Die BILD-Zeitung hat sicher nicht bei jedermann einen guten Ruf. Die einen lesen sie täglich in der U-Bahn, während der Pause in der Arbeit oder als Lektüre auf dem Balkon sitzend. Die anderen nennen sie Revolver-Blatt und verwenden noch ganz andere „Liebesbezeugungen“ dem Druckwerk gegenüber. Jedem seine Meinung das ist doch klar. Ich selbst lese die BILD auch nicht, wenn dann werfe ich im Vorbeigehen einen Blick auf die Titelschlagzeile beim Zeitungskiosk. Doch das war nicht immer so…..

Als das Internet wie wir es heute kennen noch nicht geboren war bzw. etwas später als das Internet zwar vorhanden aber noch lange nicht so ausgebaut war wie es heute der Fall ist stellte die BILD-Zeitung meistens einmal im Jahr eine relativ wichtige Komponente dar – im Urlaub.

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Internet gab es wie gesagt nicht, Smartphones waren noch nicht mal auf dem „Reißbrett“ vorgesehen und Hotelzimmer waren standardmäßig noch nicht mit einem Fernseher ausgestattet. Wie hätte man sich an seinem Urlaubsort (wenn nicht gerade Nordsee, Bayrischer Wald oder Österreich) über das aktuelle Geschehen in der Heimat informieren sollen wenn nicht über die BILD-Zeitung. Immerhin war das nahezu die einzige deutsche Zeitung, die zumindest im europäischen Ausland in 98% des Zeitschriftenhandels erhältlich  und vom Preis her erschwinglich war.

Ich erinnere mich da an die Zeit Mitte der Siebzigerjahre bis etwa Mitte der Achtziger als ich noch zusammen mit meinen Eltern in den Sommerurlaub gefahren bin. Seinerzeit waren die Ziele mehrfach Alassio an der italienischen Riviera. Die Pension – ja, Hotels waren damals preislich noch sehr hoch gestellt – hieß „Edelweiss“, weil da irgendwie eine Deutsche mit einem Italiener zusammen…. ach was weiß ich. Spielt ja auch keine so große Rolle.

bild-logoJedenfalls ging da mein täglicher Gang nicht nur in Richtung Strand sondern gegen 11:15 Uhr (dazu gleich noch mehr) in Richtung eines kleines Laden namens „Tabacchi“ (zu deutsch Tabak). Nein, so früh begann ich nicht mit dem Rauchen. Aber in diesen Läden gab es neben den Glimmstengeln und Ansichtskarten auch Zeitungen als verschiedenen Ländern und eben auch die BILD-Zeitung. In Deutschland zahlte man seinerzeit für die BILD-Zeitung 30 Pfennig, etwas später dann 40 und 50 Pfennig. In Italien war das Blatt dann für 1000 Lire zu haben, damals etwa 1 D-Mark.

Damit war die Zeitung zwar fast 3-fach so teuer wie zuhause, aber dafür gab es die Zeitung täglich und meist pünktlich. Ach ja, warum ging ich immer um 11:15 Uhr zum Tabakladen? Das hatte den einfachen Grund, dass Zeitschriften aus Deutschland Ende der 70er noch mit dem Zug an die Riviera geliefert wurden. Und wenn der Riviera-Express gerade nicht mal Verspätung hatte war er gegen 10 Uhr in Alassio, eine Stunde später dann gab es die Lektüren in den Zeitungsläden zu kaufen.  Gerade was das Sportgeschehen betraf war die BILD-Zeitung einfach genial, denn 21 Tage ohne Sportergebnisse wäre auch nicht das Wahre gewesen.

Heute ist alles anders

Nahezu kein Hotel mehr ohne Fernseher im Zimmer, WLAN oftmals sogar frei zu nutzen und der Vormarsch der Smartphones und Tablets tut sein übriges dazu. Warum sollte man da noch zum Zeitungskiosk laufen oder gar warten ob der Zug pünktlich kommt? Man muss kein Freund der BILD-Zeitung sein, aber soviel Ehrlichkeit muss dem Blatt gegenüber sein – Urlaube in den 70er und 80er Jahren ohne die BILD-Zeitung wären zwar nicht langweilig aber informationsfrei gewesen.

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Dafür ein etwas spätes aber ehrliches Dankeschön!

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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