[meinung]Ausgestattet mit der Überschrift „Stichprobenerhebung über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt“ kommt der 34-seitige Fragebogen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder daher, den ein Interviewer nach schriftlicher Vorankündigung ausgefüllt wieder mitnehmen möchte.
In 124 Fragen, teils mit Buchstaben unterteilt, findet die nahezu „Komplettdurchleuchtung“ des Bürgers statt. Doch man sollte bei der Auswahl der zu befragenden Bürger schon ein wenig genauer hinsehen, da es Personenkreise (Rentner, Pensionäre) gibt, die 90% des Fragebogens gar nicht beantworten können.
Wie viele Personen haben Mittwoch letzter Woche in Ihrem Haushalt gelebt?
gibt es auch eine „Abteilung“, in der eben z.B. ein Rentner gefragt wird
Angenommen, Ihnen wäre in der letzten Woche eine bezahlte Tätigkeit angeboten worden, könnten Sie diese bis Ende nächster Woche aufnehmen?
die er dann wegen seines Rentnerstatus mit NEIN beantwortet und sich deswegen dieser Frage gegenüber sieht
Aus welchem Hauptgrund könnten Sie eine Tätigkeit nicht innerhalb von 2 Wochen aufnehmen?
- Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit
- Aus- oder Fortbildung
- Persönliche oder familiäre Verpflichtungen
- Aus sonstigen Gründen
Die Antwortmöglichkeit „Rentenbezieher“ ist hier gar nicht vorgesehen, schon irgendwie belustigend hinsichtlich der Begründung zum Zweck dieser Befragung. Diese soll nämlich ein zuverlässiges Bild der Lebensverhältnisse in unserem Land wiedergeben und gleichzeitig vergleichbare Ergebnisse innerhalb der EU liefern.
Und damit keiner die Chance hat zu sagen, das ganze ist mir zu blöd, ist die Teilnahme an der Befragung gesetzlich vorgeschrieben -> Mikrozensusgesetz.
Es lebe der gläserne Mensch (dort wo es ihn noch nicht vollends gibt). Irgendwann erscheint dann wieder eine Statistik, mit Zahlen in denen sich keiner wiederfinden kann und die so hilfreich ist wie ein Kropf.
[update]06.12.2008: Exakt 1 Jahr nach Erhalt dieses oben näher beschriebenen Dokuments kam heute das gleiche erneut wieder, ausgewählt im Zufallsverfahren. Es scheint zu einer dauerhaften Seuche zu werden.


Das ist einfach unglaublich.
Ein Bekannter hat mir erzählt, er habe da einen dubiosen Fragebogen und wäre von einem noch dubioseren “Interviewer” unter Strafandrohung bedrängt worden die Fragen zu beantworten.
Als erste Reaktion riet ich ihm das bloß sein zu lassen und im Ernstfall Anzeige zu erstatten, denn man bildet sich ja ein, der Staat schütze einen vor solchen Betrügern. Bei näherer Betrachtung stellte sich dann heraus, dass es sich bei der Sache tatsächlich um den Staat selbst handelt, der dort in den Privatangelegenheiten der guten Bürger schnüffelt. Und das mit Strafandrohung bis hin zur Verhaftung!!!
Wo leben die Deutschen eigentlich? In Neu-Stasi-Land?
Ich habe die Fragen durchgelesen. Egal wie man es dreht und wendet,das Ganze erscheint mehr als unseriös, so naiv kann man gar nicht sein um da nicht zu bemerken, dass irgendetwas gewaltig stinkt.
Und wenn die Fragen doch so harmlos sind, warum wollen sie einen dann zwingen sie zu beantworten? Offenbar sind sie sich selbst bewusst, wie dubios das alles ist. Doch Widerstand darf bei dieser Sache nicht hingenommen werden, wie es aussieht. Seltsam, seltsam.
Wieso hat man bisher nie etwas über “Mikrozensus” gehört, bevor er einem ins Haus flattert oder man sich besonders mit dem Thema “Kontrollstaat” beschäftigt? Will der Staat nicht den Unmut der Allgemeinheit wecken und informiert daher die Öffentlichkeit gar nicht bis geringfügig? Ist die Taktik hier: Ball flach halten? Wieso? Wenn doch alles mit rechten Dingen zugeht…
Was hat der Staat davon, zu wissen, wie viele Personen letzten Mittwoch in meinem Haushalt lebten? Was war denn letzten Mittwoch? Eine Flutwelle von illegalen Einwanderen, die nun geortet werden sollen?
:?:, wieso letzte Woche?)krank war und warum so ein fauler Hund nicht arbeitet.
Ein wenig versteh ich von den Möglichkeiten, die sich aus der Verknüpfung von Einzeldaten ergeben. Selbst wenn man nicht Name, Adresse, Telefonnummer, etc. angeben müsste (was ja angeblich separiert gespeichert wird – oh, das anonymisiert die ganze Sache natürlich völlig…), könnte man allein aus der logischen Verknüpfung der Daten und nem Telefonbuch genau herausfinden um wen es sich handelt. Wahrscheinlich sogar ohne Telefonbuch …
Fantastisch! Wäre ich Einbrecher, wüsste ich genau, wann welche Wohnung leer steht.Wäre ich ein Vertreter (was noch harmlos wäre) wüsste ich genau, wann ich wen, wo zu Hause erwische.
‘Wer arbeitet nebenbei schwarz?’ Kein Problem, lässt sich herausfinden. ‘Den bösen Bürgern muss kräftig auf den Zahn gefühlt werden, die verscheißern den Staat doch wo sie können.’
‘Wo hocken die geistig labilen, kränklichen und arbeitsscheuen Säcke?’ Da schaut man doch mal in die tolle Datenerhebung.Da steht ja, wer “letzte Woche” (
Die Lebenseinstellung des Befragten kann sogar ein mäßig begabter “Profiler” (ich nenne es mal so) zwischen den Zeilen herauslesen.Und noch einiges Interessantes mehr.
‘Hoffentlich haben die Trottel von “Interviewteilnehmern” die Fragen auch wahrheitsgemäß beantwortet.’ Aber der Großteil wird wohl eingeschüchtert genug gewesen sein um Selbiges getan zu haben. ‘Immerhin muss man ja bei der nächsten “Säuberung” wissen, wo der gesellschaftliche Ballast und Abschaum zu finden ist…’
Man verzeihe mir an dieser Stelle den Sarkasmus, aber weiß ich wohin das alles führt? Kann man einem Staat vertrauen, der einen unter Strafandrohung zwingt Dinge zu erzählen, die man nicht erzählen will, sei es auch nur, weil es auf den ersten Blick so blödsinnig erscheint, dass danach überhaupt gefragt wird? Weiß man wirklich, ob bei dem Verwendungszweck für die erhobenen Daten nicht schlichtweg gelogen wird und ein völlig anderes Ziel dahintersteckt? Weiß man, welche Daten diese Leute insgeheim schon haben und mit diesen zusammen haben sie vielleicht schon den heiß ersehnten gläsernen Bürger?
In Deutschland sollten sich die Bürger langsam Gedanken darüber machen, in welche Richtung das Schiff gerade steuert und ob man das nicht irgendwann schon mal im Geschichtsuntericht gehört hat…
… und dann sollte man schleunigst versuchen, dass man da weg kommt, solange es noch geht ohne erschossen zu werden…
Viel Glück dabei!
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6. Dezember 2008 - Zufall oder eher Dauerseuche? « Nicht spurlos