Geld

Das die Korruption in Deutschland auch bei Arztpraxen keinen Halt macht ist ein mehr oder weniger offenes Geheimnis. Schließlich geht es gerade für Pharmaunternehmen um viel Geld wenn das Medikament XYZ „den Vorrang genießt“ und somit häufiger verordnet wird als andere, gleichwertige Arzneien.

Dass sich hier mancher Arzt vielleicht doch breitschlagen lässt und nachgibt wenn der richtige Bündel Geld vor ihm liegt ist nicht generell von der Hand zu weisen, auch wenn dies bundesweit betrachtet sicherlich nicht die geltende Regel sein dürfte.

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Es erscheint schon mehr als merkwürdig, dass der Bundesgerichtshof bei solchen Vorgängen keine Bestechlichkeit sehen will wenn es zu derartigen Geschäften zwischen Arzt und Pharmaunternehmen kommt. Immerhin erzielt das jeweilige Pharmaunternehmen wirtschaftliche Vorteile wenn die eigenen Medikamente vorrangig auf den Rezeptblöcken landen. Bei anderen Berufssparten fällt dies wohl unter den Begriff der Vorteilsnahme im Amt. Vor dem Gesetz scheinen doch nicht alle Menschen (ganz) gleich zu sein.

Verständlich scheint es dass die Krankenkassen jetzt ein Gesetz einfordern, welches korrupten Ärzten bis zu drei Jahre Gefängnis bescheren soll. Doch Korruption in Arztpraxen ist längst nicht der einzige Ansatzpunkt um unrechtmäßig abgerechnete Gelder einzusparen.

Abrechnungskontrollen würden Krankenkasse Geld sparen

medizinDer „gewöhnliche Kassenpatient“ hat im Vergleich zu Privatversicherten von den für ihn bei der Krankenkasse abgerechnete Posten absolut keine Kenntnis. Hier können Ärzte vom Prinzip her vieles abrechnen was eigentlich gar nicht stattgefunden hat.

Mit anderen Worten, woher will der Sachbearbeiter einer Krankenkasse wissen ob die ihm vorliegende Leistungsabrechnung mit den erbrachten Leistungen tatsächlich übereinstimmt? Er kann es nicht wissen, er muss es einfach glauben!

Ein Blutdruckmessen hier und eine vermeintliche Beratung da und schon klingelt es wieder in der Kasse des Arztes. Insbesondere beim zuletzt genannten Beispiel wird es meines Erachtens maßlos übertrieben. Auf Rechnungen taucht da regelmäßig ein Betrag von etwas über 10 Euro auf der sich „telefonische Beratung“ nennt. Sicherlich soll ein Arzt – wenn er auch tatsächlich telefonisch in Anspruch genommen wird – einen Lohn erhalten. Dieser Posten wird aber auch dafür verwendet, um Geld zu kassieren wenn ein Arzttermin über die Sprechstundenhilfe vereinbart wird.

Bei allem Verständnis, aber wo bitte bleibt bei der Einholung eines solchen Termins die „telefonische Beratung“?

Für den Einzelfall betrachtet sind das vielleicht Peanuts, trotzdem ist es in meinen Augen ein ungerechtfertigter Betrag. Sieht man diesen Posten aber bundesweit und aufs Jahr hochgerechnet kommt hier ein beachtlicher Betrag zustande ohne dass ein Arzt „den Finger krumm gemacht hätte“. Auf diese Art und Weise werden den Krankenkassen Leistungen in Rechnung gestellt die es nicht gegeben hat.

Die Nachfrage bei einer Krankenkasse zu speziell diesem Punkt brachte ein überraschendes Ergebnis:

Es ist uns bekannt, aber sowas kann man nicht kontrollieren. Es wäre ein für uns zu großer Aufwand.

Doch man könnte es kontrollieren und zwar in einer Art von „Lieferschein“. Der Patient bestätigt am Ende des Quartals und vor der Abrechnung mit der Krankenkasse per Unterschrift die Richtigkeit der ärztlichen Leistungen. Bei Leistungen zur häuslichen Krankenpflege (Altenpflege) wird dies ebenfalls so gehandhabt.

Scheuen die Krankenkassen diesen Aufwand tatsächlich? Wenn ja dann dürfen diese aber auch nicht jammern wenn die Kosten in die Höhe gehen. Diese 10-Euro-Beträge machen zwar sicherlich nicht den Löwenanteil aus, trotzdem wären es viele Millionen die eingespart werden könnten weil es keine Leistung eines Arztes gab.

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An diesen Millionen scheint demnach kein großes Interesse seitens der Krankenversicherungen zu bestehen….

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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2 Kommentare
  1. Fulanos Worte sagte:

    Schlimm ist doch vor allem, dass es völlig legal ist. Korruption wird es immer geben, aber man sollte doch zumindest dafür bestraft werden können :-(
    Wünsche trotzdem ein frohes neues Jahr. Immerhin müssen wir unsere Hausärzte jetzt nicht mehr einmal im Quartal mit zehn Euro bestechen ;-)
    Gruß
    Fulano

    Antworten
    • Thomas Liedl sagte:

      Den Unterschied der hier zwischen den Ärzten gemacht wird verstehe ich auch nicht, trotzdem wird er so praktiziert und sogar vom BGH bestätigt :/ . Für den Wegfall der 10 € ist es aber auch Zeit geworden. Mal sehen was den Ärzten / Krankenkassen für 2013 einfallen wird…! Frohes Neues für Dich.

      Antworten

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