europareise

Einsteigen und wieder aussteigen – wenn etwas kontrolliert wird dann maximal der Fahrschein. Das war es dann aber auch schon gewesen in Sachen Kontrollen wenn man innerhalb Europa eine Reise unternimmt. Und ich ziele hier speziell auf das Reisen mit der Bahn ab. Was den einen sicherlich freut macht das ganze Unterfangen aber auch auf eine Art langweiliger. Man bekommt doch gar nicht mehr wirklich mit „wann“ man in einem anderen Land angekommen ist, es durchquert oder was auch immer. Das Auftreten der jeweiligen Zoll- und Grenzbehörden, ausfüllen von Einreisekarten und der „strenge Blick“ auf das Gepäck. All dies gehört zur Durchquerung mehrerer Länder einfach dazu wie ich finde. Stichprobenartige Kontrollen ändern daran auch nichts, das ist nicht dasselbe.

Ich erinnere mich da noch sehr gerne an die Zeit, als ich vier Wochen mit dem dicken Rucksack auf dem Rücken per Interrail-Ticket quer durch Europa fuhr – ausschließlich mit der Bahn selbstverständlich. Damals kostete das Ticket 410 D-Mark, heute liegt man hier schon bei etwas über 500 €. Und am Ende – eben auch durch „unberechenbare Grenzkontrollen“ und einigem anderen mehr – schaffte ich es gerade noch 3 Stunden vor Ablauf meines Tickets wieder am Heimatbahnhof anzukommen. Heute würde man dazu nur sagen, „das war alles Timing“.

Diese einstigen Grenzen in Europa spielen in meinem Unterbewusstsein immer noch eine Rolle weil ich sie eben „live“ erlebt habe und nicht nur via eines Geschichtsatlas. Doch langsam und der Reihe nach.

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8617 km in 30 Tagen quer durch West-Europa

Mit keinem anderen Verkehrsmittel (Busse einmal ausgenommen) lernt man Land und Leute besser kennen als wenn man mit dem Zug reist. Und dabei wählt man am besten auch mal Regionalzüge um dies noch zu intensivieren. Auch wenn man oft die Sprachbarrieren mangels einer noch gar nicht erfundenen Übersetzer-App mit den sprichwörtlichen „Händen und Füßen“ überwinden musste, es klappte am Ende immer und man hatte richtig Spaß dabei. Gestartet in Augsburg war das erste Ziel erst mal Italien, über Mailand und Florenz in die Hauptstadt nach Rom.

Am Mailänder Dom hatte ich die von einigen Leuten vorhergesagte Taschendiebmentalität einiger Italiener mal etwas näher „ausgelotet“. Auf den Stufen zur Kathedrale ist immer sehr viel los und als ich diese hinauf stieg hatte ich in meiner rechten Gesäßtasche eine alte Geldbörse stecken. Diese hatte ich so platziert, dass man sie gerade eben noch so stecken sah. Oben am Dom angekommen war die Geldbörse weg und das natürlich ohne dass ich davon auch nur ansatzweise etwas mitbekommen hätte. Der Mythos in den Achtzigern vom italienischen Taschendieb  – er war eindeutig bestätigt worden.

In der Geldbörse war nur ein gefalteter Zettel von mir mit den Worten „questa volta sei sfortunato“ was so viel bedeutet wie „diesmal haste Pech gehabt“. Ja, ein bisschen böse war ich damals auch schon veranlagt – denjenigen gegenüber, dies es eben nicht besser verdient hatten!

Weiter führte die Route entlang der italienischen Riviera nach Frankreich (Monaco/Nizza) und einem „Abstecher“ nach Genf bis an die französische Atlantikküste nach Hendaye. Dort begann dann die mit 1100 km längste Fahrt, runter nach Lissabon und später weiter bis Lagos (Portugal, Algarve). Unterwegs auch mal in Gesellschaft von etlichen Hühnern die im Abteil mitfuhren – warum auch nicht. Andere Länder, andere aber interessante Gepflogenheiten.

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Auf Portugals weiten Feldern

Heiß war es, draußen und im Zug noch etwas mehr. Und wohl ist es mit der Zeit auch der Diesellok etwas zu warm geworden und sie ging erst einmal in den Streik. Durchsagen, also Bekanntmachungen was denn nun los sein waren damals ein Fremdwort. Es dauert schon eine knappe Stunde bis wir überhaupt erfuhren was denn genau los ist. Der Motor war komplett hinüber und das auf einer eingleisigen Strecke zwischen Guarda und der Grenze nach Spanien. Mit anderen Worten, bis ein „Abschleppdienst“ kommt – das kann dauern. Tat es letztlich auch, nämlich gut 4 Stunden.

westfrankreich
Küste bei Hendaye

Allerdings hatte ich in diesen 4 Stunden eine Menge Spaß. Angefangen von Ballspielen auf den angrenzenden Feldern bis hin zum portugiesischen Grillabend neben dem Waggon. Sowas erlebst du nur im Ausland. Trotz der mächtigen Verspätung war niemand wirklich sauer gewesen.

Nur meine Anschlusszüge in Spanien und Frankreich, die dürften allesamt weg sein. Das kam mir immer wieder in den Kopf, weil mein ursprünglicher Fahrplan für die Heimreise ohnehin schon „knapp bemessen“ gewesen war.

Irgendwann und mit noch viel mehr Verspätung kam ich letztlich in Irun/Hendaye (Grenz Spanien/Frankreich) an. Um wieder Zeit gut zu machen und den einst geschmiedeten Fahrplan noch halbwegs zu retten blieb nur der Wechsel auf einen zuschlagpflichtigen Expresszug nach Paris.

Der fiese Möpp der französischen Bahn

An diesem Tag haben die Franzosen einen fiesen Charakter bewiesen. Am Schalter wollte ich die Zuschlagkarte kaufen, einer vor mir sprach mit dem Bahnbeamten englisch und ich dachte mir – das passt, denn mit der französischen Sprache kannste mich jagen. Und als ich an der reihe war, ich ihm auf englisch sagte was ich möchte stellte er auf stur. Er verstehe kein englisch machte er mir wild händefuchtelnd klar. Dass er eben noch englisch verstand, davon wollte er nichts wissen. Er wollte einfach nicht verstehen weil ich Deutscher war, das lag auf der Hand.

Somit konnte ich keinen Zuschlag kaufen und musste im Zug – natürlich deutlich teurer – den Aufpreis bezahlen. Seit dem Tag hab ich schon ein bisschen einen Groll auf die Franzmänner. Klingt nachtragend ich weiß, doch solche Dinge vergesse  ich eben nicht. Jedenfalls erreichte ich am späten Abend Paris und somit „den rettenden Nachtzug“ nach Innsbruck. Denn von dort war die kürzeste Strecke auf deutschem Boden bis Augsburg, als Inhaber eines Interrailtickets musste man in Deutschland 50% des Fahrpreises zahlen. Sprichwörtlich auf dem letzten Drücker und nach insgesamt 8617 zurückgelegten Kilometern auf Schienen kam ich am „Heimatbahnhof“ an.

Interrail-Ticket – ein Erlebnis das auch wieder viele Bücher füllen könnte und das ich echt nicht missen möchte. Sicher kann man auch heute einiges an Erlebnisse mit nach Hause nehmen wenn man verreist. Und trotzdem, die damalige Zeit war einfach anders gewesen, die Länder und deren Menschen tickten anders, der Umgang untereinander war ein anderer als er das heute ist. Das Europa der 80er / 90er fand ich in so vielerlei Hinsicht reizvoller als das heute der Fall ist. Eigentlich irgendwo schade – behaupte ich mal. Interrail ist eine so tolle Variante „neue Welten“ zu erobern, um ein vielfaches besser als man das mit dem Flugzeug tun könnte. Ich würde es sofort und auf der Stelle wieder tun wenn ich könnte.

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