„Da schau mal hin, der ist ja tätowiert. Bestimmt war der schon mal im Knast!“ Du meinst das ist im Bezug auf Tattoos ein etwas ungewöhnlicher Satz aus längst vergangenen Zeiten? Ganz bestimmt nicht, denn es gibt sie nach wie vor, die Generationen in unserer Gesellschaft die genau einen derartigen Gedankengang haben und diesen auch pflegen. Ein Tattoo ist gleichzusetzen mit dem Gefängnis. Oder besser noch mit dem Zuchthaus, obgleich es das hier zu Lande gar nicht mehr gibt. Man kann die Blicke immer wieder beobachten, manchmal sogar regelrecht spüren wenn jemand über mich und/oder mein Tattoo spricht.

Was sich verändert hat – und das ist auch gut so – das sind die Umgangsweisen die von einer tätowierten Person diesen unsinnigen Klischees entgegensetzt werden. Auch Arbeitgeber sehen Tattoos heute nicht mehr so eng als einst. Ein Tattoo kann auch provokant sein solange es „diskret versteckt/bedeckt“ wird.

Tattoos sind ein unveränderliches Merkmal

Unveränderliche Merkmale, das war zu Zeiten des guten alten grauen Personalausweises noch ein tatsächlich aufgeführter Punkt. Heute schert das keinen mehr, vielleicht auch wegen der weiten Verbreitung von Tattoos – also jeder Menge an unveränderlichen Merkmalen – in der heutigen Zeit. Mein Tattoo trage ich nun schon seit fast 14 Jahren. Es war seinerzeit ein Geschenk, oder viel mehr der Gutschein dazu war ein Geschenk meiner Familie gewesen. Mit dem Gutschein war es aber noch lange nicht getan. Die Planungen gingen damit erst richtig los.

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mein Tattoo

Weil ein Tattoo eben etwas unabdingbares ist (Laserentfernungen etc. jetzt mal außen vor gelassen) das man normalerweise ein Leben lang trägt sollte man sich schon vorher ausreichend Gedanken machen in welche Richtung es denn gehen soll, was das Tattoo letztendlich aussagen und/oder symbolisieren soll!

Ein Tattoo ist letztlich nichts anderes als ein Schmuckstück das man trägt nur mit dem Unterschied, dass es sich nicht an- und ablegen lässt wie man gerade möchte.

Kein Tattoo aus dem Katalog

Doch für was man sich entscheidet ist unter Umständen gar nicht ganz so einfach aus dem Stehgreif heraus festzulegen. Ideen gab es schon einige und bei einem war ich mir sicher. Es sollte kein „nichtssagendes“ Symbol aus einem Katalog  werden mit dem ich nichts in Verbindung bringen kann. Hängen geblieben bin ich am Ende bei jener, dass das Tattoo meine liebgewonnene Heimatstadt Hamburg beschreiben und auch symbolisieren soll. Den größeren Anteil in Sachen Ausgestaltung des Tattoos hatte meine Frau. Auch mit ein Grund, warum dieses Tattoo für mich etwas besonderes darstellt.

Zu welchem Tätowierer soll ich gehen?

Welcher Tätowierer es am Ende macht muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtigster Punkt ist, ich selbst muss bei der von mir ausgewählten Tattoostube ein gutes Gefühl haben was Hygiene, Beratung und Umsetzung betrifft. Diese Entscheidung kann mir am Ende keiner abnehmen. Es ist eine Entscheidung auf Vertrauensbasis.

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Mein Tattoo ist auf Hamburg St. Pauli in der ältesten Tätowierstube Deutschlands gestochen worden. Und noch bevor es soweit war fand eine eingehende Beratung statt, eben auch im Bezug darauf, dass das mit dem Tattoowunsch nicht „nur so eine Idee aus einer Laune heraus“ sein soll.

tattoos
Tattoos Symbolbild

Das ist etwas, dass man in der Nacht von Freitag auf Samstag in irgendeinem Hinterhofkämmerlein sicherlich so nicht bekommt – ein fachkundige Beratung.

Auch die Idee die mir vage vorschwebte wurde besprochen und am Ende auch vom Tätowierer so entworfen, also wirklich keine „Stangenware“. Und als ich den Entwurf sah war ich noch viel mehr davon überzeugt, dass dies „mein Tattoo“ werden wird das wirklich zu mir und meiner persönlichen Einstellung passt. Exakt so wie ich es vor hatte.

Ist es schmerzhaft ein Tattoo stechen zu lassen?

Rund 10 Stunden hat es dann gedauert bis das Gemälde fertig am Oberarm verewigt war. 10 Stunden verteilt über drei Sitzungen. Und hinterher konnte ich bestätigen, wirklich schmerzhaft war es nicht gewesen, maximal unangenehm je länger die Sitzung dauerte. Mangels einer Erfahrung mit dem Stechen von Tattoos hatte ich mit mehr schmerzhaften Momenten gerechnet. Das hängt natürlich auch von der Position des Tattoos ab, gar keine Frage.

Es gibt in jedem Fall Körperstellen die um ein vielfaches empfindlicher auf Nadelstiche reagieren als der Oberarm und an denen es sicher ordentlich zwiebelt. Nach wenigen Tagen jedenfalls war außer einer leichten Hautspannung nichts mehr zu spüren und auch diese verschwand recht bald.

Wie sehe ich mein Tattoo heute?

Auch heute noch trage ich mein Tattoo mit Stolz und einer sehr großen Portion an Erinnerungen und viel Sehnsucht in Richtung Norden. Hamburg meine Perle – dieser zwar nicht von mir stammende Wahlspruch ist noch heute meine tiefste Überzeugung und ich würde den Schritt zu diesem Tattoo und in exakt dieser Tätowierstube jederzeit wieder machen – genau so! Meine Entscheidung für ein Tattoo habe ich in keinem einzigen Punkt bereut.

Zu diesem sehr persönlichen Artikel inspiriert hat mich im übrigen ein Text den ich vor einigen Tagen bei Loft 75 entdeckt und mit Interesse gelesen habe. Und weil ich auf mein Tattoo wirklich stolz bin und es sofort wieder tun würde, habe ich mich dazu entschieden ein wenig darüber zu berichten. Hast Du vielleicht auch Tattoos oder eines geplant? Oder zählst Du etwa zu dem Personenkreis der mich nun wegen des Tattoos ächtet? Völlig egal, lass uns gerne darüber diskutieren.

[Update]

Eine Blogaktion mit dem Titel Tattoo-Schaufenster ist bei Martin erschienen. Wer also dort gerne mitmachen möchte und sein „Identifikationsmerkmal“ zeigen bzw. erläutern möchte…. hier entlang!

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9 Kommentare zu „Tattoos hat nur wer im Knast gewesen ist“

  1. Hi Thomas,
    ja, es gibt wirklich noch Leute, die Tattoos gegenüber Vorurteile haben. Meine Frau hat 2 dezente Tattoos (linke Wade und rechter Unterarm – letztere ist eine Hommage an ihre verstorbenen Eltern) und eine Kollegin, die „sich nie vorstellen könnte, sich ’sowas‘ machen zu lassen. Man sieht dieser Dame förmlich die Abneigung an und auch, dass ihr Bilder von Strafgefangenen, Seeleuten und Fremdenlegionären durch den Kopf schießen. Auch das Argument, dass eines der Tattoos die Unterschriften ihrer Eltern zeigt, ließ sie nicht durchgehen: „die Eltern hat man im Herzen, da braucht man sich doch kein Tattoo machen lassen!“ Ich würde mir nie anmaßen, jemandes Entscheidung dermaßen in Abrede zu stellen, ich finde, damit disqualifiziert man sich. Wenn es der Kollegin nicht gefällt, ist das ja ok, aber das muss man ja jemandem nicht ins Gesicht sagen, zumal dann nicht, wenn der/die Andere stolz darauf ist.

    Ich hatte auch mal eine Kollegin, die, als ich ihr mein damals frisch gestochenes, erstes Tattoo zeigte, nur trocken sagte: „wenn mein Mann sich das machen lassen würde, wäre das für mich ein Scheidungsgrund!“ Hallo, wie arm ist das denn? Der arme Mann – er möchte vielleicht eins haben und kann es nicht, weil seine Frau dagegen ist. Dabei ist das doch eine absolut individuelle Entscheidung und sicher nicht so schlimm, dass man sich scheiden lassen muss. Aber die Kollegin war in mancherlei Hinsicht ziemlich verstrahlt.

    Also, ich finde Tattoos schön und die beiden, die ich habe, sind sicher nicht meine letzten :-)

    1. Na ja, mit Deinem letzten Satz wäre ich vorsichtig. Es gibt schon Dinger da fällt einem nichts mehr ein, Pfusch hoch Drei sozusagen. Doch ich weiß was Du sagen möchtest, da stehe ich auf Deiner Wellenlänge. Einzige Voraussetzung ist eben wie ich finde, man muss sich damit identifizieren können. Und das ist jetzt u.a. am Beispiel Deiner Frau sehr gut gegeben. Schöne Idee.

  2. Ich hab schön Schönes und auch schon (ganz) Schlimmes gesehen.
    Selbst hab ich keins. Aber in der Generation meines Sohnes… da findet man kaum noch jemanden ohne (so kommt es mir vor). Besonders bei den Mädchen finde ich es oft übertrieben, die Arme bunt-schwarz und dann ein zartes Träger- Kleidchen anziehen (wollen).
    Es ist nur meine Meinung, aber Hände, Hals vorne und Gesicht sollten auf jeden Fall frei bleiben. Und Mädels sollten es sich noch 3x mehr überlegen.
    Den Gedanken mit dem Knast…hat wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur noch unsere Altersklasse und aufwärts…
    Handlungsbedarf sehe ich bei einer Regelung, wer unter welchen Vorraussetzungen überhaupt tätowieren darf. Damit das mal aus der Schmuddelecke raus kommt…für alle…

    1. Dieses „bunt-schwarz“ dass Du ansprichst ist genau das was ich meine – vollkommen unüberlegt was „spätere Zeiten“ angeht. Alle Körperstellen die nicht von Kleidung bedeckt sind wollen gut überlegt sein, auch und gerade im Hinblick auf die berufliche Laufbahn. Oh Du sag mal nichts, ich kenne auch andere, jüngere Alterssemester die diesen Knastgedanken vertreten. Aber jedem seine Meinung.

      Das mit dem Handlungsbedarf unterschreibe ich so mit, denn Schmuddelecken gibt es genügend die damit Geld verdienen, weil Samstagnacht einer volltrunken etwas stechen lassen will. Geht mal gar nicht. Und die Hygiene sollte sowieso oberste Gebot sein. Wie ich unsere Regulierungsstellen aber einschätze – wenn sie denn etwas machen – übertreiben sie es dann wieder in eine völlig falsche Richtung. Genauso wie in Sachen E-Zigarette wo auch nur steuerliche Gründe im Vordergrund stehen.

      1. Ja, da stimme ich Euch zu: Tattoos nur nach reiflicher Überlegung. Alles andere bereut man häufig irgendwann, und dann ist es zu spät. Man kann sie zwar weglasern, aber das ist teuer und man sieht noch Reste.

        Viele gute Tätowierer sind übrigens organisiert, und zwar gibt es den Verband Deutscher organisierter Tätowierer. Die haben auch Fachleute, Ärzte und anderes fachkundiges Personal im Verband. Ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung und fürs Image.

        Was die E-Zigaretten angeht, ist es natürlich immer noch ein Trauerspiel, was da an Falschinformationen verbreitet wird. Aber das ist ein anderes Thema…

  3. Ich gehöre ja noch einer Generation an, in der ein Tattoo eine Art Kainsmal gewesen ist. „Jobkiller“, „Knastbruder“ usw.
    Für meinen Mann wäre es wohl fast ein Scheidungsgrund, wenn ich mir eines stechen lassen würde. Gut, dass es mir nicht so wichtig ist, sonst hätten wir ein Problem ;-)
    Was mich aber an Tattoos wirklich stört ist, dass sie für die Ewigkeit sind. Hätte ich mir mit Zwanzig eins stechen lassen, könnte ich mich heute mit dem Motiv unter Garantie nicht mehr identifizieren.
    LG
    Sabiene

    1. Du hast Deine Meinung, Du stehst dazu. So etwas respektiere ich in jeder Hinsicht.

      Und genau das mit der „Ewigkeit“ ist es das ich persönlich gut finde. Ich wiederhole mich hier gerne, es muss eben überlegt sein WAS man letztlich WO stechen lässt. Ich spreche jetzt von meinem Tattoo – mit diesem kann ich mich auch noch in 30 Jahren identifizieren, sollte ich so alt werden und man kann das Tattoo dann noch erkennen. :-) Solche Entscheidungen zu treffen setzen voraus, dass man weiß was man tut und warum man es tut. Klar, der Name der „ersten Jugendliebe“ auf dem Arm ist Humbug – leider aber nicht ganz so selten.

      Tattoos sind eben eine sehr individuelle Sache, jeder kann, keiner muss!

    2. Och, es gibt auch zeitlose, schöne, kleine Motive. Damit kann man sich bestimmt auch bis zum Ende aller Tage identifizieren, z.B. sowas hier ;-) Nur mal so als Idee, dass es nicht immer ein großes Teil mit Totenköpfen und Drachen sein muss.

  4. Pingback: Eure Bilder für die Ewigkeit – Miki

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