sekunden der rückwärtslaufenden Auktionsuhr. Jedes Gebot eines Mitglieds steigert den letztendlichen Verkaufswert um 1 Cent, kostet dem Mitglied aber 50 Cent Gebotsgebühr. Gebote können in verschiedenen Paketgrößen erworben werden, jeweils zum Einzelpreis von 50 Cent. Der Kauf eines größeren Pakets mindert den rechnerischen Gebotspreis geringfügig.

Läuft die Auktionsuhr ab erhält der Bieter der als letztes ein Gebot abgegeben hat den Zuschlag und das jeweilige Produkt zum angezeigten Preis. Ein aktuelles Beispiel, einen iMac Desktop-PC im Wert von 1499 Euro für „mickrige“  34,07 Euro. Als unterlegener Bieter besteht die Möglichkeit innerhalb von 7 Tagen den Artikel zum eigentlichen Verkaufspreis zu erwerben. Man erhält im Gegenzug dazu die abgegebenen Gebote zurück erstattet.

Doch Vorsicht: Wer hier denkt, das würde den Preis mindern irrt. Die Rückerstattung wird weder vom Preis abgezogen noch in Bar ausbezahlt. Es werden die hierfür verbrauchten Gebote lediglich wieder für andere Auktionen zur Verfügung gestellt, das Gebotskonto also wieder aufgefüllt.

Höhere Verkaufspreise

Bei den angegebenen und eigentlichen Verkaufspreisen fiel mir auf, dass diese in den meisten Fällen eher überzogen sind. Der oben bereits genannte iMac bspw. ist ganz offiziell schon für 230 Euro weniger als hier angegeben zu haben. Ein höher Wert steigert natürlich auf gewisse Art und Weise auch den Willen des Bieters dieses Gerät zum Schnäppchenpreis erhalten zu wollen.

Eine psychologische und durchaus legitime Verkaufstaktik die natürlich nur dann aufgeht, wenn der Bieter sich nicht vorab etwas informiert was die aktuelle Preislage angeht. Zumindest dann wenn man sich mit dem Gedanken trägt den Sofortkauf in Anspruch zu nehmen.

Achtung Suchtfaktor

Beim Preis von 50 Cent pro Gebot kann die Sache auch schnell aus dem Ruder laufen. Trifft man hier auf hartnäckige Bieter wird das Objekt der Begierde zwar immer nur um einen Cent teurer – wenn man es denn letztlich auch bekommt – aber die vielen Klicks können ganz nebenbei auch ein richtiges Loch ins Finanzgebälk reißen. Letztendlich müssen die abgegebenen Gebot mit zum Kaufpreis gerechnet werden.

Während meiner Testphase konnte ich da wahre Extremklicker beobachten. In jedem Fall sollte man sich ein persönliches Limit setzen und nicht nur noch den Blick für den Artikel besitzen! Für sein eigenes Tun kann der Anbieter natürlich nichts.

Der angebotene Bietagent, welcher automatisch eine von mir vorgegebene Anzahl an Geboten setzt konnte mich nicht überzeugen. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein „Last-Minute-Gebot“ bei mehreren Bietern auch wirklich oben stand lag erheblich höher wenn ich die Gebote manuell abgesetzt habe. Denn nur der „Obenstehende“ hat auch die Zuschlagschance. Abgesehen davon ermöglichte mir der Agent nicht die Auktion aus dem Auge zu lassen.

Fazit zu JustCents

Vorteil

Die gekauften Gebote geschickt eingesetzt führen zum Erfolg und sparen je nach angebotenem Artikel richtig Geld. Für kleines Geld können ggf. auch große Gebotspakete erworben werden welche dann wiederum einen größeren Spielraum beim Bieten ermöglichen.

Bei JustCents.de können durchaus wahre Schnäppchen gemacht werden – manchmal relativ schnell oder unter Umständen über Stunden hinweg. Ein Spaß- und Jagdfaktor ist definitiv gegeben.

Nachteil

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Der Zeitaufwand ist gerade bei elektronischen Artikeln teils enorm hoch weil man permanent die Auktion im Auge haben sollte / muss um sein Ziel zu erreichen. Wer den Überblick für die Anzahl seiner Gebote verliert kann u.U. auch draufzahlen. Gerade als Neuling kann dies relativ schnell passieren. Ein Sofortkauf macht den Artikel teurer, weil zwar die abgegebenen Gebote zurückerstattet werden, dies allerdings nicht in Form von Bargeld oder Verrechnung mit dem Kaufpreis.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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3 Kommentare
    • Thomas Liedl sagte:

      @Alex: Man will ja hoffen, dass es JustCents nicht so geht wie swoopo einst. Ich hab es mal getestet, ausgedehntere Käufe werde ich dort sicher nicht tätigen. Nicht zuletzt auch mangels der Zeit die dafür nötig ist.

      Antworten
  1. WobIntosh sagte:

    Ich glaub‘ ja nicht, dass solche Seiten für die Käufer einen Vorteil bringen. Lässt sich ganz einfach begründen: Niemand ist so – ‚tschuldigung für den Ausdruck – bescheuert, einen 1500€ Rechner für unter 100€ zu verkaufen, wenn das Teil nicht der Inbegriff von Schrott ist. Es ist davon auszugehen, dass mindestens der B2B-Einkaufspreis plus Gewinn eingenommen wird.

    Nehmen wir mal das Beispiel mit dem iMac für 34,07€. Das sind 3407ct. Da jedes Gebot den Preis um einen Cent steigert, müssen also 3406 Gebote abgegeben worden sein (1ct Startpreis). 3406*50 sind 170300ct bzw. 1703€. Sind 200€ mehr als der Normalpreis. Die Firma macht also dick Gewinn.

    Sicher, das mag für einzelne User funktionieren, wenn man Glück hat findet man sicher mal was. Aber die Frage ist halt, wie viele Gebote man bis dahin in den Wind geschossen hat.

    Fazit: Finger von lassen. Das Risiko, viel mehr auszugeben als bei Amazon ist sicherlich ziemlich groß, zumal man den von dir schon angesprochenen Suchtfaktor mit einberechnen muss.

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