Praxistest: Die E-Post lässt nach 2 Jahren weiter Wünsche offen

Ein Brief – ob online oder herkömmlich verschickt – ist etwas persönliches. Dabei spielt auch die Qualität des verschickten Inhalts eine große Rolle. Die Druckvorschau des E-Post-Briefes lässt bereits nichts “gutes” erwarten, was nach Zustellung zum Glück nicht eintrifft. Hält man das Ausgedruckte in Händen wird dieser Anfangsverdacht nicht bestätigt. Dennoch krankt es beim E-Postbrief weiterhin an vielen Ecken und Enden.

Knapp ein halbes Jahr nach Start des E-Postbriefes der Deutschen Post AG testete ich das Produkt bereits ein erstes Mal. Damals fiel der Test nicht gerade berauschend aus und ich spielte mit dem Gedanken den Dienst wieder zu kündigen. Eben weil der E-Postbrief noch relativ “neu” war ließ sich manches noch als typische Anfangsfehler des Projekts entschuldigen. Nach längerer Pause die ich und E-Postbrief eingelegt hatten habe ich die Nutzung wieder aufgenommen.

In Kürze feiert das E-Post-Portal sein zweijähriges Bestehen. Zeit genug wie ich finde, bekannte Fehler und Schwächen abzustellen und ein unserem technischen Zeitalter entsprechendes Produkt zu präsentieren. Ob und wie dies gelungen ist zeigt mein heutiger und zweiter Praxistest.

Feststellbare Verbesserungen

Die Erreichbarkeit des Dienstes ist inzwischen bei schätzungsweise 99,9% angelangt. Mit Ausnahme von notwendigen Wartungsarbeiten ist der Zugang zum Portal problemfrei möglich. Dahingehend konnte ich in jedem Fall einen Fortschritt verzeichnen. Die Fehlermeldungen beim Versand ohne eine genauere Bezeichnung konnte ich nicht mehr in der Intensität von für 22 Monaten feststellen. Hier konnte die Post genauso wie bei den ständig als “falsch” deklarierten Empfängeradressen die es nur noch ganz selten gibt ein wenig mehr an Benutzerfreundlichkeit erzielen. Inzwischen traut man den Kunden zu eine Empfängeradresse einzutragen.

Im öffentlichen Verzeichnis einen Nutzer zu finden ist inzwischen dahingehend besser geworden, dass die ewiglichen Fehlermeldungen weggefallen sind.

Damit endet meine Liste der Verbesserungen aber bereits.

Der “Lernprozess” beim E-Postbrief ist noch nicht abgeschlossen

Auch wenn das öffentliche Verzeichnis besser geworden ist lässt es immer noch die Funktionalität eines Branchenbuches (Gelbe Seiten) vermissen. Dies ist aber mein geringster Kritikpunkt gegenüber des E-Postbriefes.

Der Versand von pdf-Dateien ist zwar nicht mehr so fehleranfällig wie einst als 7 von 10 pdf ´s als “nicht druckbar” klassifiziert wurden, trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Voransicht qualitativ vom tatsächlichen Druckergebnis abweicht, welches dann wiederum ordentlich ausgedruckt zugestellt wird.

Farbdrucke – für welche die Post immerhin 0,10 € pro Seite (auch für das m.E. entbehrliche “Anschriftenblatt”smilie berechnet – kommen in guter Qualität beim Empfänger an. Durch die Tatsache, dass bei jedem E-Post-Brief das automatisch vorgegebene Anschiftenblatt mit gedruckt wird berechnet die DPAG 20 Cent zusätzlich zum Porto für 1 Seite Farbdruck. Das Anschriftenblatt wird in s/w ausgeliefert – was sollte hier auch farbig sein. Abzocke wäre zu hoch gegriffen, eine faire Preisgestaltung ist es dennoch nicht.

Zustellzeiten eines E-Postbriefes  sind im Vergleich zum herkömmlichen Brief – aufgegeben am Postschalter oder via Briefkasten – teilweise erheblich höher!

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Testbrief 2 (Einwurf-Einschreiben) benötigte für die Zustellung 8 Tage innerhalb einer Stadt. Hierfür wäre die Erstattung der Gebühr das Mindeste gewesen. Ein Einschreiben per E-Post zu versenden wenn es um die Einhaltung von Fristen geht scheint mir deswegen sehr gewagt, die Folgen einer überschrittenen Einspruchsfrist können schließlich “teuer” werden.

In der Zeit zwischen Freitag 18:00 Uhr und Montag 18:00 Uhr spielt es keine Rolle wann der Brief verschickt wird, eine Zustellung erfolgt frühestens am Dienstag. Bei   meinen Testbriefen 1 und 3 hatte dies zuverlässig funktioniert.

Zusatzleistungen sind deutlich teurer als beim herkömmlichen Brief. Für die Tatsache dass die Verarbeitung voll automatisiert abläuft ist eine Preissteigerung von durchschnittlich 18,9 % gegenüber dem identischen Produkt am Postschalter absolut nicht nachvollziehbar.

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Konzeptfrei erscheint mir auch der Preissteigerungssatz der alles andere als einheitlich und somit willkürlich ist. Die Deutsche Post AG beantwortet meine Anfrage diesbezüglich so:

Alle über das Portal angebotenen Leistungen sind mehrwertsteuerpflichtig. Daher sind die Zusatzleistungen 19 Prozent teurer als in der Filiale.  Sie haben jedoch den Vorteil, alles von zu Hause aus verschicken und trotzdem die üblichen Leistungen des klassischen Briefs in Anspruch nehmen zu können.

Alle Leistungen kann nicht stimmen, denn die Portopreise beim E-Postbrief sind identisch mit denen am Schalter. Diese Erklärung ist ein wenig schwammig. Ein elektronsich zugestelltes Einschreiben beispielsweise kostet genauso viel wie ein über die Filiale verschicktes. Die zusätzliche Erklärung, dass ich dafür alles “von   zu Hauese” verschicken kann ist hier auch fehl am Platze. Eine nochmalige Rückfrage erspare ich mir, denn…

Vorsicht bei der Antwort (Rückfrage) an den Support!  Die Deutsche Post AG berechnet hierfür 0,55 € wenn man einfach auf “Antworten” klickt. Dies wird zwar angezeigt und geschieht somit nicht stillschweigend, trotzdem finde ich für den Versand einer E-Mail 0,55 € zu berechnen dreist. Wirklich guter Kundendienst sieht für mich anders aus!

Die Sendungsverfolgung eines E-Postbriefes ist nicht möglich. Der Status eines verschickten Einschreibens lässt sich nicht wie bei einer in der Postfiliale aufgegebenen Sendung verfolgen. Die Abfrage unter post.de bringt als Ergebnis lediglich “Es konnten keine Informationen zur Sendung gefunden werden.”  Noch ein Fakt der die höhere Gebühr für die Zusatzleistung nicht rechtfertigt.

Leider sieht es die Deutsche Post AG hier nicht für notwendig an einen Hinweis anzubringen, dass speziell für Einschreiben per E-Post die Zeichenfolge der Einlieferungsnummer ab “DE” nicht eingetragen werden darf (z.B. DE200). Lässt man diese weg klappt auch die Abfrage.

Der GoGreen-Gedanke des E-Postbriefes  klemmt an verschiedenen Ecken ein wenig. Die Post selbst stellt den Gedanken so dar:

GOGREEN bedeutet: die Menge an klimaschädlichem CO2-Emissionen, die beim Versand der Sendungen entsteht, wird nach einem verifizierten Prozess berechnet. Für den Ausgleich der CO2-Emissionen der GOGREEN-Sendungen kauft die Deutsche Post sogenannte “Emissionsgutschriften”. Die Investition fließt in Klimaschutzprojekte, die den CO2-Ausstoß reduzieren.

Diese Emissionen könnten noch ein klein wenig verringt werden und gleichzeitig dem Kunden ein bisschen mehr “Handlungsfreiraum” lassen, wenn das jedem E-Postbrief vorangestellte Deckblatt wegfallen würde. Dies dient bei einem hochgeladenen pdf-Dokument (das die Adresse des Empfänger sowieso enthält und den eigentlichen Brief darstellt) lediglich als Träger der Empfängeranschrift. Der Versand von 3 Seiten DIN A 4 beim Standardbrief wird damit unnötig auf 2 reduziert um nicht in die nächste Preisklasse zu gelangen.  Ein doppelseitiger Druck wird erst gar nicht angeboten – Stichwort Papier sparen.

Andere Hybrid-Postdienstleister haben dies technisch auch beides realisiert und sind damit “ein Stückchen mehr GoGreen” als die DPAG.

Um auf dem Sektor Onlinebriefversand noch effizienter, kundenfreundlicher und umweltverträglicher zu werden muss die Deutsche Post noch dazu lernen bzw. überhaupt bereits dazu sein. Entscheidungen “ins Blaue” am runden Tisch alleine sind nicht immer zielführend.

Sich ein klein wenig an der Konkurrenz zu orientieren ist absolut keine Schande!

Über Thomas Liedl

Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im Netz. | Facebook | Twitter | LinkedIn

Ein Kommentar zu Praxistest: Die E-Post lässt nach 2 Jahren weiter Wünsche offen

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