Ob es tatsächlich nur eine selektive Wahrnehmung ist, dass in Deutschland wieder einmal das große Blogsterben umhergeht? Wann ist eigentlich ein Blog „gestorben“? Kommt wahrscheinlich sehr viel auf den Blickwinkel des Betrachters an, doch die Frage wie es um das Bloggen in Deutschland steht wie es Horst kürzlich tat darf durchaus gestellt werden und ist berechtigt.

Er nimmt dafür das Projekt von Webmaster Friday her und zog dabei eine 12-monatige Teilnehmerbilanz zwischen 2013 bis 2014. Die Zahlen sprechen etwa seit April diesen Jahres eine etwas „andere Sprache“ – mit anderen Worten, sie brachen Stück um Stück ein. Vom oft zitierten Sommerloch hat wohl jeder schon mal etwas gehört.

Aber ob dieses Sommerloch für alles verantwortlich ist? Ganz bestimmt nicht. Gut, der Webmaster Friday – ohne dies jetzt negativ darstellen zu wollen – ist sicherlich nicht das Maß aller Dinge. Eine der zahlreichen Säulen in der Bloggerwelt ist das Projekt  – ähnlich der ehemaligen Stöckchenwerferei – aber schon wie ich meine. Von dieser Art Rückgang kann wohl jeder Blog sein eigenes Lied singen, der eine leiser, der andere lauter.

Drei Hauptfaktoren sind meines Erachtens der Hemmschuh in der deutschen Bloggerwelt.

Fehlende Verlinkungen hemmen Bloggerszene

verlinkungNicht ganz unschuldig am vermeintlichen Rückgang der Bloggerszene ist aus meiner Sicht die Riesenmaschine Google und ihre Linkpolitik. Wenn vor fünf oder sechs Jahren es noch nahezu an der Tagesordnung war, dass man einen anderen Blog zitiert und verlinkt so ist dies heute einer ganz besonderen Seltenheit zuzuordnen. Während man früher – ja das hört sich wieder an, ich weiß – noch Plugins nutzen musste um Ping- oder Trackbacks nach guten und schlechten Absendern zu filtern kann die Verwendung solcher Tools getrost außen vor gelassen werden.

Es verlinkt ja kaum noch jemand. Es lebe der Linkgeiz. Auch wieder so ein weither gebrachtes Wort aus dem Internet. Dieser Geiz ist aber eher eine Art von Furcht und/oder Respekt vor Google. Natürlichen und unnatürlichen Linkaufbau nennt das der Internetriese dann. Und weil viele Blogger Angst um ihren Pagerank haben – wie lange es den noch geben wird steht auch auf einem anderen Blatt – verlinken sie lieber gar nicht. So jedenfalls mein Eindruck.

Ein Beispiel sind etwa die Blogroll´s. Über Sinn und Zweck lässt sich natürlich streiten, da gehe die Meinungen immer in zwei oder noch mehr Richtungen. Früher gehörte die einfach mit zu einem Blog dazu, größtenteils jedenfalls. Heutzutage sieht man sie nur noch sehr selten. Das sind alles Fragmente, warum sich die Bloggerszene in viele Einzelkämpfer zerschlagen hat. Schade eigentlich, doch ändern wird man daran wohl kaum etwas können.

Rechtliche Situation

RechtsprechungDie „Abmahnindustrie“ stellt den Hemmschuh Nummer zwei dar. Überspitzt gesagt, ein falsch gesetztes Komma im Impressum führt doch schon bald zum Ärger mit unserem Rechtssystem. Ich spreche jetzt nicht von bewusst begangenen Urheberrechtsverletzungen. Dass diese nicht erlaubt sind wissen inzwischen wirklich alle. Aber wie oft kam es schon vor dass sich irgendwelche Agenturen nachträglich Bildrechte sichern, von denen ich gar keine Kenntnis haben kann und dann ihre Rechtsabteilung in Gang setzen? Nur so viel… es sind keine Einzelfälle.

Abgesehen davon, dass das Urheberrecht in seiner Form nicht mehr ins 21. Jahrhundert passt ist es doch so, dass die ganzen rechtlichen Stolperfallen immer höher und gemeiner werden. Das wäre dann neben dem Respekt vor Google die zweite Angstschwelle welche man mit nahezu jedem Beitrag betreten (muss).

Gut, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Trotzdem schwebt speziell in Deutschland immer Damokles Schwert über dem Haupt der Blogger die sich in der Summe daraus abkapseln, weniger schreiben, nur noch über Oma und Opa berichten oder die Tastatur hinsichtlich des Bloggens gleich ganz in die Ecke werfen.

Facebook, Twitter und Google ersetzen den Blog

NetzwerkNein tun sie nicht! Facebook & Co. gehören mit dazu. Sie erweitern den Horizont eines Blog im Bezug auf Reichweite, aber sie ersetzen denselben auf keinen Fall.

Und trotzdem ist zu beobachten, dass viele ehemalige Blogger – „die Alten“ unter uns wissen das bestimmt – sich mehr den 140-Zeichen-Texten widmen und/oder lieber das eine oder andere Video teilen und kommentieren ehe sie einen Beitrag verfassen, geschweige denn auf einem Blog einen Kommentar hinterlassen. Wenige oder keine Kommentare sind dann wiederum verantwortlich, dass sich ein Blogbetreiber ggf. als uninteressant oder gar überflüssig sieht und aufgibt. Blödsinn aber oftmals Fakt, gerade wenn es jüngere Blogs sind.

Und so schrumpft sie dahin, die deutsche Bloggerszene. Einst ein Hype ohne Ende dem nahezu jeder beiwohnen wollte dreht sich der Wind mehr und mehr in die Gegenrichtung. Vielleicht geht wieder mal ein Ruck durchs Netz der wieder alles ins richtige Licht rückt und auch die Blogger wieder ihrem Dasein mehr frönen. Wünschenswert wäre es allemal.

Naja, träumen wird man ja noch dürfen….. gell ;-) .