Viel hängt vom Zusteller eines Paketdienstes ab wenn es zu Schwierigkeiten kommt, aber eben nicht alles. Bei dem erst kürzlich erlebten Fall bin ich schon geneigt zu sagen, dass hier jemand ganz eigene Gesetze und Regeln aufgestellt hat bzw. aufstellen wollte. Und dies ohne geltendes Recht überhaupt auch nur ansatzweise zu würdigen. Doch jetzt von Anfang an…..

Paketzustellung mit „seltsamer“ Unterschrift

Die bestellte Ware eines Onlineversandes war trotz längst erfolgter Versandbenachrichtigung ungewöhnlich lange unterwegs. So blieb nur die telefonische Rückfrage beim Versender. Überraschung und Entsetzen machte sich breit als ich von dort erfuhr, dass das Paket bereits vor einigen Tagen zugestellt wurde – und zwar an den Originalempfänger. „Es gibt auch eine Unterschrift“, so die Kundenbetreuung weiter, „und zwar Ihre“. Das lies mich nun doch aufhorchen und ich bat darum, mir den Auslieferungsnachweis zur Kontrolle zuzusenden. Denn soviel war jetzt schon klar, diese Unterschrift war ganz sicher nicht meine.

UnterschriftDen Auslieferungsnachweis in Händen konnte ich mich vom „Kunstwerk Unterschrift“ selbst überzeugen. Statt einer Unterschrift stand dort lediglich der Familienname – feinsäuberlich und in Druckbuchstaben geschrieben, alleine dies war schon nicht ernst zu nehmen. Was zunächst Vermutung war bestätigte sich nun endgültig, es handelt sich um eine Urkundenfälschung. Dies wurde einerseits dem Versender mitgeteilt und andererseits wurde hier zwangsläufig Strafantrag wegen Urkundenfälschung gestellt. Eventuelle Nachbarn scheiden hier als Verantwortliche aus.

Das ist kleinlich oder überzogen reagiert? Nein sehe ich nicht so, denn auch wenn hier der verschwundene Warenwert nicht enorm hoch gewesen ist wurde mit meiner vermeintlichen Unterschrift der ordnungsgemäße Empfang bestätigt, den es in Wahrheit gar nie gegeben hat. Was am Ende daraus werden wird muss die Zeit zeigen, ein Kavaliersdelikt ist es jedoch für mein Rechtsverständnis nicht, auch wenn es „nur“ ein Paket ist wofür unterschrieben wurde.

Mit einer Unterschrift ist „alles wieder in Ordnung“

Die Post in Sachen Strafantrag wurde bei Hermes in Anbetracht der Kürze der vergangenen Zeit noch nicht zugestellt, wohl aber der Regressanspruch des Versenders. Denn wenige Tage nach dem Aufdecken des Betruges klingelt der Hermes-Zusteller an der Türe mit einer Vielzahl von Papieren in der Hand – unter anderem auch eine sogenannte nachträgliche Empfangsbestätigung. Diese Bestätigung überreichte mir der Zusteller mit der Bitte diese zu unterschreiben mit den Worten „hier unterschreiben dann alles wieder gut“. „In Ordnung“ wäre dann alles aus Sicht von Hermes, das ist richtig. Es lag daran, dass der Mann nur sehr schlecht deutsch gesprochen bzw. verstanden hat – jedenfalls habe ich lange versucht im zu erklären, dass ich nicht den Empfang eines Paketes quittieren kann welches ich nicht bekommen habe – auch nicht nachträglich.

Die Unterhaltung dauert lange, viel länger als bei einer eigentlichen Zustellung. Verstanden hat er mich wohl trotzdem nicht, auch nicht als auf die „Unterschrift“ zeigte die er ebenso mitführte und ihm klar machte, dass dies nicht meine Unterschrift sei. Am Ende gab er mir sein Smartphone mit dem er seinen Chef angerufen hatte um den Sachverhalt (hoffentlich) zu klären. Leider war auch dieser Mann der deutschen Sprache nicht in dem Umfang mächtig, als es aus meiner Sicht für diese Tätigkeit nötig wäre. Auch von dieser Seite aus wollte man mir die nachträgliche Empfangsbescheinigung, ja ich nenne es mal ganz einfach abluchsen.

Das Gespräch endete nur mit einem sinngemäßen und für mich sachlich völlig unverständlichem „na dann eben nicht“. Eine Antwort die ich angesichts der Sachlage so nicht nachvollziehen kann. Der Zusteller zog auch murmelnd von dannen und das war es dann gewesen – wohl nur zunächst! Ermittelnde Behörden sehen Unterschriftenfälschung durchaus mit strengen Augen.

„Schwamm drüber“ ist keine Lösung bei Urkundenfälschung

Die Kommunikation mit den beiden Hermesleuten war alles andere als einfach, Einsicht wollten sie aber auch nicht wirklich zeigen. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass ich (auch nachträglich) keinen Empfang für etwas quittieren kann den es nie gegeben hat? Unter dem Strich würde das bedeuten ich muss für eine Ware bezahlen die ich nicht bekommen habe, nur damit Hermes sich hier keinen Regressansprüchen seitens des Lieferanten ausgesetzt sieht. Das ist mir echt zu hoch. Ich bin gerne der Typ der mal ein Auge zudrückt, auch zwei. Doch irgendwo ist die Grenze meines Verständnisses dann einfach überschritten. Beim nächsten Mal verschwindet dann etwas Teures und man will es dann auch wieder über eine nachträgliche Empfangsbestätigung regeln oder wie?

Nein liebe Hermes-Crew, die Suppe habt ihr Euch selber eingebrockt, die löffelt mal schön alleine aus. Bei allem Verständnis für den Stress und die Hektik die bei Paketdiensten allgemein (zeitweise) herrscht oder die immer wieder angeprangerten Niedriglöhne die dort bezahlt werden. Für die Begehung einer Straftat, was eine Urkundenfälschung nun einmal darstellt, kann all dies keine Rechtfertigung oder gar einen Freifahrtschein bedeuten.

Paketzustellung ist zu einem großen Teil auch ein verantwortungsvoller Job der Vertrauenswürdigkeit voraussetzt. Die Bereitschaft zur Umsetzung dieser Vertrauenswürdigkeit ist offenbar nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit – traurig.