Eine auf den ersten Blick vielleicht merkwürdige Frage. Doch nach 1½ Jahren im Saarland lebend muss ich mir diese Frage tatsächlich und allen Ernstes stellen. Hätte ich so vorneweg auch nicht vermutet. Nun könnte vielleicht der eine oder andere der mich besser kennt sagen, „diese Frage stellt ausgerechnet jemand der in der Nähe eines Flughafens gewohnt hat“. Ich müsste ihm allerdings entgegnen, dass Lärm nicht gleich Lärm ist und es hier feine Unterschiede – auch bezogen auf die Lärmquelle – gibt. Aber wie komme ich eigentlich auf die Idee, dass man in Saarbrücken den Lärm für die eigene Zufriedenheit braucht? Lasst es mich erklären…..

Lärm ist ja etwas, auf das jeder Mensch anders reagiert. Vor allem auch die Wahrnehmung von Lärm kann sehr unterschiedlich sein. Selbst wenn manch einer die Musik aufdreht, dass es vom Geräuschpegel einem Presslufthammer gleich kommt, empfindet er den Presslufthammer als deutlich störender als seine selbst abgespielten Rhythmen. Wenn uns etwas „gefällt“ stört es uns weniger oder auch nicht als wie wenn uns etwas nicht zusagt.

LärmDie Empfindung, wann Geräusche Lärm sind und wann nicht ist also als sehr subjektiv zu betrachten. Ich habe wie schon erwähnt in der Nähe eines Flughafens gewohnt und auch eine stark befahrene Eisenbahntrasse in einer Entfernung von rund 50 m Luftlinie ist mir hinreichend bekannt. Keines der beiden genannten Beispiele würde ich als wirklich „störenden Lärm“ bezeichnen. Klar kommt hier auch der nachweisliche Gewöhnungsfaktor für Lärm mit zum tragen, trotzdem kann ich damit gut umgehen.

Diese kurze aber noch längst nicht vollständige Liste soll kurz aufzeigen, „was sich hier so tut“ und teilweise auch zu welchen Zeiten dies geschieht.

  • Rasenmähen am Samstagabend um nach 20 Uhr
  • Anlieferung von Kaminholz am Feiertag
  • Garagenwände neu verputzen / spachteln am Feiertag
  • die Abholung / Verladung eines Leihbaggers morgens um 6 Uhr
  • mit der Motorsäge Holz schneiden für das Grillvorhaben am Sonntagmittag
  • Dachplatten aus dem 3. OG auf die Ladefläche eines LKW werfen
  • nahezu regelmäßiger Smalltalk von heimkehrenden Gaststättenbesitzern / -angestellten nachts ab halb zwei
  • Sand, Kies und andere Baustoffe sonn- und feiertags mit der Schubkarre auf dem Grundstück verteilen – auch keine wirkliche Seltenheit

Ob dann nachts noch die Feuerwehr „mit Hurra“ durch menschenleere Straßen fährt spielt fast schon keine entscheidende Rolle mehr und rundet das saarländische Krawallrepertoire höchstens noch etwas mit ab. Meinetwegen, sollen sie mal machen. Stören tut mich von alledem nicht wirklich was. Ich fühle mich nur jedes Mal aufs neue darin bestätigt – der Saarländer muss Lärm irgendwie generell als ein essentielles Element in seinem Leben sehen. Erst wenn es kracht und scheppert scheint es gut zu sein. Anders kann ich mir sowohl „die Produktion“ des Lärms als solches wie auch den Umgang damit nicht wirklich erklären.

Was mich manchmal dann doch erstaunt und vielleicht auch ein kleines Stückchen weit stört ist die bedingungslose Dreistigkeit mancher Leute wie z.B. das stundenlange kratzen und schaben mit der Maurerkelle an Garagenwänden oder einfach auch die alleinige Inbetriebnahme einer Motorsäge an einem Sonntag geschweige denn deren längeren Einsatz. Auf derartig „kranke Ideen“ würde ich nie kommen und selbst wenn die vermeintliche Wichtigkeit extrem hoch wäre. Umgangssprachlich sagt man dazu auch Rücksichtnahme. Doch wie die Überschrift schon anreißt, man gewinnt wirklich den Eindruck als würden einige den Lärm gerne zu verursachen und brauchen um unter dem Strich zufrieden(er) zu sein.

Generell ist es für die geografische Lage und Größe des Stadtteils, im Vergleich zu anderen selbst bereits bewohnten Gegenden ungewöhnlich laut. Es gibt jedenfalls Tage und Zeitfenster an denen man sich echt die Frage stellt: Lauter kann es an der Pariser Champs-Élysées doch auch nicht wirklich sein, oder?