wohnungslos, obdachlos, wohnungsnot

Landläufig begegnet man relativ schnell Aussagen wie „so schnell wird man nicht obdachlos“ oder auch „wer obdachlos wird hat selber schuld daran“. Es soll mit diesem Artikel nicht bestritten werden, dass es durchaus Menschen gibt, die an ihrer Obdachlosigkeit eine gewisse Mitschuld tragen. Aber – und das ist das Traurige an sich daran – es kann auch vollkommen unschuldige Menschen treffen, die sich plötzlich mit einer drohenden Gefahr von Obdachlosigkeit konfrontiert sehen.

Nicht generell jeder der eine Wohnung „verliert“ hat dies selbst zu verantworten. Und die Dunkelziffer diesbezüglich schätze ich als nicht ganz so gering ein als man dies vielleicht vermuten möchte.

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Obdachlos zu werden hat viele Gesichter

Obdachlos zu sein bedeutet nicht pauschal „unter der Brücke“ wohnen zu müssen auch wenn dies eine doch weit verbreitete Meinung ist. Obdachlosigkeit ist auch, wenn ich nicht über die eigenen vier Wände verfüge weil sie nicht finanzierbar sind. Selbst wenn ich bei Freunden oder Bekannten kurzweilig unter kommen kann bis sich eine neue Bleibe hat finden lassen ist das eine etwas abgeschwächte Form von Obdachlosigkeit wie ich meine.

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Quelle: pixabay.de

Ich selbst bin ein kleines Beispiel dessen was ich zum Ausdruck bringen möchte. So wie mir ergeht es ganz sicher einer nicht unerheblichen Zahl von Menschen in Deutschland auch. Der Partner ist verstorben und man kann die bisherige, gemeinsame Wohnung alleine nicht mehr finanzieren. Bricht ein Monatseinkommen plötzlich weg passiert das sehr rasch ohne es aufhalten zu können. Will man jetzt nicht im totalen Ruin enden bleibt nur die sofortige Kündigung der Wohnung. Und genau hier liegt der Knackpunkt der ganzen Problematik.

Eigentlich sucht man zuerst eine neue Wohnung und kündigt dann die bisherige. Ändert sich jedoch mit dem Tod des Partners die finanzielle Lage drastisch – und fünfzig Prozent Wegfall des bisherigen Einkommens ist aus meiner Sicht drastisch – dann ist jeder Monat den man „nicht mehr bezahlen muss“ in gewisser Weise ein gewonnener Monat wenn auch das Wort „Gewinn“ hier etwas falsch platziert erscheint.

Schnelles Handel ist wichtig und hat hier absolut nichts mit Begrifflichkeiten wie übereilt o.ä. zu tun. Und genau an diesem Punkt beginnt dann das Zeitspiel gegen die oben erwähnte Art von Obdachlosigkeit.

Unschuldig obdachlos – das geht ganz schnell

Bezahlbarer Wohnraum ist in vielen Großstädten, leider aber teilweise auch im angrenzenden Umland ein sehr großes Problem geworden. Und ein Ende der Fahnenstange bei den Mietpreisen ist noch nicht wirklich in Sichtweite.

Immer weiter explodierende Mieten, auch in Altbauten und die teils enormen Nebenkosten wie Heizung und Strom machen es vielen Menschen enorm schwer das sprichwörtliche „Dach über dem Kopf“ zu bekommen und dann noch vom Rest des Geldes einen Monat lang (über-)leben zu können.

Betroffen sind vornehmlich ältere Menschen (Stichwort u.a. die Altersarmut), doch auch die jüngere Generation braucht zeitweilig Hilfe von einschlägigen Organisationen. Bei diesen durchgehend wachsenden Mietpreisen, selbst für wirklich sehr kleine Wohnungen im Bereich von bis zu 30 m² ist es sehr schwer fündig zu werden.

Was hier aus meiner Sicht fehlt ist speziell für eine bestimmte Übergangszeit die Unterstützung seitens der Ämter und Behörden von Personen denen es so erging wie mir. Diese fehlt bislang komplett und wird es wahrscheinlich so schnell nicht geben, wenn überhaupt.

Vorsicht geboten bei „günstigen“ Wohnungen

Vermeintlich günstige Wohnungen habe nicht selten einen Haken an sich der dem Wohnungssuchenden in seiner Not nicht unmittelbar ins Auge fällt. Was als der berühmte Strohhalm aussieht an den man sich klammern möchte wird schnell zum sprichwörtlichen Eigentor.

Entweder werden diese Wohnungen mit Strom beheizt (Nachtspeicher etc.), was die Nebenkosten mit Blickrichtung auf Energiekosten enorm in die Höhe treibt wenn der Winter lang und kalt ist. Oder aber die Energieeffizienzklasse (was für ein Unwort) ist jenseits von gut und böse. Eine marode Isolierung des Hauses – gerade bei Altbauten – treibt ebenfalls die Heizkosten unabhängig vom Energieträger in die Höhe.

Was auf den ersten Blick günstig erscheint kann spätestens bei der nächsten Nebenkostenabrechnung oder Stromnachzahlung schnell nach hinten losgehen. Man könnte hier fast teilweise argumentieren, „wer billig mietet zahlt unter Umständen am Ende drauf“. Dreimal hinsehen oder gezielt nachfragen und entsprechende Nachweise verlangen kann hier nicht schaden. Allerdings kann dieses Nachhaken wieder ein Nachteil sein.

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Bedenkt man, dass bei Wohnungsbesichtigungen Warteschlangen vor der Türe stehen von bis zu 50 Leuten, dann gerät man ganz fix ins Hintertreffen und hat am Ende bei der Vergabe durch den Vermieter das Nachsehen. Und dann steht man erneut vor der drohenden Obdachlosigkeit. Ja, obdachlos in Deutschland zu werden geht mit ein bisschen Pech relativ schnell.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

*** Bildquelle: Wenn nicht anders angegeben, eigene Aufnahmen oder Bilder von Pixabay bzw. Pexels. ***
1 Antwort
  1. Remo sagte:

    Obdachlos wird man ganz schnell und zwar schneller als der Normalbürger denkt.

    Beispiel:
    Man landet im Spital Oberengadin und kriegt eine Pfuschoperation und am Schluß hat man dann 4 Operationen, wovon 3 Folge-OPs im Kantonsspital sich darauf beziehen, den Pfusch (!) vom Spital Oberengadin zu korrigieren und zu reparieren soweit möglich. Alles unter extremen Schmerzen, Verdienstausfall über ein halbes Jahr und so weiter.

    Das Spital Oberengadin schickt im Anschluß eine Forderung für den Pfusch über 31.700 Fr. für 1 OP (6 Tage im Spital, zuerst Bein abschwellen)

    Schon kann man seine Hypothek nicht mehr bezahlen und die Firma geht auch noch den Bach runter, weil man 6 Monate (mit Fixateur am Bein) nicht arbeiten konnte.

    Normalerweise ist ein Sprunggelenkbruch als häufigster Bruch eine Sache, bei der man nach wenigen Tagen wieder laufen kann. Sofern man nicht bei einem Spital wie dem Spital Oberengadin landet, daß eine Metallplatte so „fest“ macht, daß man die Schrauben „mit den bloßen Händen“ wieder rausziehen konnte (Zitat Kantonsspital) und einen Karbonfaden falsch bzw. nicht verankert.

    Wer dann noch eine Hypothek am Hals hat …

    Antworten

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