Hat eine Kleinstadt mit ländlichem Hintergrund eine eigene Klinik, so ist dies zum einen ein Sicherheitsgefühl für die im Umland wohnende Bevölkerung, zum anderen spielt auch ein gewisser Stolz mit eine Rolle. „Wir haben ein eigenes Krankenhaus“. Was auf den ersten Blick im Bezug auf das Sicherheitsgefühl einleuchtend erscheint, gerade weil die medizinische Versorgung in ländlicheren Regionen nicht pauschal als optimal einzustufen ist, birgt allerdings auch seine Tücken. Tücken, welche zunächst gerne übersehen werden aber auch beschwichtigend zur Seite geschoben werden. Ein Umdenken zumindest bei Großteilen der Bevölkerung ist nur schwer vorstellbar wie auch laufende Petitionen zeigen.

Viele Krankenhausbetten aber keine „richtige“ Behandlung?

So manch kleine „Wald-und-Wiesen-Klinik“ kann sicherlich einen gebrochenen Arm in Gips legen, eine kleine Platzwunde nähen oder eine andere kleinere Versorgung vornehmen. Geschieht es zur Nachtzeit kann es da schon ganz anders aussehen. Viele dieser kleinen Krankenhäuser verfügt über keine Notaufnahme im klassischen Sinne und ist – eben gerade auch während der „Nachtschicht“ – nicht mit entsprechendem Personal besetzt. Nun handelt es sich bei den eben genannten Beispielen um keine lebensbedrohlichen Situationen. Die oft besagte „Stunde hin oder her“ ist hier nicht unbedingt entscheidend. Was aber ist, wenn es wirklich zu einem medizinischen Notfall kommt? Hier seien in erster Linie der Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.

Hier geht es einerseits um Zeit bis zu Beginn der medizinischen Versorgung aber auch um eine „erstklassige“und fachgerechte medizinische Versorgung. Eine solche Versorgung eines Herzinfarktes beispielsweise ist nur in einem Herzkatheterlabor möglich. Nur etwas über 30% aller rund 1400 Kliniken in Deutschland verfügt über ein Herzkatheterlabor das rund um die Uhr einsatzbereit ist, auch und gerade im Bezug auf das fachkundige Personal. Was nützt mir die von mir sogenannte „Wald-und-Wiesen-Klinik“, wenn ich dort nicht umgehend und angemessen behandelt werden kann? Im schlimmsten anzunehmenden Fall bezahle ich das auf Grund der nicht möglichen Behandlung mit meinem Leben. Ein wie ich finde sehr hoher Preis.

Schlussendlich zieht dies auch eine entsprechende Zahl an Todesfällen nach sich, die hätten vermieden werden können, wenn….. ja wenn! In Dänemark wurde auch zunächst protestiert weil Kliniken geschlossen wurden und ggf längere Wege erforderlich wurden. Inzwischen hat man die veränderte Krankenhausstruktur angenommen und ist – auch Dank der entsprechenden Zahlen – zufrieden damit. Bis es in Deutschland soweit ist und nach Meinung der Bertelsmann Stiftung nur noch 600 Kliniken in Deutschland existieren werden fließt sicher noch sehr viel Wasser den Rhein hinab.

Ich persönlich jedenfalls bin der Ansicht, dass ich im Notfall lieber in eine weiter entfernte Klinik fahre (gefahren werde) und dort angesichts meines medizinischen Problems adäquat behandelt werde, als dass ich in der Klinik ums Eck unnötig viel Zeit verbringe ohne das dies geschieht. Deswegen ist eine quasi Zentralisierung der medizinischen Versorgung in jedem Fall sinnvoll und ist nicht generell als negativ einzustufen. Manche werden dies erst verstehen (wollen) wenn sie selbst betroffen sind. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät……!