Wie sagt man in manchen Kreisen gerne mal… „ich kann gar nicht so viel essen wie ich kot… könnte“. Diesen Satz hört man von mir eigentlich eher weniger. Aber es gibt Erlebnisse bei denen ich nur noch so argumentieren kann – nämlich genau dann wenn die Würde eines Menschen massiv in den Hintergrund gestellt wird.

Einigen Lesern ist vielleicht noch der Vorfall bekannt, als ich von einer Pflegeeinrichtung abgemahnt wurde, weil ich berechtigte Vorwürfe an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet hatte die seitens der Einrichtung trotz Beschwerde nicht abgestellt wurden. Mit allen Mitteln – angefangen von „fragwürdigen Zeugen“ bis hin zum Versuch der Rechtsbeugung – wurde versucht mich zum Schweigen zu bringen und meine Beschwerde unter den Teppich zu kehren.

Nach langem Schriftverkehr zwischen den Anwälten traf man sich schließlich vor Gericht zu einem Gütetermin. Die Güteverhandlung scheiterte jedoch wie erwartet. Ein anderer Ausgang wäre nur dann möglich gewesen, wenn ich alle Vorwürfe hätte fallen lassen bzw. zurückgenommen hätte. Allerdings wäre ich somit um keinen Deut besser als die Gegenseite – alleine deswegen kein gangbarer Weg für mich. Ich wollte kein Recht für mich sondern die Würde meiner Mutter zurückgewinnen die ihr durch die Vorkommnisse in großen Teilen genommen wurde.

Wegen meines großen Prozess- und Kostenrisikos ist nur ein Vergleich geschlossen worden. Ein Vergleich in dem ich zum Schweigen verdonnert wurde und die Gegenseite weiterhin ihr gesamtes Tun als „völlig in Ordnung“ darstellt. Weil ich mir den freien Fall in Sachen Finanzen wie viele andere auch nicht leisten kann, blieb mir nur übrig diese Pille zu schlucken. Wirklich ganz großes Kino!

Verloren auf fast der ganzen Linie

Meine Mutter habe ich inzwischen verloren. Dieser Verlust steht natürlich über allem. Und trotzdem… bei dem Gedanken, dass meiner Mutter das Leben schwer gemacht wurde als es ohnehin schon durch ihre Krankheit war und dies auf eine ganz miese Art einfach pauschaliert wurde lässt in mir Wut hochkommen.

Ich habe des weiteren das pauschalierte Vertrauen in die deutsche Alten- und Krankenpflege verloren.

Und ich habe noch mehr bei der ganzen Aktion verloren – die Achtung vor unserem Staat. Die Achtung vor einem Staat, der es ermöglicht und zulässt dass Pflegeeinrichtungen ein so großen Ermessungsspielraum besitzen dürfen und im „Ernstfall“ einfach Augen- und Ohrenzeugen zum Schweigen verdonnern kann weil es diesen finanziell nicht möglich ist die Menschenwürde wiederherzustellen. Achtung vor einem Staat zu besitzen der Geld über die Würde stellt – ein absolutes No-Go.

Der Objektivität wegen – gewonnen hatte meine Mutter und zuletzt wir Angehörigen ebenso. Ihre letzten Tage konnte sie in einem Pflegeheim verbringen das bewiesen hat, dass es auch anders geht. Dafür auch an dieser Stelle unser großer Dank!

Und trotzdem bleibt unter dem Strich die Tatsache, dass ich nicht so viel essen kann wie ich kot… könnte!

Update 14.07.2012: Fortsetzung folgt, die Gegenseite sieht Fehler nicht ein.