Lebenserwartung

Mit Statistiken ist es ja generell so eine Sache. Um so einem Zahlenwerk wirklich eine gewisse Portion Vertrauen zu schenken bedarf es immer sehr viel an Phantasie. Bei den üblichen Statistiken schaut man einfach drüber hinweg. Es gibt aber auch derartige Erhebungen, die den einen oder anderen dann doch aufhorchen lassen.

Ebenfalls mit statistischen Daten und in Verbindung mit epidemiologischen Studien (die Lehre von der Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten) wurde nämlich meine Lebenserwartung bei einem Test auf Focus Online berechnet. Dazu mussten etwa 15-20 Fragen beantwortet werden deren Auswertung bei mir letztlich eine Lebenserwartung von 51,32 Jahre ergab.

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Völlig ungeschönt und so gesehen knallhart wurde mir mitgeteilt: Laut unserem Rechner haben Sie damit noch 2,32 Jahre zu leben. Weiter hieß es dort, dass in meiner Region das durchschnittliche Alter bei 78,94 Jahre läge. Na vielen Dank auch, dann wird es aber langsam Zeit gewisse Dinge noch zu regeln. Zwei Jahre sind ja ein nicht unbedingt großer Zeitraum.

meine-lebenserwartung

Screenshot aus Focus Online

Unterhalb dieser Auswertung wird zwar darauf hingewiesen, dass das Ergebnis dieses Tests eben auf diesen bereits genannten epidemiologischen Studien beruhe und es sich dabei nur um meine individuelle Lebenserwartung handle.

Darüber hinaus gilt dieser Test ausschließlich für Gesunde. Wer an Krankheiten wie Krebs, Herzleiden, Diabetes und anderen Krankheitsbildern leidet, bei demjenigen verkürzt dies sowieso die Lebenserwartung und das könne hier nicht berücksichtigt werden.

Nun, zu den Gesunden dieses Landes zähle ich mit absoluter Sicherheit nicht. Bleiben mir dann also noch weniger als die prognostizierten 2,32 Jahre? Lohnt es sich überhaupt noch diesen Artikel komplett fertig zu stellen?

Tests zur Lebenserwartung sind verantwortungslos

Von dem Ergebnis dieses Tests lasse ich mich in keiner Hinsicht beunruhigen. Auch die darin enthaltene „statistische Ernsthaftigkeit“ desselben zaubert mir eher ein mildes Lächeln ins Gesicht. Aber das sehen längst nicht alle so gelassen. Ich bin mir sicher, dass eben diesen Test auf Focus Online auch Leute durchgeführt haben, die für derartige „Wahrsagungen“ sehr empfänglich sind.

Einem solchen Menschen dann unverblümt und ebenso anonym wie der Test selbst sein soll mitzuteilen, dass er nur noch kurz zu leben hat halte ich zu einem gewissen Prozentsatz für verantwortungslos. Dies nicht nur deswegen, weil er explizit an einen Artikel über Herzerkrankungen geknüpft wurde und schon alleine deswegen mit ängstlicheren Leser gerechnet werden muss, sondern weil die Redakteure von Focus Online die Tragweite einer solch negativen Auswertung nicht einschätzen können.

Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass sich wegen dieser Auswertung jemand gleich das Leben nehmen wird. Aber dass Personen hierdurch völlig unnötig und nur anhand statistischer Werte in ein Tal von depressiver Stimmung geschickt werden halte ich durchaus für vorstellbar.

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War es das dann wert so einen Lebenszeitrechner online zu stellen? Ein wenig mehr Feingefühl sollte auch von Onlineredaktionen erwartet werden dürfen wenn es um Themen geht, bei denen nicht jeder himmelhochjauchzend einer solchen Auswertung begegnen wird – zumindest für die Zukunft.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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9 Kommentare
  1. Marcus sagte:

    Ich habe den Rechner auch mal getestet, mit geringen Abweichungen.

    Bei mir kommen zwischen 29 und 37 Jahre heraus.

    Und was Deine Kritik anbelangt: Lotto verspricht auch, Millionäre zu machen. Aber nur sehr wenige gewinnen auch Millionen.

    So gesehen: Wer dort mitmacht, sollte sich über den mutmaßlichen Charakter des Tests bewusst sein!

    Antworten
  2. Marcus sagte:

    Nein, Kritik ist sicher nicht mein Hobby!

    Aber ich halte den Test nicht wirklich für so gravierend, das man ihn überbewerten sollte.

    Man kann sich auch morgen ins Auto setzen und unter einen Lkw rauschen. Dann hat sich das mit einer möglichen Lebenserwartung, von wievielen Jahren auch immer, ganz erledigt ;)

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    • Thomas Liedl sagte:

      @Marcus: Bei solchen Dingen kommen wir beide auf keinen grünen Zweig. Man kann natürlich für alles ein Für oder Wider finden. Ich habe es so empfunden und sehe es auch nach wie vor so. In meinen Augen ist es unseriös aus dem von mir benannten Gründen.

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      • WobIntosh sagte:

        Meiner Meinung nach ist der Test durchaus gravierend daneben – die Faktoren, die jetzt zutreffen können sich ja durchaus noch ändern. Bekommt man ne Autobahn vor die Tür, hört mit Rauchen auf, konvertiert zum Vegetarismus, säuft sich die Birne weg, nimmt ab, nimmt zu… Es gibt so viele Faktoren, die beachtet werden müssten, das kann mit diesem Test wohl kaum komplett abgebildet werden. Und es gibt halt noch massig andere Faktoren, die garnicht erst abgefragt werden – Sport kann gesund sein. Man kann aber auch bspw. American Football spielen, wo das Verletzungsrisiko wesentlich größer ist als bei bspw. Golf.

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  3. WobIntosh sagte:

    Ich finde das durchaus gravierend – es gibt zu viele Faktoren. Ob sich die abgefragten Faktoren ändern (mit Rauchen aufhören, plötzlich Hauptverkehsstraße vor der Tür, an Gewicht zulegen, …) oder andere Faktoren wichtig werden, die gar nicht abgefragt werden. Es macht schon einen Unterschied, was für einen Sport man macht (Boxen vs. Golf sind wohl der krasseste Unterschied). Dazu kommen natürlich auch Faktoren wie Stärke des Immunsystems, ggf. geistige Krankheiten etc. pp.

    Kurzum: Es gibt schlichtweg viel zu viele Faktoren, als dass das mit einem einfachen Onlinetest beurteilt werden könnte. Bei dir mag es kein Problem sein, dass dir nur noch knapp 2 Jahre vorhergesagt werden – weniger geistig gefestigte könnten daraus ernsthafte physische Probleme entwickeln. Die können das Leben dann sicherlich auch verkürzen, und damit meine ich nicht einmal Selbsttötung.

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