Ich hatte es gestern in einem Artikel schon erwähnt wie katastrophengierig der Journalismus sein kann bzw. ist. Ohne jede Form von Pietät und Respekt vor den trauernden Hinterbliebenen wird in einer Form dahin berichtet, dass man sich schon schämen muss die gleiche Nationalität wie diese Journalisten zu haben. Die Gier nach neuen Meldungen rund um den Flugzeugabsturz ist und bleibt ungebremst. Mit der Information der Öffentlichkeit hat sehr vieles davon nichts mehr zu tun. Auflagensteigerungen stehen hier wohl einzig und alleine im Vordergrund. Und hierzu scheint jedes Mittel recht und billig zu sein.

Für eine Aufarbeitung des Unglücks habe ich vollstes Verständnis, das ist nicht zuletzt auch für die Angehörigen von Bedeutung. Die Berichterstattung hierüber ist obligatorisch und in Ordnung. Massiv geschockt hat mich aber heute morgen ein Bericht in der Bild online, auf den ich bei Facebook gestoßen bin. Ein Chefkolumnist des Blattes der auf seinem Facebookprofil selbst über sich und seine Kolumen schreibt „da wackelt und kracht es“ nahm dies im Zusammenhang mit dem Absturz wirklich sehr wörtlich.

Anzeige

Verhöhnung der Opfer und Hinterbliebenen

Der Kolumnist stellt allen Ernstes die Frage, ob die Todesopfer wohl Cola tranken und Nüsse knabberten als 4U9525 seinem Absturz entgegen flog! Ein weiteres zu erörterndes „Problem“ ist für ihn, ob die beiden Babys an Bord wohl quengelten und nervten. Unfassbar was solche Leute aus dem Unglück anderer machen, das sind genau die Schlagzeilen die Hinterbliebene jetzt benötigen. Die Chefetage sollte sich Gedanken machen ob Mitarbeiter mit einem Taktgefühl wie ein Bulldozer überhaupt tragbar sind wenn man das eigene Ansehen nicht komplett ruinieren möchte!

Die Kolumne wird geschlossen mit den Worten „Es ist so furchtbar. Ich will kein Wort mehr darüber schreiben.“ Diese Erkenntnis hätte den Chefkolumnisten besser vor der nächtlichen Veröffentlichung dieser – für mich persönliche eine Form geistiger Inkontinenz – ereilen sollen.

Andere Medien geifern nach Fotos von Angehörigen und brüsten sich diese möglichst schnell veröffentlicht zu haben. Dies ist zweifelsohne eine abscheuliche Art von Voyeurismus. Die nicht betroffene Gesellschaft wird somit zu Voyeuren des Todes wie es eine Blogkollegin nannte und ich kann ihr hier nur vollumfänglich zustimmen. Diese Skandalpresse schockiert aber nicht nur mich. Eine Beschwerde beim Presserat wurde eingereicht. In wie weit von dort überhaupt eine Reaktion kommen wird muss die Zeit zeigen. Ggf. wird über den weiteren Verlauf der Beschwerde berichtet.

Ist es wirklich nötig diese schreckliche Flugzeugtragödie mit allen möglichen Szenarien von eventuellen Schicksalen auszuschmücken, sie noch mehr zu dramatisieren? Haben die Redaktionen dieser Verlage tatsächlich nichts Besseres zu tun als dies zu forcieren in dem wie es mir vorkommt nur zu diesem verwerflichen Zweck Journalisten entsandt werden?

Man muss auf eine gewisse Art und Weise froh sein – so merkwürdig sich das vielleicht anhören mag – dass die Absturzstelle in schwer erreichbarem Gelände liegt. Nicht auszudenken wenn man die Absturzstelle leicht erreichen könnte. Das Paparazzitum würde die Helfer auch noch behindern nur um an Schnappschüsse zu gelangen.

Eine Beschwerde beim Presserat wegen der o.g. Kolumne wurde eingereicht. In wie weit von dort überhaupt eine Reaktion kommen wird muss die Zeit zeigen. Ggf. wird über den weiteren Verlauf der Beschwerde berichtet.

Anzeige

Es ist richtig, jeder geht mit solchen Unglücken und dem Tod anders um. Aber bitte wahrt zumindest einen Hauch von Pietät damit man sich nicht für Euch schämen muss!