stillstand vergänglichkeit

Der Tod meiner Frau lag nun schon weit über einen Monat zurück. Noch immer lagen so manche Kleidungsstücke an der Stelle an welcher sie seinerzeit gelegen haben. Warme Socken auf der Badezimmerheizung, ihre Halstücher auf der Lehne der Wohnzimmercouch oder auch die frisch gewaschenen Jogginghosen auf einem Hocker im Schlafzimmer. Auch einige ihrer geliebten Oberteile hängen auf Bügeln am Schrank, auf ihre Verwendung wartend.

Ihre geliebten Parfums auf dem Badezimmerregal blieben unverändert. Selbst der Platz an ihrem Computer in „unserem Büro“ ist noch so als würde sie gleich wieder hierhin kommen. Ihre Lieblingshandtasche hing noch an der Garderobe mit allem Inhalt den sie selbst hinein getan hat als sie es noch konnte. Selbst der Rollstuhl in dem sie oft gesessen hatte und u.a. ihr kleines Frühstück zu sich nahm war noch lange zugegen und erinnerte schmerzlichst an ihre letzten Wochen.

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Und so erging es mir in jedem Raum der Wohnung. Überall standen, hingen oder lagen Gegenstände die mich teils an „die letzten gemeinsamen Wochen“ erinnerten, teils aber auch an weit davor liegende Zeiträume. Das machte es weiß Gott nicht einfacher meinen Verlustschmerz halbwegs in Zaum zu halten.

Ausräumen ist wie ein Stück Leben des Partners „wegräumen“

Lange Zeit war es mir nicht im Ansatz möglich all diese und so einige andere Dinge einfach weg- bzw. einzupacken. Ich konnte es nicht gleichwohl wissend dass der Tag des Umzugs stets näher rückt und all dies erledigt sein musste. Im Gegenzug waren schon viele meiner eigenen Utensilien aussortiert oder eingepackt worden. Dies stellte mich nicht im geringsten vor ein Problem weil es „meins“ war.

Partner tot, Wohnung weg und alles nur noch Erinnerung

Nichts ist zu allem anderen hinzugerechnet schlimmer als ein nötig werdender Umzug fast unmittelbar nach dem Tod des Partners. Nicht zuletzt deswegen, weil man so manche Dinge in die Hand nehmen muss die wiederum Erinnerungen wecken und den Verlustschmerz erneut anheizen. Es ist eine ständige Abwärtsspirale – auch gegen die Zeit – die ich mir so heftig in ihren Auswirkungen niemals vorstellen hätte können als ich vor gut zwölf Jahren hier eingezogen bin.

Das seelische Loch in dem ich gefangen war und bin wäre um einiges leichter zu verlassen, hätte man an alledem festhalten können. Es wäre gewissermaßen wie ein Seil an dem ich mich langsam wieder hochziehen hätte können.

Jetzt unter dem Strich betrachtet verschwand binnen eines Vierteljahres ein großer und sehr schöner Lebensabschnitt von uns (mir) einfach in der Welt aus bloßen Erinnerungen. Es ist toll dass es diese vielen Erinnerungen gibt aber es tut auch sehr weh alles dies plötzlich loslassen zu müssen und die Situation überhaupt auch nur annähernd verarbeitet bekommen zu haben.

6 Kommentare zu „Vieles blieb wie es immer gewesen ist“

  1. BIs auf die Sache mit dem Umzug, kann ich mich in diesen Dingen selbst finden. Dinge stehen, liegen, hängen noch dort wo sie immer waren, Sachen stehen dort, wo sie selbst sie hingestellt oder hingelegt hat. Die Couch ist immer noch so mit Polstern und Decken ausgestattet, als würde sie jeden Moment wieder mir dem Rollator ins Wohnzimmer kommen…..
    Es ist und bleibt schwer, dies alles „wegzuräumen“ oder auch nur annähernd aufzuarbeiten. Man will, in meinem Fall war es meine mir Anvertraute, nicht „wegräumen“. Man will den Menschen nicht verräumen, wegräumen, aus dem Leben zaubern, oder wie man es immer nennen will.
    Es bleibt eben so. So lange es so bleiben will oder kann. So lange, „bis es wieder wird“! Also wird es nie dazu kommen, das es nie wieder so wird!
    Es wird nie wieder so! Die Wunden heilen, aber die Narben bleiben.

    1. Willkommen bei nicht-spurlos Peter.
      Es schafft eine gewisse Genugtuung zu sehen, dass es auch anderen, ähnlich betroffenen Menschen so ergeht. Einfach nichts wirklich angehen zu wollen was das betrifft. Man denkt anfangs schon, man werde jetzt „komisch“, doch dem ist absolut nicht so. All die Gegenstände gehören mit zu dieser starken emotionalen Bindung die nach wie vor weiterbesteht. Auch das wieder ein Punkt – es kann nur von jemandem begriffen, verstanden und akzeptiert werden der diese Situation durchlebt (hat).

      Ich habe diesbezüglich auch schon Aussagen gehört wie „Du und Dein Altar“. Mit einem Altar hat das alles gar nix zu tun. Solche Aussagen sind auch der Grund, warum ich über all dies mit niemandem rede. Ich erspare mir dadurch „dummes Geschwätz“ und die Gefahr wieder in ein tieferes Loch dadurch gestoßen zu werden. Nämlich genau dies tun solche Aussagen.

      Die Narben, ja….. die bleiben in jedem Falle. Und sie schmerzen mindestens genauso wie die Wunden selbst. Jedenfalls ergeht es mir so.

  2. Ach ihr beiden, ich drück euch mal!
    „Die Zeit heilt nicht alle Wunden, sie lehrt uns nur mit dem unbegreiflichen zu leben.“
    Jeder auf seine eigene Weise,
    viele Grüße
    Miki
    @Thomas, ich hab mich nie getraut, hier was zu schreiben. Man hat immer Angst, was falsches zu sagen. Aber ist Schweigen nicht noch schlimmer?

    1. Schweigen kann schlimmer sein – wenn das Schweigen aus dem engeren Familienkreis kommt beispielsweise. Wenn ein Außenstehender schweigt kann ich das nachvollziehen, eben weil man Angst hat falsche Aussagen zu treffen. Dabei kann das eigentlich nicht passieren wenn man nicht gerade ein Gefühlstrampel ist. Und selbst wenn, demjenigen kann man dann entsprechend „bescheidstoßen“. Also nur zu, trau Dich. Mach Dir da mal keinen Kopf.

  3. Gut, dann weiß ich das…
    Ich abonniere jetzt hier mal, hab das jetzt gefunden ohne Benachrichtigung.
    „Nur abonnieren“ klappt nicht, da kommt eine Fehlerseite.
    Viele Grüße Miki

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