Ein Todesfall kann Dein Leben ganz erheblich aus der Bahn werfen, je näher man dem Verstorbenen stand um so schwerer wird der Versuch werden dies zu verarbeiten. Die Trauerverarbeitung ist ein sehr komplexes Thema. Jeder geht mit Trauer anders um, es gibt keinen pauschalen Leitfaden um diese Zeit für sich geregelt zu bekommen. Trauer verändert unser bisher gewohntes Leben grundlegend. Was hier nach einer Ansammlung von immer wiederkehrenden Worthülsen klingen mag können nur jene nachvollziehen, die sich aktuell in einem solchen Prozess befinden oder jemals befunden haben.

Mit diesem Beitrag möchte ich meine Sicht auf die Trauerverarbeitung vermitteln. Vielleicht findet sich der eine oder andere darin wieder und ich kann ihm ein kleines Stück weit damit helfen. Das Grundrezept hierfür – wie bereits erwähnt – gibt es (leider) nicht.

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Hilfe angeboten bekommen und Hilfe annehmen

verzweiflung, ratlosigkeit, trauerWer in das Loch der Trauer gefallen ist landet von jetzt auf gleich und völlig abrupt in einem gänzlich „anderen Lebensabschnitt“. Dieser Abschnitt ist für Betroffene nicht nur neu sondern auch von großem Schmerz begleitet, was es um so schwieriger gestaltet damit umzugehen. Einige Dritte bieten oft ihre Hilfe für alle möglichen Dinge an, reden und zuhören, nicht alleine lassen oder auch einfach Hilfe für den allgemeinen Tagesablauf wie einkaufen etc..

Diese Hilfsangebote sind durchaus sehr lieb gemeint und wir sollten sie nicht generell ablehnen. Jeder, oder zumindest das engere Umfeld meint es in dieser Zeit gut mit uns und möchte mitwirken, dass wir „unser seelisches Loch“ wieder (leichter) verlassen können.

Teils nimmt man diese Hilfe auch nur deswegen an, weil man den anderen quasi nicht vor den Kopf stoßen möchte nach dem Motto „ich brauche Deine Unterstützung nicht“. Die gut gedachten Hilfsangebote sind eine freundschaftliche Geste die man nicht ausschlagen sollte. Das Wort „Hilfe“ muss hier schon differenzierter betrachtet werden. Auf der einen Seite steht jene Hilfe die sich an den normalen Tagesablauf anlehnt, wie eben Einkaufen oder einfach nur das Gespräch von Mensch zu Mensch.

Die andere Seite der Hilfe ist jene, die sich tatsächlich mit dem persönlichen Schicksal beschäftigt – dem Verlust eines geliebten Menschen. Hier Hilfe zu erfahren und auch überhaupt geben zu können ist sehr schwer, ganz besonders für „Laien“.

Der Ratschlag, „lass Dir helfen“ mag für einige anmaßend klingen, er mag den Anschein erwecken, dass wir in die psychische Ecke gestellt werden sollen. Aber dieser Ratschlag ist immer noch um ein Vielfaches besser als so manche Floskel im Umgang mit Trauer welche eher noch das Gegenteil bewirkt. Und – dieser Rat ist ganz sicher nicht abwertend gemeint.

Trauerverarbeitung – Hilfe vom Fachmann in Anspruch nehmen

Es ist deswegen absolut keine Schande, wenn jemand der sich in großer Trauer befindet professionelle Hilfe in Form eines Psychologen nimmt. Depression ist etwas, was Trauernde in jedem Fall begleitet auch wenn man dies am liebsten weit verdrängen möchte. In wie weit es am Ende gelingt hier die Notbremse zu ziehen kommt letztlich auf den Versuch an. Es beginnt erst einmal damit, überhaupt einen psychologischen Beratungstermin zu erhalten. Soll es ein Mann sein oder eine Frau, in welchem Alter soll der Psychologe sein?

Didepression, depressives sind persönliche Fragen welche man sich erst einmal selbst beantworten muss. Der dann folgende Schritt ist „diesen Psychologen“ zu finden. Teils lange Wartezeiten sind der Regelfall, aber noch viel schlimmer ist es einen Psychologen zu finden mit dem die Krankenkasse auch einverstanden ist – Stichwort Kassenzulassung. Leider sehr viele „in Frage kommenden Psychologen“ arbeiten auf Basis von sogenannten Selbstzahlern.

Welche Kosten die Krankenkassen übernehmen und was sonst noch alles beachtet werden muss ist hier zusammengefasst.

Wahrscheinlich genau aus diesem Grund weil es so ein Hick-Hack ist, arbeiten viele psychologischen Praxen nur auf der Basis von „Selbstzahlern“, sprich privat versichert. Als hätte jemand der psychisch angeschlagen ist nicht schon genügend Probleme als sich mit Abrechnungs- und Genehmigungsverfahren auseinander zu setzen. Der Mangel an Psychologen in Deutschland ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch merkt dies erst derjenige, der Hilfe in Anspruch nehmen möchte bzw. sollte.

Ist der Schritt getan, der Psychologe bzw. die Psychologin gefunden und die „Chemie zwischen Psychologe und Patient“ stimmt, ist man ein großes Stück weiter aber natürlich noch nicht am erhofften Ziel angekommen. Voraussetzung ist immer, dass man der Sache persönlich offen gegenüber steht. Andernfalls ist alles bereits von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Ich habe diesen Schritt gewagt.

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An welches Ziel er mich bringen wird und ob es mir gelingt mein abgrundtiefes Loch der Verzweiflung zu verlassen kann ich heute noch nicht abschätzen. Der Spruch „kommt Zeit, kommt Rat“ ist hier gut und ein Stück weit passend angebracht. Es wird einiges an Zeit brauchen um all das Erlebte auf zu arbeiten, zu verarbeiten und gegebenenfalls etwas in den Hintergrund stellen zu können. Ein insgesamt betrachtet sehr weiter Weg dessen Beschreitung ganz sicher nicht immer einfach sein wird. Ob sich ein Erfolg zeigt und wenn ja wie dieser aussehen wird kann keiner der Beteiligten sicher im Voraus prognostizieren. Was bleibt ist lediglich ein kleiner Funke an Hoffnung.

Über Thomas Liedl
Ich beschäftigte mich mit gemischten Themen aus Gesellschaft, Politik, Technik und Sport. In meinen Praxistests schreibe ich über eigene Erfahrungen mit Produkten bzw. Dienstleistungen im und außerhalb des Internets. | Facebook | Twitter | LinkedIn

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4 Kommentare
  1. Alex sagte:

    Ich wünsche dir mit dieser Begleitung an deiner Seite Erfolg, auf dass es dir helfen wird.
    Und auch weiterhin bleibe ich hier ein meist stummer Leser, denn es fehlen einem schlicht und einfach die Worte. Und wenn mann dann doch etwas hinzusteuern möchte, befürchtet man nicht die richtigen Worte zu finden. Sei dir eines gewiss, ich fühle mit dir und wünsche dir von ganzem Herzen Kraft!

    Antworten
    • Thomas Liedl sagte:

      Die Zeit wird es zeigen….!
      „Die richtigen Worte“ – ja das ist natürlich zugegeben nicht immer einfach. Allerdings, so sehe ich es, derjenige welcher überhaupt Worte findet macht sich grundsätzlich Gedanken zur Thematik. Von daher ist das mit den richtigen oder falschen Worten nicht unbedingt das entscheidende Kriterium wenn Du weißt was ich meine. Danke jedenfalls für Deine „digitale Unterstützung“.

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  2. Marcus sagte:

    Hallo Thomas,

    schön zu lesen, das es Dir gelungen ist, Hilfe zu suchen (und zu finden).

    Natürlich wird und kann keiner wissen, wo es Dich hinführt. Aber wenn wenigstens die Möglichkeit gegeben ist, das Du zumindest schon einen Lichteinfall am Ende des Tunnels erkennen kannst oder bald wirst, ist schon viel gewonnen.

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