Sicher kann sich jeder glücklich verliebte Mensch vorstellen wie es ist, rund zwölf Jahre alte Liebesbriefe zu lesen. Um so ergreifender ist das, wenn wie bei mir dieser geliebte Mensch leider inzwischen verstorben ist. Damals musste ich in für fünf Wochen in eine Schmerzklinik, von hier aus gesehen am anderen Ende der Republik gehen. Unsere Liebe war noch sehr jung und die dadurch entstehende „Trennung“ über hunderte von Kilometern war grausam für uns beide.

Der klassische Liebesbrief kommt per Post

Smartphones und Messenger waren in dieser Zeit noch nicht verbreitet. Es blieb neben der Telefonzelle tatsächlich nur der klassische Liebesbrief. Man setzt sich hin und schrieb von Hand seine Gefühle für den anderen nieder und versandte dies dann per Post. Schlechter war ist auch aus heutiger Sicht und Möglichkeit heraus betrachtet in keinem Falle. Es war wirklich „alte Schule“.

Wie viel Briefe und Karten es in beide Richtungen genau gewesen sind kann ich gar nicht sagen, sie lag jedenfalls im deutlichen zweistelligen Bereich. Beide Packen Briefe, sowohl die von meiner Frau an mich als auch umgekehrt sind im Rahmen des bevorstehenden Umzugs wieder auf dem Tisch gelandet. Sie haben alles was uns widerfuhr – Gutes wie auch Schlechtes – überlebt und sind heute leider nur noch Zeitzeugen einer großen Liebe.

Liebesbriefe die heute noch größte Gefühle wecken

Einerseits wünschte ich ich hätte sie nicht erneut gelesen, mir wären wieder jede Menge Tränen und Wehmut erspart geblieben. Andererseits haben diese Liebesbriefe vergangene Zeit wieder frisch in Erinnerung gerufen, sie aufleben lassen wie schön diese Zeit doch gewesen ist. Wenn so alte Liebesbrief beim heutigen lesen noch Gefühle wecken und sogar situationsbedingt weh tun können zeigt dies eines ganz deutlich. Diese Liebe ist noch heute immer so intensiv wie sie damals begonnen hat.

Nicht mit dem aller kleinsten Funken meiner Vorstellungskraft wäre es mir möglich gewesen seinerzeit daran zu denken, dass ich heute hier sitze und aus solchem Grunde diese Zeilen schreibe. Und das ist es was mir ganz besonders weh tut. Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden, schon gar nicht solche!