Patriotismus in Deutschland – das geht ja gar nicht

Es war immer so und es wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Aber muss es deswegen richtig sein, nur weil es schon immer so war? Ich meine nein und stehe damit aber wahrscheinlich auf verlorenem Posten!

Etliche Probleme die unser Land hat liegen einfach darin begraben, dass der Deutsche vieles zu verbissen sieht, wofür es eigentlich gar keinen Grund gibt sich so aufzuregen. Andererseits, wenn es wirklich mehr als angebracht wäre mal einen richtigen Alarm zu machen, dann kuscht er, schmollt und zieht sich in sein Kämmerlein zurück. Er schimpft lieber mit seinem Sofakissen als zusammen zu stehen und etwas zu bewegen!

Nehmen wir mal aus aktuellem Anlass die Fussball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Solche Ereignisse finden im Schnitt alle 2 Jahre statt und mobilisieren eben eine Vielzahl an Menschen. Gelingt den Deutschen dann ein Sieg, ist es nun mal so, dass sich mehr oder weniger große Autokorsos bilden oder fahnenschwenkende Menschen singend durch die Straßen ziehen und dieser Erfolg gefeiert wird. Und dann? Was ist daran so verdammt schlimm?

Sofort kommt der „verklemmte Deutsche“ und spricht von minderbemittelten und hupenden Vollidioten, die in ihm auf der Stelle höchste Aggressionen hochsteigen lassen. Verständlich, denn Patrotismus haben mag ja noch erlaubt sein, diesen aber zeigen geht auf gar keinen Fall!

In einem Land wie Deutschland, wo man beim Abspielen oder gar lauten Mitsingen der Nationalhymne mancherorts schon fast als Nazi gilt, Nationalstolz sofort mit dem Dritten Reich in Verbindung gebracht wird, Kindergeschrei auf einem Spielplatz umgehend Stresshormone freisetzt, über jahrzenhntelang dazugehörendes Glockengeläut Proteste auslösen und der über den Zaun ragende Kirschbaumast sofort die Zivilgerichte auf die Bühne ruft, muss man sich über solche Reaktionen nicht wirklich wundern.

Gibt es nichts Schlimmeres in Deutschland, über das man sich zusammenstehend aufregen müsste? Aber das ist es wieder das Wort…. „zusammenstehend“….. das geht ja auch nicht. Es ist schlichtweg diese typisch deutsche „Was mich nicht interessiert, haben andere gefälligst zu unterlassen Mentalität“, über die man hierzulande immer wieder stolpert und „aneckt“ und sei es wegen eines 3-wöchigen Sportereignisses.

Ist es eine Art Abstumpfen der Gesellschaft, dass man sich nicht mehr öffentlich freuen, Farbe bekennen mag und nicht mehr feiern will? Zählen nur noch „Germanys next Topmodel“ und Big Brother? Ist das „Wir-Gefühl“ schon vollkommen erstickt? Ich weiß es nicht. Deutschland ist weder eine Spaßgesellschaft noch hat es ein bisschen Verständnis dafür, soviel steht fest. Einziger Trost ist, dass es auch andernorts die EM-Nörgler gibt, wie hier zu lesen ist.

Ich persönlich lass mir den Spaß auf jeden Fall nicht verderben, auch wenn sich „seltsame Gestalten“ die Fussballbühne als Auftrittsort aussuchen, die mit der EM als solches eigentlich gar nichts am Hut haben.