Wer jung ist und sich bester Gesundheit erfreut der macht sich um vieles Gedanken aber ganz sicher nicht darum, was mit den ganzen Daten im Internet nach seinem Tod geschehen mag.

Der eigene Blog, die ggf. zahlreichen E-Mailaccounts (in erster Linie Freemailer) und sonstige Zugänge zu denen man Passwörter benötigt… wenn ich gestorben bin dümpelt alles vor sich hin und niemand kümmert sich darum. Letzteres vielleicht auch oft nur deswegen, weil die nächsten Angehörigen gar nicht alle verwendeten Zugänge kennen und somit nicht für „Recht und Ordnung“ sorgen können. Auch der heimische PC oder Laptop beinhaltet Daten, die hier nicht vergessen werden sollten.

Ganz sicher mag der eine oder andere denken, „was schert das mich, ich bin ja nicht mehr da“. So einfach ist es aber nicht. Mal abgesehen davon, dass sich Dritte meine dann ehemalige Identität schnappen und damit alles mögliche machen können liegt es auch in meinem ganz persönlichen Interesse „hinterher“ alles geregelt zu wissen. Es würde bspw. auch niemand auf die Idee kommen den Briefkasten eines Verstorbenen weiterhin „in Betrieb“ zu lassen.

Nichts anderes ist es auch mit all den genannten Zugängen im Internet die es ohne Zweifel gibt wenn ich aktiv am Internetgeschehen teilnehme.

Digitales Erbe mit allen Rechten und Pflichten

NotfallordnerHab und Gut geht nach meinem Tod an meine Erben über. Sofern es sich hierbei rein um technisches Equipment handelt muss ich mir keine Gedanken machen. An dieses Equipment sind aber nicht selten auch Verträge geknüpft wie Mobilfunkverträge, Webhosting und andere Dienste, ob kostenpflichtig oder nicht. Die Pflichten aus diesen Verträgen gehen ebenfalls an die Erben über ohne dass sie vielleicht zunächst Kenntnis davon haben.

Mitgliedschaften gehen nicht auf die Erben über und sind meist in den AGBs der entsprechenden Portale geregelt.

Ob mein Internetprofil in ggf. abgeänderter Form bestehen bleiben soll oder nicht liegt im Ermessen meiner Erben sofern es nicht durch mich geregelt wurde. Was soll eigentlich mit meiner Internetpräsenz werden? Nachfolgende Artikel wird es zwar keine mehr geben, doch auch das bereits Geschriebene gilt es nicht zu vergessen. Insbesondere sei hier auf den deutschen Abmahnwahnsinn hingewiesen der nach dem Tod auf die Erben zurückfallen würde!

Ich könnte mir eine Art von „Gedenktafel“ vorstellen, die an dieser Stelle anstatt des Blogs entstehen könnte. Alles kann und nichts muss. Hier sind der eigenen Kreativität so gut wie keine Grenzen gesetzt solange alles rechtzeitig vorbereitet ist.

Meine Daten in der Hand von Dritten

Es gibt Dienste im Netz die gegen entsprechende Bezahlung anbieten die Regelung aller digitalen Angelegenheiten im Todesfall zu übernehmen und nach eigenen Wünschen abzuwickeln. Einen dieser Dienste werde ich mir demnächst etwas näher ansehen und im Rahmen eines Praxistests hier darüber berichten.

Solche Dienste in Anspruch zu nehmen muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden.

Testament in digitaler Form ist ungültig

Dass ein Testament für seine Gültigkeit handschriftlich sein oder noch besser von einem Notar beglaubigt werden soll ist uns allen klar. Aber auch die von mir gewünschten Vorgehensweisen mit all den Daten im Netz müssen einem Testament ähnlich handschriftlich abgefasst werden. Ein Word- oder pdf-Dokument auf dem PC wäre hier ebenso wenig gültig wie das maschinengeschriebene Testament als solches.

Der letzte Wille als solches nützt aber in der Praxis relativ wenig, wenn die Erben sich gerade hinsichtlich komplexerer Aufgaben wie Facebook-Account oder Blogadministration nicht auskennen. Es empfiehlt sich also rechtzeitig eine technisch entsprechend versierte Person mit ins Boot zu holen, welche die direkten Erben bei diesen Aufgaben entsprechend unterstützen kann. Das Vertrauen dieser Person gegenüber sollte natürlich absolut uneingeschränkt sein, das versteht sich von selbst.

Vorsorge – der Name sollte Programm sein

Der Begriff Vorsorge sollte beim Wort genommen werden. Wie auch die Vorsorge zur eigenen Person sollte unser digitales Dasein bei Zeiten in die richtigen Bahn gelenkt werden. Mit alle dem was ich heute bereits geregelt habe erweise ich meinen Erben einen großen Gefallen, denn nach einem Todesfall steht jedem der Kopf nach allem möglichen, aber ganz sicher nicht nach digitalem Geplänkel.

Das mag sich jetzt alles etwas makaber anhören ist es jedoch keineswegs, denn niemand kennt den letzten Tag seines Daseins. Hier greift in jedem Fall der alte Spruch „was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Zumindest darüber nachdenken….. das wäre jetzt schon ein Schritt in die richtige Richtung.